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Neues Heizwerk Tettenhausen nimmt Gestalt an

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Das neue Heizwerk in Tettenhausen soll so tief wie möglich in die Landschaft eingepasst werden. Dieser Entwurf zeigt, wie das Gebäude zu einem großen Teil vom hängigen Gelände verdeckt werden soll. (Plan: Bautechnisches Büro Kleißl)

Waging am See – Trotz großer ortsplanerischer Bedenken von Kreisbaumeister Rupert Seeholzer führt die Gemeinde Waging das Verfahren zum Bau eines neuen Heizwerks in Tettenhausen weiter. Der Gemeinderat fasste den sogenannten Billigungs- und Auslegungsbeschluss für die Flächennutzungsplan-Änderung zum »Sondergebiet Heizkraftwerk« und den Durchführungsbeschluss. Die Stellungnahmen der Behörden wurden abgearbeitet, die umfangreichen Einwände eines Anliegers zurückgewiesen.


Der gemeindliche Bautechniker Franz Fenninger stellte die Pläne für das neue Heizwerk vor, wobei besonderes Augenmerk darauf gerichtet worden war, das Gebäude bestmöglich in das Gelände einzupassen, weil von den Behörden mehrfach auf eine gute landschaftliche Einbindung gedrängt worden war. Von der Straße aus werde von dem Gebäude nicht viel zu sehen sein, sagte Fenninger. Aktuell solle auch nur gebaut werden, was notwendig ist: auf einer Fläche von 11 mal 16 Metern ist Platz für die zwei Öfen und einen Pufferspeicher; ein zweiter könnte nachgerüstet werden. Zudem ist Platz für 220 Kubikmeter Hackschnitzel vorgesehen – eine Menge, die etwa für 14 Tage reichen sollte.

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Gesamtkosten etwas über eine Million Euro

Die Kostenschätzung für das künftige Hackschnitzelheizkraftwerk beläuft sich nach den Berechnungen des Bautechnischen Büros Kleißl für das Bauwerk auf netto 220 000 Euro einschließlich der Baunebenkosten. Die Kostenschätzung des Planungsbüros Anton Stadler aus Traunstein zur Heiztechnik beläuft sich auf rund 800 000 Euro. Davon entfallen rund 155 000 Euro auf die Anschlussleitung von der bisherigen Heizzentrale zum neuen Heizwerk und etwa 645 000 Euro auf die Ausstattung des Heizwerks mit Kessel und sonstiger Technik. Bei Gesamtkosten von etwas über einer Million Euro erhofft sich die Gemeinde eine Förderung in Höhe von rund 100 000 Euro, wie Werkeleiter Heinrich Thaler sagte.

Bei den Behörden-Stellungnahmen verwies die Regierung von Oberbayern auf das »sehr bewegte landschaftliche Relief am östlichen Ortsrand von Tettenhausen«. Daher seien »besonders hohe Anforderungen an die Einbindung geplanter Neubauten, insbesondere auch des Heizkraftwerkes, in das Orts- und Landschaftsbild« notwendig. Darüber hinaus sei wegen der Luftreinhaltung die Abstimmung mit der Unteren Immissionsschutzbehörde erforderlich. Dies wird nach Angaben der Gemeinde im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens geschehen.

Der Bund Naturschutz begrüßt das Bauvorhaben. Ein Hinweis ging dahin, dass auf eine 24-Stunden-Beleuchtung verzichtet werden sollte, außerdem sollten insektenfreundliche Leuchtmittel verwendet werden. Und schließlich wurde noch der Ankauf eines mindestens zehn Meter breiten Streifens und die Pflanzung von Heckenstrukturen vorgeschlagen.

Überrascht über Kritik des Kreisbaumeisters

Etwas überrascht war man bei der Gemeinde über die »heftige Kritik« von Kreisbaumeister Seeholzer. In Vorgesprächen, so hieß es, habe er nie so große Bedenken geäußert wie in seiner schriftlichen Stellungnahme, in der er das Vorhaben als »ortsplanerisch äußerst kritisch« beurteilte. Seitens der Gemeinde wurde darauf verwiesen, dass man das Gebäude so klein und niedrig gestalte, wie nur möglich. Anderswohin ausweichen könne man nicht, weil in dem Bereich keine weiteren Flächen zum Verkauf stünden. Wenn nicht auf dem aktuellen Grundstück gebaut werden könnte, müsste das Vorhaben scheitern.

Massive Einwände eines Anliegers

Erhebliche Bedenken kamen von Bürgerseite. Ein Anwohner hatte dazu eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben und erklärte, dass er alle rechtlichen Schritte unternehmen werde, um den Bau zu verhindern. Seiner Ansicht nach hätten den Entscheidungsgremien fundierte Planungsgrundlagen hinsichtlich der Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens gefehlt. Deshalb hätten denkbare Alternativen nicht objektiv abgewogen werden können. Vielmehr habe die Interessenlage Dritter mehr Einfluss auf das vorliegende Ergebnis gehabt als sachliche Faktoren. Befragt, was er damit meine, wollte er nicht Stellung nehmen: Er habe den Sitzungstermin zu spät mitbekommen und daher keine Zeit gehabt, sich entsprechend vorzubereiten. Weitere Kritikpunkte waren fehlende Transparenz in der bisherigen Öffentlichkeitsinformation, auch sehe er nicht »die bisher öffentlich dargestellte Alternativlosigkeit«. Dazu sagte Werkeleiter Thaler, es seien vier Standorte geprüft worden, keine dieser anderen Alternativen haben sich als umsetzbar erwiesen.

Auch die wirtschaftlichen Risiken seien nicht ausreichend vermittelt worden, so der Anlieger in seiner Stellungnahme. Außerdem könne das Heizwerk zur Zerstörung eines ökologisch wertvollen Heckenaltbestandes führen und angrenzende, naturnahe Bereiche nachhaltig beeinträchtigen. Auch das Ortsbild werde »besonders bei witterungsbedingter Dampf- und Rauchentwicklung unnötig stark beeinträchtigt«. Und schließlich seien durch den geringen Abstand zum Wohngebiet »Am Sandberg II« erhebliche Immissionsbelastungen zu erwarten. he