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Nicht alle Neukirchner sind gegen das »Aventura«

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Teisendorf. Rund 200 Besucher kamen zur Bürgerversammlung ins Haus des Gastes in Neukirchen. Fast eineinhalb Stunden wurde über das geplante Großprojekt »Aventura« diskutiert. Bauingenieur Hans Lindenberger, der für den Investor, die Firma Unterberger, tätig ist, stand Rede und Antwort. Wiederholt kommentierte ein Teil der Bürger dessen Vortrag mit Applaus. Andere äußerten Bedenken.


Wie Lindenberger sagte, liege es im »Trend der Zeit«, an Autobahnen »Magneten« zu erzeugen, die dem vorbeifahrenden Autofahrer zum Verweilen einladen. Hier baue man nicht auf der »grünen Wiese«, da ohnehin ein Gewerbegebiet geplant sei. Anders als sonstige Gewerbegebiete könne man dieses »Sporterlebnis für die ganze Familie« »in einem Guss« hinstellen und so sofort von den Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen profitieren.

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Andrea Koob fragte, ob die »Untertunnelung« beim Autobahnausbau kein Nachteil für das Aventura sei, da man dieses erst spät sehe und deshalb der Tunnel verkürzt werde. Bürgermeister Franz Schießl stellte klar, es handle sich um keinen Tunnel, sondern um 600 Meter Einhausung, die »ganz klar für Neukirchen kommen« müsse.

Vorbeifahrende würden durch gezielte Tourismuswerbung und nicht nur durch den »Sehfaktor« informiert, ergänzte Lindenberger. Die Einhausungspläne würden nicht berührt und könnten von der Gemeinde im Bebauungsplan geregelt werden. Dass die Autobahn beim Ausbau Richtung Süden doppelt so breit werde, gab Rainer Fraitzl zu bedenken. Laut Schießl gehöre hier vor dem Aicher-Grund noch ein Streifen der Autobahndirektion.

Als »zu groß für Neukirchen« beurteilten das Vorhaben Agnes Aigner und Christian Wölkhammer, der befürchtet, dass sich der Autofahrer das »einmal anschaut« und dann doch nach Salzburg weiterfährt. Lindenberger verwies darauf, dass »nicht immer die gleichen vorbei fahren«. Wenn es einen Anlass gebe, dann fahre man dorthin und verbringe dort einen halben oder ganzen Tag. Für Veranstaltungen seien sicher ergänzend zum geplanten Hotel Gästebetten im Umkreis gefragt. Um so ein Projekt wirtschaftlich betreiben zu können, seien 12 000 bis 13 000 Quadratmeter eine Richtgröße.

Referenzprojekte, nach denen Willi Oswald fragte, gebe es noch nicht in dieser Form. Die Idee sei international. Lindenberger verwies auf andere größere Bauprojekte der Firma Unterberger und deren Jahresumsatz von 280 bis 290 Millionen Euro allein im Immobilienbereich. Wolfgang Linsenmeier sagte, er sei ein großer Gewerbe-Befürworter, aber »mit so einem Investor nicht einverstanden«. Da komme sicher kein heimischer Handwerker zum Zug. Dem widersprachen Lindenberger und Schießl: Bei solchen Baumaßnahmen kämen die Zulieferer und Subunternehmer fast durchwegs aus der Region.

Als große Chance und Belebung für Neukirchen sieht Verkehrsvereins-Vorsitzender Wolfgang Quäschling die geplante Sport-Erlebniswelt. Skeptisch zeigte er sich nur bezüglich der Zahl der Arbeitsplätze und der Auswirkungen des Hotels und der Gastronomie auf heimische Betriebe. Er warb dafür, dem Gewerbegebiet eine Chance zu geben: »Jetzt haben wir die Möglichkeit, das irgendwie zu steuern«, regte er eine konstruktive Mitarbeit der Bürger an.

Lisa Uxa beunruhigen die großen Gewerbeflächen, wo »entweder sehr viele oder sehr große Shops« Platz fänden, die sicher nicht durch die Region allein abgedeckt werden könnten. Sie fragte, ob ein langsam entstehendes Gewerbegebiet nicht das »gesündere Wachstum« sei. Sie befürchte, dass hier ein »künstlicher Bedarf« geschaffen werde.

Der Bürgermeister wies auf die fußläufig erreichbaren Arbeitsplätze, die zu erwartende, gewinnabhängige Gewerbesteuer und den Anteil von 15 Prozent an der Einkommenssteuer hin; selbst bei Teilzeitstellen komme da etwas zusammen. Arbeitsplätze begrüßte Albrecht Zollhauser, kritisierte jedoch, dass Lindenberger die fast fertige Planung vom ursprünglichen Standort Kiefersfelden nicht zeigte. Er äußerte Missfallen an der modernen Architektur und regte eine bessere Einbindung ins Landschaftsbild an.

Philipp Schader fragte, wie groß die Gefahr sei, dass Reichenhall oder Traunstein das Neukirchner Projekt blockieren – so wie das Kiefersfeldener Projekt durch die Stadt Rosenheim. Das müsse die Zukunft zeigen, meinte Projektentwickler Martin Seidl. vm

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