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»Nicht alle über einen Kamm scheren«

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Beim Neujahrsempfang der AWO in Traunreut wurden langjährige Mitglieder geehrt, unter ihnen auch Bürgermeister Klaus Ritter (links). (Foto: Mix)

Traunreut – Das Thema Flüchtlinge nahm breiten Raum ein beim AWO-Neujahrsempfang am Samstag. Bürgermeister Klaus Ritter informierte die Anwesenden über die aktuelle Situation in der Stadt. Ortsvorsitzende Elfi Dzial listete die Termine 2016 auf und nahm Ehrungen für langjährige Mitglieder vor.


160 Flüchtlinge leben in Traunreut

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Elfi Dzial gab einen kurzen Rückblick auf die Aktivitäten des Vereins im vergangenen Jahr und gab dann das Wort ab an den Traunreuter Bürgermeister. Klaus Ritter berichtete, dass derzeit 160 Flüchtlinge, davon 55 unbegleitete Minderjährige, in der Stadt in dezentralen Wohneinheiten untergebracht sind, wo sie sich selber versorgen beziehungsweise im Falle der Jugendlichen betreut werden.

In der Notunterkunft im alten Bauhof wurden Anfang Dezember 150 Männer einquartiert, von denen jedoch aktuell nur noch 77 da sind. In der neuen Unterkunft, die am Volksfestplatz errichtet wird, werden weitere Asylbewerber unterkommen. Das Stadtoberhaupt betonte, dass die Flüchtlingshilfe in erster Linie Sache des Bundes und der Länder sei und nicht der Kommunen: »Das alles ist nicht unsere Aufgabe. Wir stellen nur die Grundstücke zur Verfügung.« Ohne die freiwillige und unentgeltliche Arbeit der Helfer vor Ort, die den Flüchtlingen in vielen alltäglichen Situationen zur Seite stehen, sei diese staatliche Aufgabe nicht zu leisten. Dennoch müsse die Stadt auch vorausdenken und in die Zukunft planen. Wenn die Asylbewerber länger vor Ort bleiben, würden die Familien nachkommen und die Planung müsse auf ausreichend Wohnraum, Schul- und Kindergartenplätze ausgerichtet sein: »Wir müssen verstärkt in den sozialen Wohnungsbau investieren und kurzfristig Wohnungen aus dem Boden stampfen, die preiswert sind. Dabei dürfen wir nicht nur an die Flüchtlinge denken, sondern müssen auch auf unsere eigenen Leute achten, die sozial schwach sind.« Naturgemäß hätten die »Gäste« andere Werte. »Wir brauchen Akzeptanz und Toleranz von beiden Seiten«, betonte Klaus Ritter, »müssen ihnen aber auch unsere Werte klar darlegen und deutlich aufzeigen.«

»Wir müssen die Augen offen halten«

Zu den neuesten Ereignissen mit Übergriffen auf junge Mädchen (wir berichteten), meinte der Bürgermeister: »Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alle über einen Kamm scheren. Unsere Aufgabe ist es, künftig die Augen offen zu halten. Wir dürfen nicht jeden gleich anklagen, sollen aber schon hinschauen und achtgeben.« Das Stadtoberhaupt erinnerte in dem Zusammenhang mit den beiden 17-Jährigen, die in der Silvesternacht belästigt wurden, an seine Jugendzeit: »Wir Buben haben früher die Mädel immer nach Hause begleitet. Das ist in meinen Augen Anstand, so bin ich aufgewachsen.«

Robert Jekel, Leiter des AWO-Seniorenzentrums, hat auch Erfahrungen mit Flüchtlingen, die er als sehr positiv bezeichnete. Seit kurzem absolviert Miragha G. aus Afghanistan eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger in der Einrichtung. Der junge Mann spreche bereits recht gut Deutsch und komme im Seniorenzentrum gut zurecht. Ein weiterer Mann, Jalilou M. aus Togo, macht gerade ein Langzeitpraktikum in der AWO-Einrichtung und äußerte einen Satz, der Robert Jekel sehr beeindruckte. Der junge Mann sagte: »In unserer Kultur ist es üblich, alte Menschen zu ehren.« Mit dieser Einstellung sei er bestens für die Arbeit im Seniorenzentrum geeignet.

Mitgliederzahl ging deutlich zurück

In ihrem Ausblick auf das neue Jahr nannte Elfi Dzial die geplanten Aktivitäten des Ortsvereins. Wie gewohnt, gibt es jeden Monat einen Clubnachmittag beziehungsweise in den Sommermonaten einen Ausflug. Um die sehr beliebten Angebote der AWO in Traunreut aufrechterhalten zu können, seien aber dringend mehr Mitglieder nötig. »Vor zwölf Jahren waren wir noch circa 800 Mitglieder und jetzt sind wir nur noch 290«, bedauerte die Vorsitzende. Sie bat die Anwesenden daher, Werbung für den Verein zu machen.

Die Vorsitzende versäumte es aber auch nicht, ihren aktiven Helfern bei allen Veranstaltungen zu danken und Mitglieder zu ehren, die viele Jahre der AWO die Treue hielten und halten. Geehrt wurden für 25 Jahre Mitgliedschaft: Ingeborg und Horst Kirstädter, Helene Schnierer, Veronika Günther, Helene Tworek, Bernhard Dirnberger, Klaus Ritter und Ernst Jilg. Für 30 Jahre: Auguste Hartel, Theresia Egger, Margarethe Ramsay. Für 35 Jahre: Johann Mitterer, Margot Jilg, Monika Görtz, Katharina Kreuzeder, Sieglinde Schneider und Marianne Winkler. Für 40 Jahre: Karoline Neumann, Martha und Max Korsiska, Kurt Zimmermann, Otto Stöffel, Bernd Mayer und Alfred Ehr sowie für 45 Jahre Helmuth Hohlweger und Anni Tauscher. mix