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Neujahrsempfang der Gemeinde Ruhpolding

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Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Ruhpolding (von links): Bürgermeister Claus Pichler, der Stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen, Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser sowie Jörg Wimmelmann, der den hochkarätigen Referenten organisiert hatte. (Foto: Giesen)

Ruhpolding. Zum großen Neujahrsempfang der Gemeinde Ruhpolding im Kurhaus war wieder ein prominenter Referent des ZDF gewonnen worden: Elmar Theveßen, Experte für Terrorismus, organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität, hielt ein mit vielen Bildern unterlegtes, hochinteressantes Referat zum Thema »Die Herausforderung – Chancen und Gefahren der arabischen Rebellion«.


In den großen Saal des Kurhauses waren viele Vertreter von Vereinen und Verbänden, ehemalige und amtierende Gemeinderäte, mehrere Soldaten der Patenkompanie aus Bad Reichenhall sowie Altlandrat Leonhard Schmucker, der Stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser und viele interessierte Ruhpoldinger gekommen.

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Bürgermeister Claus Pichler gab einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr, in dem beim Hochwasser Anfang Juni und dem totalen Stromausfall vom 19. November dank des umsichtigen Einsatzes der Rettungskräfte Schlimmeres verhindert werden konnte. Neben einigen Rückschlägen wie den gesunkenen Tourismuszahlen im letzten Winter verwies Pichler auf eine ganze Reihe von Erfolgen im vergangenen Jahr. So befinde sich die Turn- und Schießhalle nach einer Generalsanierung wieder in einem ausgezeichneten Zustand, das neue Baulandmodell für junge Familien kam in Bibelöd erstmals zur Anwendung und der letzte Bauabschnitt des Kanalnetzes wurde abgeschlossen.

An der Schule gibt es neben dem offenen Ganztagesangebot neuerdings auch die Betreuung durch eine Jugendsozialarbeiterin. Außerdem erhielten zum ersten Mal Schüler die Mittlere Reife im Mittelschulverbund, freute sich Pichler. Positiv sei es auch, dass mit der Akutgeriatrie eine neue Abteilung im Vinzentinum eingerichtet wurde und Schmerztherapie als weiterer Schwerpunkt geplant sei.

Elmar Theveßens Ausführungen waren hochaktuell angesichts der blutigen Auseinandersetzungen in Kairo am vergangenen Wochenende, aber auch wegen der zunehmenden Zahl von Asylbewerbern auch in Ruhpolding, die durch Morde an Angehörigen und Verfolgung traumatisiert sind. Der Stellvertretende Chefredakteur des ZDF erlaubte den Zuhörern eine »Reise hinter die Kulissen der Weltpolitik«, bei der er aufzeigte, wie »die Welt immer mehr zusammenrückt« und uns die zahlreichen Krisenherde, zum Beispiel in Ägypten, am Hindukusch oder in Afrika stark mit betreffen.

Theveßen stellte fest, dass den Leuten im Westen die arabische Revolution und die oftmals berichteten Gewalttaten meistens extrem bedrohlich erscheinen, dass sie aber auch eine große Chance sein könnten. Amerika zum Beispiel habe die Protestbewegung in der arabischen Welt bereits unter Präsident Bush gefördert. Die eigentliche Ursache für die Unruhen im Nahen Osten lägen an der Perspektivlosigkeit der jungen Leute unter den autokratischen Herrschern, zum Beispiel in Syrien. 85 Prozent der Bevölkerung seien dort unter 45 Jahren.

Die ungerechte Behandlung der Muslime in einigen Ländern wie Jordanien, Algerien, Libyen oder Marokko, führe letztendlich zum Terrorismus. Es gebe 1,5 Milliarden Muslime auf der Welt, 500 000 bis 700 000 von ihnen seien gewaltbereit, schätzte der Referent. Grundsätzlich sei der Islam nicht auf seine gewaltsame Ausbreitung fokussiert – nicht mehr als andere Religionen auch. Unser Ziel müsse es sein, möglichst viele Staaten die Vorteile der Globalisierung spüren zu lassen und Länder in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung gezielt zu unterstützen.

Damit könnte manchmal auch jeder einzelne in seiner Lebensführung mithelfen, verdeutlichte Theveßen an einem Beispiel: Wenn wir zum Beispiel gerne exotischen Fisch essen, werden die Meere von europäischen Fischkuttern abgefischt und nehmen damit den einheimischen Fischern ihre Lebensgrundlage. Um ihre Familien zu ernähren, sehen diese dann möglicherweise keine andere Möglichkeit, als in die westliche Welt zu fliehen oder einen Umsturz im eigenen Land herbeizuführen.

Viele hatten Fragen an Theveßen

Die Zuhörer stellten im Anschluss viele Fragen, zum Beispiel nach der Rolle der Türkei. Seiner Meinung nach könne sie positiv in der arabischen Welt wirken, sei aber momentan noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, antwortete der Referent. Die westlich orientierte Entwicklung in der Türkei hielt er für unumkehrbar. Die Bevölkerung lasse sich mit größter Wahrscheinlichkeit keinen islamischen »Gottesstaat« mehr aufzwingen. gi