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Neuer Altar für Haslacher Kirche war »längst überfällig«

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Die Spannung steigt: Noch sind der Ambo und der rund zwei Tonnen schwere Altar verhüllt. Erst zur Weihe am Sonntag werden sie enthüllt. (Foto: Hohler)

Traunstein. Wenn eine Kirche in diesen Tagen etwas baut, wird das seit Limburg nicht selten misstrauisch beäugt – ob von Mitgliedern der jeweiligen Pfarrei oder von Leuten, die der Institution selbst längst den Rücken gekehrt haben. Dass nun die Pfarrei Haslach in ihrer Pfarrkirche Mariä Verkündigung am Sonntag um 10.30 Uhr einen neuen Altar und Ambo weiht, ruft dementsprechend auch Kritiker auf den Plan. Immerhin kostete beides zusammen mit den neu gestalteten Sitzgelegenheiten für Priester und Ministranten, der Kredenz und dem Deckel für den Taufstein rund 75 000 Euro.


Wende im Liturgieverständnis führte zu vielen Provisorien

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Stadtpfarrer Georg Lindl, der als Pfarradministrator auch für Haslach zuständig ist, geht weit zurück in die Geschichte: »Das hängt zusammen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1963. Das brachte etwa ab 1965 eine Wende im Liturgieverständnis«. Habe es bis zur Romanik nur Hochaltäre gegeben, so hätten sich dann vorne in der Kirche frei stehende »Volksaltäre« durchgesetzt. Ab der Gotik wurden sie an die Ostwand versetzt, sodass alle nach Osten schauten.

»Im Zuge des erneuerten Liturgieverständnisses der 60-er Jahre war man sich einig, dass der Altar wieder mehr in die Mitte muss«, so Lindl, »man wusste nur nicht so recht, aus welchem Material man diese herstellen sollte, und so kam es zu relativ vielen Provisorien.« Das Konzil sei inzwischen 50 Jahre her, so ging die Kirche weltweit dazu über, die Provisorien aus den 60-er Jahren durch dauerhafte Altäre zu ersetzen. Diese sollten auch ästhetischen Ansprüchen genügen. »Pro Jahr werden in der Diözese rund 15 Altäre geweiht«, so Lindl. »In Haslach ist das wirklich überfällig«, sagt er mit Verweis auf den bisherigen »Volksaltar«. Das neubarocke Antependium, die Altarverkleidung, stammte der Überlieferung nach aus einer der großen Münchner Kirchen.

»Die Leute haben aber einen emotionalen Bezug zu ihrer Kirche, da kann man nicht von oben herab einen neuen Altar verordnen.« Deshalb habe man selbstverständlich sowohl den Pfarrgemeinderat als auch die Kirchenverwaltung miteinbezogen. Er selbst habe den Stein im Steinwerk Gundelsheim bei Treuchtlingen mit ausgesucht. »Das ist gelblich-grauer Jurakalk, man sieht richtig, wie der Stein gewachsen ist. Aber es sollten keine Lufteinschlüsse sichtbar sein. Das war gar nicht so einfach zu finden.«

Den rund zwei Tonnen schweren Stein bearbeitete der Surberger Künstler Johann Brunner, der sich mit der Büste der Nazi-Gegnerin Edith Stein in der Walhalla einen Namen gemacht hat. Die in Auschwitz ermordete Nonne war die erste jüdischstämmige Heilige Europas. Den Traunsteinern ist Brunner bekannt von der Büste Papst Benedikts vor der Stadtpfarrkirche St. Oswald. Das Material Stein biete sich an, weil es sich bildhauerisch gut behandeln lasse, die Kirche schon immer viel aus Stein baute und weil es ein Symbol sei für Petrus, den Felsen in der Brandung. »Das hat schon einen Ewigkeitscharakter.«

»Kirche hat auch heute einen Verkündigungsauftrag«

Weil die Diözese will, dass die Kirchen gut in Schuss und einladend sind, übernimmt sie auch die Hälfte der Kosten. »Fest steht, dass die Kirche kein Denkmalschutzverein ist, der einfach stehen bleiben kann, auch wenn wir sehr viele Denkmäler betreuen«, so Lindl. »Natürlich müssen wir dem Historischen gerecht werden, aber auch in der Moderne haben wir einen Verkündigungsauftrag.« Deshalb habe man einen zeitgenössischen Künstler beauftragt.

Im Übrigen sei die Pfarrkirche selbst im Laufe der Jahrhunderte zigmal umgebaut und erneuert worden. Sie geht auf das Jahr 1263 zurück und ist damit der älteste Pfarrsitz Traunsteins. Das heutige dreischiffige Langhaus wurde von 1846 bis 1873 zwischen dem mittelalterlich-barocken Westturm und dem barocken Chor errichtet.

Bis Kardinal Reinhard Marx den zwei Tonnen schweren Stein am Sonntag weiht, bleibt er verhüllt. Erst danach darf auf ihm die Eucharistie gefeiert werden. Anschließend findet am Sonntag ein Pfarrfest im Pfarrsaal statt. coho

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