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»Neuwertiger Aufzug, originalverpackt, zu verkaufen«

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Hier hätte der Aufzug eingebaut werden sollen – wenn man bei der Planung genau genug gemessen hätte … (Fotos: Eder)

Waging am See. Im Keller des Waginger Seniorenheims lagert, original in Kisten, Styropor und Plastik verpackt, ein kompletter Aufzug – und das seit drei Jahren. Beim Umbau des Heims war ein dritter Lift geplant. Während des Baus hatte man, auch wegen der steigenden Kosten, darauf verzichten wollen. Diese Botschaft aber war offenbar auf dem Weg über die verschiedenen Beteiligten nicht rechtzeitig beim Lieferanten angekommen. Der Lift wurde somit gefertigt und geliefert und nimmt nun im Keller den Platz weg, von den Finanzen ganz zu schweigen. Denn er kostete um die 70 000 Euro.


Warum hat man den Aufzug dann nicht doch eingebaut, wenn er schon da war? Weil noch mehr schief gegangen war: Der lichte Raum im Treppenhaus des Altbaus erwies sich als zu eng. Man hätte unter anderem die marmornen Stufenauflagen abschneiden müssen, und selbst dann wäre aus verschiedenen technischen Gründen nicht sicher gewesen, ob der Aufzug wirklich hätte eingebaut werden können. So sparte man sich letztlich die rund 40 000 Euro, die der Einbau zusätzlich gekostet hätte.

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Das kleinere Problem ist der Lagerraum, den die Kisten mit den Aufzugteilen einnehmen. Deutlich größer ist das finanzielle Problem für das Seniorenheim, das bei der eh sehr engen Kalkulation auch noch den unnötigen Aufzug mitfinanzieren muss – ein echtes Problem für die Liquidität des Hauses, wie Kämmerer Bernhard Kraus weiß. Wird er doch häufig von Heimleiter Hubert Sailer mit der Bitte angerufen, doch endlich den Seniorenheim-Haushalt von dieser zusätzlichen Last zu befreien.

Warum das Problem seit drei Jahren nicht gelöst werden konnte, ist kaum erklärbar. Nun war der Aufzug auch Thema in der Finanzausschuss-Sitzung – mit ganz unterschiedlichen Lösungsansätzen.

Aufzug in die Mittelschule einbauen?

Vielleicht könnte man den Aufzug ja in die Mittelschule einbauen, meinte der Kämmerer. Heute, wo so viel über Inklusion gesprochen werde, wäre doch ein Aufzug in einer Schule eine gute Sache. Diese Idee nahm auch Bürgermeister Herbert Häusl positiv auf, der eigentlich nur noch eines will: »Wir sollten schauen, das Ding los zu werden. Die Schule wird wohl irgendwann sowieso einen Aufzug brauchen«, meinte er, »behinderte Kinder werden nicht immer nur im Erdgeschoß unterrichtet werden können.« Aber der Einbau des Lifts in der Mittelschule wäre wohl erst sinnvoll, wenn die alte Turnhalle abgerissen und der Eingang der Schule sowieso neu gestaltet wird. Doch bis es so weit ist, das würde noch dauern, da war man sich im Ausschuss schon einig.

Und wer weiß, so wurde laut überlegt, ob es nicht bis dahin längst wieder andere DIN-Vorschriften gebe. Die lange Lagerzeit mache den Aufzug wohl auch nicht besser. Am Ende einigten sich die Mitglieder des Ausschusses darauf, den Aufzug zu verkaufen. Auch wenn man nur einen Teil der ursprünglichen Kosten hereinbekommen werde, wäre doch das Problem aus der Welt geschafft. Mangels besserer Alternativen verblieb man dann bei der Vorgabe an den Kämmerer, sich um den Verkauf des Aufzugs zu kümmern. Kraus will nun mit dem Planer reden und versuchen, »das Ding los zu werden«. Vor allem will er nach der steuerlich günstigsten Möglichkeit suchen, die Summe aus dem Seniorenheim-Haushalt herauszuholen, um die Finanzlage des Hauses zu entspannen.

»Die Planung war sicherlich nicht glücklich«, entfuhr es Bürgermeister Häusl im Rahmen der Debatte. »Der Aufzug ist von den Planern beauftragt und dann auch geliefert worden«, sagte er.

Projektant verstand Storno lediglich als Überlegung

Seniorenheim-Geschäftsführer Hubert Sailer sagte dazu auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts: Bei den ersten Überlegungen für den Umbau habe man neben dem vorhandenen Aufzug den Einbau zweier weiterer als Wunschvorstellung geäußert. Als aber alle Wünsche und Notwendigkeiten summiert wurden, sei man schnell an das Kostenlimit gekommen. So habe sich die Heimleitung von einem dritten Aufzug verabschiedet. Dies habe er dem Planer auch mitgeteilt, der dies an den zuständigen Projektanten weitergeleitet habe.

Umso größer sei die Überraschung gewesen, als die Aufzugfirma dann die Lieferung angekündigt habe. Eine Nachfrage beim Projektanten habe ergeben, dass dieser das damalige Gespräch »nicht wirklich als Storno« verstanden habe, sondern nur als Überlegung. Nächste Überraschung war die Erkenntnis, dass man es im neuen Treppenhaus bei den Abmessungen offenbar »nicht ganz so genau genommen« habe. Bevor man dann die Stufen abschneiden wollte, habe man gänzlich auf den Aufzug verzichtet, sagt Sailer und fügt sarkastisch an: »Dafür hat man dann Fachplaner«. he