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Neuer Bauhof wird zweieinhalb mal so teuer als geplant

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Traunreut. Obwohl die Planer bei der Vorstellung des Bauhof-Neubaus in der Sitzung des Bauausschusses betonten, nach kostengünstigen Lösungen gesucht zu haben, kam unterm Strich eine Summe heraus, die etwa dem Zweieinhalbfachen der ursprünglichen Planung entspricht. Nach Angaben des Planungsbüros kplan AG in Abensberg ist mit Gesamtkosten von 10,4 statt 4 Millionen Euro zu rechnen. Ein stolzer Preis, mit dem offenbar keiner gerechnet hatte. Erschwerend kommt hinzu, dass das Grundstück auf einer gerodeten Waldfläche im Bereich einer ehemaligen Altlastenverdachtsfläche hergerichtet werden muss.


Planung soll auf jeden Fall weiterentwickelt werden

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Mit Ausnahme von Sepp Winkler (Bürgerliste) und Hans Baltin (Grüne) war sich das Gremium aber einig, die Planung weiter zu entwickeln und die detaillierte Kostenschätzung als Richtwert anzusetzen. Bürgermeister Franz Parzinger bestätigte die Aussagen der Planer, dass alles schon optimiert worden sei. Auch er habe geschluckt, als er von den Kosten erfahren habe. Er gab aber zu bedenken, dass die Nutzfläche des neuen Bauhofs im neuen Gewerbegebiet »Äugelwald« um ein Vielfaches größer werde als die bestehende in der Kernstadt.

»Wir sollten zukunftsorientiert denken, denn die Aufgaben des Bauhofes werden nicht weniger.« Unter anderem stellte er den Straßenausbau und die neuen Bau- und Gewerbegebiete gegenüber, die unterhalten werden müssten. Diese zusätzlichen Aufgaben bedeuten in den Augen des Bauhofleiters Josef Bernhofer mehr Geräte und mehr Lagerflächen. Auch Bernhofer betonte, dass sich der Bauhof gemeinsam mit den Planern auf eine zweckmäßige, aber funktionsgerechte Lösung verständigt habe. Mit der Lösung dürfte es die nächsten 25 bis 30 Jahre keine Probleme geben, so Bernhofer.

Während Bernhard Seitlinger (CSU) bereit wäre, die »Kröte zu schlucken«, aber die Kosten strikt im Auge zu behalten, mahnte Sepp Winkler (Bürgerliste) vor der »Wegwerfmentalität« und regte an, doch nochmal das Gutachten des alten Bauhofs gegenüberzustellen. Laut Gutachten würde eine Sanierung nur rund vier Millionen Euro kosten. Parzinger meinte, das würde aber nicht das Problem lösen, der jetzige Bauhof sei schlichtweg zu klein. Auch Paul Obermaier (FW) sprach von einem »stolzen Preis«, rechnete aber den Verkauf der Schuhegger-Halle am jetzigen Bauhof dagegen.

Hochspannungsmast bereitet Probleme

Ein weiteres Manko sei ein Hochspannungsmast, der das über 15 000 Quadratmeter große Baugrundstück tangiere. Eine Verlegung der Stromleitung in den Boden würde laut E.On 980 000 Euro kosten. Beiderseits des Mastens müsste die neue Bebauung 20 Meter Sicherheitsabstand einhalten. Diese Flächen dürften nur als offene Lagerflächen genutzt werden. Damit überhaupt eine Bebauung möglich ist, muss zunächst der Waldboden abgetragen werden. Nach Angaben von Ingenieur Martin Grandl, der die Außenanlagen plant, müsse der Boden abgetragen und wieder aufgebaut werden, weil er zu wenig sicker- und tragfähig sei. Ausgeglichen werden müsse auch der Höhenunterschied von einem Meter. Grandl rechnet hier mit Kosten in Höhe von 400 000 Euro. Die Außenlagen kosten damit rund 1,3 Millionen Euro.

Das Planungsbüro kplan erstellte für den neuen Bauhof drei Varianten. Variante I, bestehend aus Verwaltungsbau, Magazin- und Werkshalle, KFZ-Werkstatt, beheizter Fahrzeughalle und unbeheizter Lagerhalle, wurde als günstigere und in der Praxis tauglichste Variante weiterentwickelt. Der Plan hat eine Zufahrt und eine Ausfahrt, 40 Parkplätze für Mitarbeiter und Besucher außerhalb des Geländes.

Variante II ist ein umlaufender Gebäudetrakt und eine unbeheizte Lagerhalle mit zwei Zufahrten und einer Ausfahrt. Die zweite Zufahrt wäre für die KFZ-Werkstätte vorgesehen, die Parkplätze wären zum Großteil innerhalb des Bauhofgeländes. Der freie Innenhof wäre dadurch aber kleiner. Allerdings weichen die Grundstücksgrenzen vom Bebauungsplan »Gewerbegebiet Äugelwald« ab. Nach dem Willen des Bauausschusses soll aber entlang der westlichen Grundstücksfläche eine Grenzbebauung zugelassen werden. Der Beschluss, auf Basis der Variante I die Entwurfsplanung weiter zu entwickeln, muss jetzt noch vom Stadtrat abgesegnet werden.

Altes Gutachten ging von vier Millionen Euro aus

Ursprünglich sollte der neue Bauhof an der Ecke Porsche-/Kolpingstraße entstehen, um alle technischen Einrichtungen – Stadtwerke, Bauhof und Wertstoffhof – an einem Standort zusammenzufassen. Da aber die Polizei Interesse an dem Grundstück für den Einsatzzug der Operativen Ergänzungsdienste anmeldete, entschied sich der Stadtrat für den Bauhof-Standort im »Äugelwald«.

Der grundsätzlichen Entscheidung, den Bauhof neu zu bauen, ging ein Sanierungsgutachten voraus. Demnach hätte die Sanierung knapp vier Millionen Euro gekostet und damit nur knapp unter den damals geschätzten Kosten für einen Neubau gelegen. Parzinger machte schon damals deutlich, dass die Stadt zwar nicht an Einwohnern wachse, die Aufgaben des Bauhofes aber nicht weniger werden würden. Ohne seine Unterstützung wären auch Großveranstaltungen wie das Stadtfest oder der Stadtlauf, die zum positiven Image mit beitragen würden, nicht möglich. »Das geht nur, wenn der Bauhof entsprechend ausgestattet ist.« ga