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Neues seniorenpolitisches Konzept

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Traunstein – Die Gesellschaft verändert sich. »Wir werden älter und bunter. Diesen elementaren Veränderungen müssen wir mit neuen Konzepten begegnen.« Das betonte der neue Senioren- und Behindertenbeauftragte des Landkreises Traunstein, Hans Zott, vor dem Ausschuss für Gesundheits- und Flüchtlingsfragen und soziale Angelegenheiten. Ältere Menschen hätten insbesondere den Wunsch, möglichst lange in der vertrauten Umgebung leben zu können. Eine wichtige Zukunftsaufgabe sei, die notwendige Infrastruktur vorzuhalten sowie neue Wohn- und Betreuungsformen für ältere Bürger zu entwickeln.


Im Landkreis Traunstein nimmt die Bevölkerung zu

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Nach einer Prognose des Bayerischen Landesamts für Statistik wird die Bevölkerung im Landkreis Traunstein bis zum Jahr 2023 zunehmen und bis 2030 konstant bleiben. Gleichzeitig wird der Anteil älterer Menschen höher. Der Kreisausschuss beschloss Mitte Juni 2015, ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept auf den Weg zu bringen, wie es das Bayerische Sozialministerium fordert. Zahlreiche Kreise, darunter das Berchtesgadener Land, Rosenheim und Mühldorf, haben schon ein solches Konzept. Es soll nach Zott fachlich breit angelegt sein und die Vielfalt der Lebenswelten älterer Menschen beschreiben – um Bestehendes zu erfassen und eine Übersicht zu erhalten, was künftig zu tun ist. Daten aus den Gemeinden und anderen Informationsquellen sollen ein Gesamtbild für den Landkreis ergeben. Während die meisten Landkreise ein derartiges Konzept in die Hände externer Beraterfirmen legen, will es der Landkreis Traunstein mit eigenem Personal schaffen. Das Sozialministerium gibt einen Leitfaden und »Handlungsfelder« vor.

Ein Kernanliegen Zotts ist, die Potenziale älterer Menschen stärker zu aktivieren und ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Beispiele seien barrierefreie Zugänge, eine ausreichende Infrastruktur mit Geschäften oder in der ärztlichen Versorgung. Neue Wohn-, Betreuungs- und Unterstützungsleistungen müssten etabliert werden, etwa eine Versorgung zu Hause bis hin zu verschiedenen Wohnformen im Alter.

Erste Aktivitäten hat Hans Zott bereits eingeleitet. Es gab einen Workshop der kommunalen Seniorenbeauftragten im Landratsamt und in Kürze folgt eine Fragebogenaktion bei allen Bürgermeistern. Auch »Sprachrohre der älteren Bevölkerung« werden zu einem Workshop eingeladen – zum Beispiel Vertreter der Kreistagsfraktionen, der Kirchen, der Senioren-Union, Seniorenbeiräte, Vertreter von VdK, Caritas, Diakonischem Werk und mehr. Die früher schon angedachte, aber »eingeschlafene« Seniorenkonferenz soll wieder aktiviert werden.

Sozialausschuss als Begleitgremium?

Für jedes Handlungsfeld ist das Vorgehen gleich. Einer Ist-Analyse folgen die Zielvorstellungen. Alles mündet in einer Zusammenfassung von Zielen, Maßnahmen, Zuständigkeiten und Zeithorizont. Alle Einzelergebnisse werden zu einem landkreisweiten Gesamtbild zusammengefügt. Hans Zott schlug vor, ein Begleitgremium einzusetzen. Er wünsche sich dafür den Sozialausschuss. Eine weitere Idee war, »seniorenpolitische Leitlinien« zu erarbeiten.

Marianne Penn, Bündnis 90/Die Grünen, regte an, gleiches für »Menschen mit Beeinträchtigungen« vorzusehen. Darin unterstützte sie Josef Mayer, CSU. Senioren und Behinderte hätten in der Praxis unterschiedliche Anforderungen. Manchmal gelte es, abzuwägen: »Über abgesenkte Bordsteine freuen sich Rollstuhlfahrer, nicht aber Blinde. Generell äußerst ungünstig für Behinderte sind große Pflastersteine auf öffentlichen Plätzen.«

Aus dem Ausschuss kam eine Reihe weiterer Vorschläge zu dem neuen Konzept. Irmingard Siglreithmayer, CSU, trat für breitere Parkplätze ein – angesichts immer größer werdender Autos. Senioren hätten Probleme, auszusteigen oder den Rollator seitlich aus dem Fahrzeug herauszuholen. Ältere Bürger gesellschaftlich mehr in die Pflicht zu nehmen, forderte Alfons Baumgartner, Bayernpartei: »Viele Vereinsvorstände finden keine Nachfolger.«

Der Ausschuss nahm den Sachstand einmütig zur Kenntnis. Für seine erste Präsentation mit Themenvorschlägen schon nach gut vier Wochen im Beauftragtenamt erntete Hans Zott Lob von Landrat Siegfried Walch und den Ausschussmitgliedern. »Was Zott macht, macht er gut. Es ist ein Konzept aus einem Guss«, sagte Walch. An den gescheiterten Altenhilfeplan erinnerte Vize-Landrat Sepp Konhäuser, SPD. Annemarie Funke, CSU-Kreis- und Bezirksrätin, zollte Zott Respekt: »Hut ab, wie Sie alle gesellschaftlichen Ebenen einbeziehen. Meine Unterstützung haben Sie. Es ist auch toll, dass die Seniorenkonferenz wieder belebt wird.« kd