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Neues Rathaus ohne Tourist-Info

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Übersee – Soll die Tourist-Information im geplanten neuen Rathaus untergebracht werden oder nicht? Eine entsprechende, für die nächsten Jahrzehnte in Übersee wegweisende Entscheidung hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag getroffen. Mit zehn zu fünf Stimmen entschied sich das Gremium gegen eine Integration der Tourist-Info.


Zunächst hatte Simon Bauer vom Planungsbüro Strasser eine grobe Raumplanung des neuen Rathauses an der Stelle des jetzigen alten Feuerwehrhauses ohne die Tourist-Info vorgestellt. Danach ist der in früheren Überlegungen angedachte Haupteingang an der Straßenseite auf die Südseite in die Mitte des Gebäudes verlegt worden. Der Zugang ist als Einschnitt in das Gebäude vorgesehen und bietet so eine natürliche Überdachung. Ein zweiter Eingang ist ebenfalls mittig an der Rückfront des Hauses geplant. Beide Eingänge führen ins zentrale Foyer mit Aufzug, Treppen und Toiletten.

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Rechts vom Haupteingang sollen das Bürgerbüro, das Einwohnermeldeamt und das Standesamt untergebracht werden. Links vom Haupteingang sind die Büros der Finanz- und Steuerverwaltung.

Im Obergeschoß befindet sich das Herz der Verwaltung mit dem Bürgermeisterzimmer, einem Besprechungsraum, allen Fachbüros und dem Archiv. Ein großer Sitzungssaal für 20 Gemeinderäte – vier mehr als jetzt – ist im Dachgeschoß an der Ostseite geplant. Mit Blick auf die Kirche wird gegenüber an der Westseite das Trauungszimmer eingerichtet. Der Keller ist der Technik und Lagerräumen vorbehalten.

Raumaufteilung war nochmal überarbeitet worden

Diese grobe Raumaufteilung war vom Planungsbüro noch einmal überarbeitet worden, nachdem Gemeinderat Leo Segin (CSU) von der achtköpfigen Konzeptgruppe angeregt hatte, die Tourist-Info mit seinen jetzt 120 Quadratmetern Nutzfläche in den Neubau zu integrieren. »In diesem Fall müsste man das Gebäude um 3,4 Meter in allen Geschossen nach Westen in Richtung Schule erweitern«, so der Planer.

Nach seinem Dafürhalten wären die Touristiker am sinnvollsten im östlichen Erdgeschoß anstelle des Bürgerbüros, des Einwohnermeldeamts und des Standesamts platziert. Diese Büros müssten dann auf die Westseite umziehen und die dort angedachten Räume der Finanzverwaltung ins Obergeschoß gehen.

Der Knackpunkt dieser Aktion waren laut Bauer die grob kalkulierten Mehrkosten von 310 000 Euro brutto ohne Baunebenkosten. Die Gesamtkosten für den Rathausneubau waren in der Frühphase der Planung seinerzeit auf rund drei Millionen Euro geschätzt worden.

Angesichts dieser Konstellation sah Bürgermeister Marc Nitschke die Gemeinde an einem Scheideweg, »denn gute Gründe gibt es für beide Varianten«. Für die Integration der Tourist-Info sprächen Synergieeffekte, kurze Wege für Bürger und Vermieter sowie die Ersparnis der jährlichen Mietzahlungen für die Tourist-Info von 13 000 Euro für die Räumlichkeiten an der Feldwieser Straße an den Tourismusverein.

Gegenargumente seien nach den Worten des Gemeindechefs vor allem die hohen Mehrkosten, weil die Gemeinde die Baukosten des Rathauses von etwa drei Millionen Euro ohnehin alleine schultern müsse. Geringe Zuschüsse im Rahmen des Förderprogramms für kleinere Städte und Gemeinden seien höchstens für die Außenanlagen und die Sanitäranlagen zu erwarten.

»Unsere Tourist-Info ist sauber beieinand«, stellte Hans Schönberger (FBL) fest. »Warum sollten wir also was ändern?«, meinte auch Anton Stefanutti (Die Grünen). Dass die jährlichen Mietzahlungen der Gemeinde an den Tourismusverein keine Verluste sind, betonte Ludwig Ertl (FBL): »Wenn sich der Verein irgendwann einmal auflösen sollte, fällt das Vermögen vertragsgemäß an die Gemeinde.« Alois Huber (CSU) befürchtete bei einer Integration noch mehr Autos im Zentrum, und Maria Steinert (SPD) sagte: »Die Tourist-Info ist für die Gäste da und das Rathaus für die Bürger.«

Mietkosten waren Leo Segin ein Dorn im Auge

Eine andere Meinung hatte vor allem Leo Segin, der den Stein ins Rollen gebracht hatte. Besonders die Mietkosten waren ihm ein Dorn im Auge: »Seit die Tourist-Info der Gemeinde vor über zehn Jahren angeschlossen worden ist, sind rund 240 000 Euro an den Tourismusverein geflossen.« Außerdem könnten Angestellte der Tourist-Info bei Nichtauslastung kurzfristig andere Aufgaben im Rathaus übernehmen.

Christian Huber (ADfÜ) kritisierte die vom Planer alternativlose Übernahme der aktuell 120 Quadratmeter großen Tourist-Info in die Rathausplanung als »unzureichend für eine so schwerwiegende Grundsatzentscheidung«. »Vielleicht ließe sich ja beispielsweise bei einer sorgfältigeren Planung eine kleinere Tourist-Info ohne Mehrkosten im Gebäude unterbringen.« Auch die Überlegungen von Rupert Kink (CSU) gingen in diese Richtung und er regte deshalb eine nochmalige Überplanung an.

Für diesen Fall warnte Stefan Haneberg (ADfÜ) vor »einem Hineinzwängen der Tourist-Info um jeden Preis. Das wäre hirnrissig, denn damit hätte das Gebäude keine Raumreserven und damit keine Zukunftsfähigkeit. Und wir wollen ja eine optimale Lösung für die nächsten 50 Jahre.«

Schließlich stimmten zehn Räte für ein Rathaus ohne Tourist-Info. Dagegen votierten Leo Segin, Rupert Kink, Christian Huber, Erika Stefanutti (FBL) und Uschi Geiger (CSU). Die beiden Letzteren enthielten sich eines Kommentars. bvd

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