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Neues »Einheimischenmodell« für Petting

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Hier bei Ringham entstehen rechts von der Straße 19 Bauparzellen, die voraussichtlich noch in diesem Jahr im Einheimischenmodell vergeben werden. (Foto: Höfer)

Petting – Einen Verstoß gegen die Gleichbehandlung sah die EU-Kommission im bisherigen bayerischen Einheimischenmodell, würden doch Ortsansässige über Gebühr bevorzugt. Dieser Faktor spielt nun auch im Entwurf der Gemeinde Petting eine geringere Rolle. Der Gemeinderat verständigte sich auf einen Neuerlass, der bereits mit dem Landratsamt vorabgestimmt worden ist.


Ein Zuzugsdruck wie etwa in den Münchner Umlandgemeinden bestehe in Petting nicht, holte Bürgermeister Karl Lanzinger zunächst thematisch aus. Dort stiegen die Preise in einem Maße, dass sich normalverdienende Einheimische Haus und Grund nicht mehr leisten könnten. Gleichwohl gebe es das sogenannte Einheimischenmodell in Petting seit den 70er-Jahren. Bislang stand in den Statuten, dass ein Bewerber mindestens zehn Jahre in der Gemeinde wohnen oder arbeiten müsse. Diese hohe Anforderung sei nun nicht mehr zulässig, um Auswärtige nicht zu diskriminieren.

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Maximal fünf Jahre werden künftig mit 60 Punkten belohnt. Mehr Punkte erhält jener, der weniger verdient, wobei maximal 40 Punkte möglich sind. Kinder schlagen mit zehn Punkten zu Buche, Behinderte je nach Grad mit fünf oder zehn Punkten. Das vorhandene Vermögen darf den Marktwert des Grundstücks nicht überschreiten. Für diese damit geforderte vollständige Fremdfinanzierung des Baus zeigte Andreas Götzinger wenig Verständnis.

Bei Punktegleichstand erhält jener Bewerber den Vorzug, der sich früher beworben hat. Ist das Datum identisch, so ist der Sieger, der bei seiner Geburt in Petting mit Hauptwohnsitz gemeldet war. Sollte auch das übereinstimmen, erhält der Antragsteller den Vorzug, der mehr zu berücksichtigende Kinder hat. Und dann? Dann könnte ein Losentscheid nötig werden.

Klar ist, dass der Käufer Verpflichtungen eingeht. So muss das Grundstück binnen drei Jahren bebaut sein, wenigstens ein Rohbau stehen. Der Käufer muss Bauherr sein und mindestens eine Wohnung selbst bewohnen. Spekulativer Erwerb ist ausgeschlossen. Nicht zuletzt müssen »dörfliche ortsübliche Immissionen« ausgehend von Kirchenglocken oder landwirtschaftlichen Betrieben geduldet werden. Dazu gehören ausdrücklich auch Hahnenschreie, Froschquaken, Schnalzen und Böllerschießen.

Die Gemeinde sichert sich die Einhaltung der Bedingungen vertraglich ab. Bei Verstößen ist ein Rückkauf möglich. Die anfallenden Kosten gehen dann zu Lasten des vormaligen Käufers. Unter Paragraph 8 »Sonstiges« behält sich die Gemeinde ein Türchen offen. Darin heißt es: »In begründeten Ausnahmefällen kann der Gemeinderat abweichend von diesen Kriterien entscheiden.«

Um den Eindruck zu vermeiden, dergleichen würde im Schnellverfahren abgehandelt, erinnerte Franz Vordermayer daran, dass man das Thema »schon länger vorberaten« hatte. Der Gemeinderat stimmte dem Neuerlass geschlossen zu. »Jetzt wir das Landratsamt die Kriterien noch einmal prüfen und uns hoffentlich Rechtskonformität bescheinigen«, schloss der Bürgermeister das Thema. In diesem Fall tritt die Neuregelung dann am 1. Februar 2018 in Kraft. höf