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Themen der regionalen Wirtschaft und der Bundespolitik beleuchtete Bundestagsabgeordneter Dr. Peter Ramsauer als Festredner beim Wirtschaftsempfang der Traunreuter CSU. (Foto: Effner)

Traunreut – Premiere feierte der CSU-Ortsverband Traunreut mit seinem ersten Wirtschaftsempfang in der Schlossbrauerei Stein.


Ortsvorsitzender und zweiter Bürgermeister Hans-Peter Dangschat hob dabei hervor, der Empfang sei zum einen als Dank an das Engagement der Wirtschaftsunternehmen in der Stadt zu verstehen, die ein wichtiges Standbein für die Wirtschaftskraft von Traunreut bildeten. Er diene zum anderen aber auch als Plattform zum Austausch mit der Kommunalpolitik und Gelegenheit zum Knüpfen neuer Unternehmenskontakte.

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Über aktuelle Zahlen aus dem Geschäftsbericht und Neuerungen bei der Schlossbrauerei Stein informierte Geschäftsführer Stefan Haunberger. Mit ihrem Bestehen seit 528 Jahren gehört die Brauerei zu den ältesten Unternehmen im Landkreis. Zugleich zähle der Betrieb in Sachen Innovation zu den Top-5-Unternehmen des Landkreises, wie die Verleihung des Chiemgauer Wirtschaftspanthers belege. Ein Plus von vier Prozent sei aus den über sieben Millionen Flaschenfüllungen abzulesen, berichtete Haunberger.

Das Konzept, die Braugerste aus eigenem Saatgut in der Region anzubauen, werde seit zehn Jahren mit 100 Landwirten umgesetzt. Dabei würden 3500 Tonnen im Jahr erwirtschaftet. Aufgrund des Erfolgs werde mit der Ökomodellre- gion Waginger See und der Mussenmühle in Tacherting seit letztem Jahr auch die gesamte Bio-Braugerste aus der Region bezogen. Sichtbares Zeichen der Kooperation soll heuer das neue Zwicklbier »Waginger See Hoibe« sein. Ihren Energiebe-darf könne die Brauerei mit zwei Wasserkraftwerken decken, deren Ertrag auch der Schule zugutekommen soll.

Als »identitätsstiftendes Merkmal« hob der Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Ramsauer die Rolle der Wirtschaft in seiner Heimatstadt heraus. Die Unternehmen seien zum einen global ausgerichtet, aber auch »sozial ausgeglichen« orientiert, was an der starken Rolle der Gewerkschaften abzulesen sei, betonte der Vorsitzende im Wirtschaftsausschuss des Bundestags. Bundesweit seien nurmehr 16 Prozent der Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert, was auf eine »fundamentale Änderung« deute. Deutschlands Spitzenstellung und Lokomotivfunktion in der Wirtschaft Europas sei nicht zuletzt der unter Bundeskanzler Gerhard Schröder realisierten Agenda 2010 zu verdanken. Ramsauer bezeichnete sie als »fundamentalste Wirtschaftsreform« seit Jahrzehnten und warnte davor, das Erreichte stückweise aufzuweichen.

Unverständlich seien auch erneute Forderungen nach einer »Reichensteuer«. Die gebe es bereits, auch wenn SPD-Kanzler Gerhard Schröder als »größter Steuerreformer« den Spitzensteuersatz auf 42 Prozent gedrückt habe. Das oberste Einkommensprozent erbringe aktuell immerhin 21 Prozent des gesamten Steueraufkommens, die oberen 50 Prozent der Steuerzahler erwirtschafteten 95 Prozent des Steuereinkommens.

Die tatsächlichen Investitionen in die öffentliche Infra-struktur lägen »meilenweit von den Erfordernissen entfernt«. Große Sorgen bereite ihm zudem die Umsetzung der Energiewende, so Ramsauer, die sich durch jährliche Milliardeninvestitionen – etwa zum Bau der neuer Stromnetze – in deutlichen Erhöhungen der Strompreise niederschlagen werde. Erst 2015 bis 2030 sei mit einer Entlastung der Stromkunden zu rechnen. Immerhin sei der Anteil erneuerbarer Energie seit 1990 von vier auf heute 33 Prozent gestiegen.

Trotz der Vorbehalte gegen TTIP und CETA seien Freihandelsabkommen auch für den Erfolg der regionalen Wirtschaft unabdingbar. Aktuell gebe es 40 derartiger Vertragswerke, 27 weitere seien in Verhandlung. Aufgrund des drohenden Rückzugs der USA orientiere sich Europa stärker in Richtung Asien, speziell nach China und Japan. In weiteren Punkten setzte sich Ramsauer mit den Themen Brexit und Digitalisierung und den Folgerungen aus den damit einhergehenden, dramatischen Veränderungen auseinander.

In der Fragerunde ging es um die noch immer hohe Verschuldung Griechenlands, die mögliche Konsolidierung des Landes mit einer eigenen Währung und die für Reformen kontraproduktive Politik des billigen Gelds durch die europäische Zentralbank. In geselliger Runde tauschten sich rund 40 Unternehmer im Anschluss über die Tagespolitik, neue Geschäftsideen und das Wirtschaftsgeschehen aus. eff