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Neuer Altar erhitzt die Gemüter

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So sieht der derzeitige Altar in der Siegsdorfer Pfarrkirche aus.
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Und so sieht der Entwurf für den neuen Altar aus.

Siegsdorf. Für einigen Unmut sorgte die Vorstellung des Konzepts für die Renovierung des Altarraums in der Siegsdorfer Kirche von Alexander Heisig vom erzbischöflichen Ordinariat in München, dort zuständig für die Abteilung »Zeitgenössische Kunst und Kirche«, vor hochinteressierten, aber auch kritischen Pfarreimitgliedern.


»Es steht außer Frage, dass der Steinboden einer gründlichen Renovierung bedarf«, so Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Irmgard Bier gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Die Argumente für die Drehung der sogenannten Schwesternbänke um 90 Grad mit Ausrichtung zum Volksaltar und zum Ambo hin seien mit leichten Zweifeln am Effekt dieser Aktion hingenommen worden.

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Unverständnis aber sei bei fast allen Anwesenden bei der Vorstellung des neuen Volksaltars und des Ambos aufgekommen. Heisig hatte ein Miniaturmodell mitgebracht, damit die Pfarreiangehörigen die geplante Form und Gestaltung in Augenschein nehmen konnten. Zusätzlich hatte Kirchenpfleger Hans Döpper großformatige Kopien von Bildern der Entwürfe in Originalgröße, aufgenommen in der Pfarrkirche, ausgelegt.

Die zuständige Abteilung im erzbischöflichen Ordinariat hatte zwei Künstler beauftragt, Entwürfe zu fertigen, die am 6. November der Kirchenverwaltung vorgestellt wurden. Der Entwurf des Künstlers Gregor Passens fand mehr Gefallen und sollte demnach weiter verfolgt werden. Der Vorschlag des Kirchenpflegers, dem derzeit benutzten Volksaltar etwas von der Breite zu nehmen und Boden und Tischplatte umzugestalten und zu verschönern, wurde vom Ordinariat allerdings nicht akzeptiert.

Passens hat für Altar und Ambo die Verwendung von hellem Untersberger Marmor vorgesehen. Der Altar würde dem Entwurf zufolge in drei gewellte Schichten geschnitten. Von der Mitte der Front bis zur Rückseite des Altarblocks verläuft eine Öffnung in Form eines Kreuzes, in das vorgesehen ist, eine Reliquie einzulegen. Die Oberseite des Altarblocks wird poliert, die Seitenwände werden bruchrau und Front und Rückseite werden gesägt.

»Fragen nach einer Anpassung der Form des Altars und des Ambos an den Baustil der Kirche oder auch der Hinweis, dass dieser weiße Block in der Siegsdorfer Kirche wie ein Fremdkörper wirken würde, wurden von Heisig, der aufgrund seiner fachlichen Kompetenz allen Anwesenden überlegen war, abgeblockt«, kritisiert Bier.

Döpper: »Es ist sehr ärgerlich«

Auch Anna Döpper, Mutter von Kirchenpfleger Hans Döpper, zeigte sich dem Traunsteiner Tagblatt gegenüber verärgert: »Es ist sehr ärgerlich, wie gewisse Leute und besonders der Herr aus München unseren derzeitigen Volksaltar abqualifiziert haben. Immerhin hat dieses 'Provisorium' seit mehr als 40 Jahren als Altar für das heilige Messopfer gedient.« Darum könne es heute nicht mehr als Provisorium bezeichnet werden. »Warum sollen zwölf kunstvoll geschnitzte Säulen unserer ehemaligen Kommunionbank weniger wertvoll sein, als ein durchgesägter Steinklotz?«, fragt sie. »Man muss nicht Kunst studiert haben, um zu erkennen, was in unsere Pfarrkirche passt und was nicht«, macht sie ihrem Ärger Luft.

Nach einer Stunde wurde die Konzept-Vorstellung beendet. »Viele der anwesenden Pfarreimitglieder gingen unzufrieden, enttäuscht, verärgert oder wütend nach Hause. Es scheint in unserer Diözese der Trend zu sein, dass bei Errichtung eines neuen Altares keine Rücksicht genommen wird, ob das Modell zur Kirche passt«, berichtet Bier vom Ende der Veranstaltung. »Fraglich ist, ob diese Dominanz, die vonseiten des Ordinariats ausgeübt wird, nicht zu weit geht. Beratend zur Seite stehen und gemeinsam mit den Kirchenverwaltungen unter Einbeziehung der Pfarreimitglieder Lösungen zu erarbeiten, die auch das Kirchenvolk akzeptieren kann, würde sicher viel Unmut, Ärger und auch Kosten ersparen.«