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Neueinstellungen junger Waldarbeiter gefordert

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Mit einer Urkunde ehrte der Vorsitzende des Vinzenzivereins, Georg Bichler, (von links) Hans Peter Konrad, Georg Plenk (Kress), Hubert Haßlberger, Ingo Schmucker, Georg Neuhofer und Josef Bertold (von links). Nicht auf dem Foto sind Dr. Maria Kau und Anderl Hofmann. (Foto: Giesen)

Ruhpolding – Dass die Wälder nicht länger »übernutzt« werden dürfen und nicht nur der Euro zählen darf, forderte der Vorsitzende des Vinzenzivereins, Georg Bichler, bei der Jahreshauptversammlung des Vinzenzivereins im Hotel zur Post. Er appellierte nachdrücklich an die Verantwortlichen, den ökologischen und ökonomischen Wert der Hochgebirgswälder auch für die kommenden Generationen zu erhalten.


Alle, die mit dem Wald zu tun haben, gemeinsam

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Zuvor fand der Kirchenzug mit Kranzniederlegung vor dem Holzknechtdenkmal in der Ortsmitte statt. Angeführt von der Musikkapelle des Trachtenvereins »D' Rauschberger-Zell«, beteiligten sich aktive und pensionierte Forstarbeiter, Mitarbeiter des Forstbetriebs, Fuhrunternehmer, Wald- und Sägewerksbesitzer, Handwerker und Bauern an dem Zug. Den Dankgottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg zelebrierten Pfarrer Otto Stangl und Diakon Josef Eixenberger.

Nach dem Mittagessen gab Bichler einen Rückblick auf die Aktivitäten im vergangenen Jahr, etwa die Teilnahme beim Fronleichnamstag oder dem Dorfschießen. Zur Forstpolitik sprach er das Thema Personalabbau an, wobei »dringend für die eigenen jungen Leute zur Neueinstellung Geld locker gemacht« werden sollte.

Bevölkerung über die Waldarbeit aufklären

Ranghöchster Gast war heuer der Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, Ministerialdirigent Georg Windisch, aus München. Der nachwachsende Rohstoff Holz sei gefragt wie lange nicht mehr, stellte er fest. Eine Situation wie vor zehn Jahren, als keiner mehr so richtig scharf auf Holz war, brauche man so schnell nicht mehr erwarten. Dennoch beobachte vor allem die städtische Bevölkerung die Arbeiten im Wald wie den Holzeinschlag zunehmend kritisch. Daher müsse ihr besser erklärt werden, dass aktive Waldbewirtschaftung gut für den Wald sei, seine Stabilität und Mischung fördere. Gleichzeitig müsse man aber auch verantwortungsvoll und naturschonend vorgehen, auf die Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen Rücksicht nehmen, wozu auch der Erhalt von Totholz und Biotopbäumen zähle.

Heuer werde die Bevölkerung beim »Aktionsjahr Waldnaturschutz« unter dem Motto »nachhaltig schützen und nutzen« bayernweit über naturnahe, nachhaltige Forstwirtschaft informiert. Zur Nachhaltigkeit gehöre aber auch, dass nicht nur der Wald verjüngt, sondern »auch beim Personal eine ausreichende Verjüngung« erfolge, sagte Windisch. Seit 2005 seien trotz des Stellenabbaus auf allen Ebenen 223 Personen eingestellt worden. In den kommenden Jahren sollten jährlich 14 bis 18 weitere folgen. Heuer sei es außerdem erstmals gelungen, in der Forstverwaltung vier neue Stellen für die Bildung zu bekommen. »Das ist eine Zäsur und ein wichtiges Signal, für das ich dem Landtag sehr dankbar bin.«

Pauschale Flächenstilllegung nicht zielführend

Auf den zunehmenden Konflikt zwischen Wald als Freizeitraum und Waldnutzung wies der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner hin. Die vernünftige Bewirtschaftung der Wälder stehe nicht im Gegensatz zu ihrer ökologischen Vielfalt. »Bei uns in der Region läuft's hervorragend«, so Steiner. Pauschal zehn Prozent der Waldflächen still zu legen, hielt er nicht für zielführend. Seit langem schon setze er sich dafür ein, dass junge Waldarbeiter vermehrt eingestellt werden.

»Der Wald verzeiht nichts«, sagte Hubert Babinger von der Gewerkschaft IG Bau und Vorsitzender des Gesamtpersonalrats Bayerische Staatsforsten. »Wir stehen wirtschaftlich gut da«, aber es gebe auch »viele Baustellen«. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sei es nicht gelungen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Forstwirtschaft zu gewinnen. Babinger betonte die Bedeutung der Gewerkschaft und bedauerte, dass teilweise auch langjährige Mitglieder austreten. »Wenn kein Zusammenhalt mehr besteht, wird Schlitten mit uns gefahren.«

Bürgermeister Claus Pichler, dessen Vorfahren vielfach Holzknechte waren, freute sich, dass der Vinzenzitag jedes Jahr nahe am Biathlon Weltcup liege. Er erinnerte daran, wie viel der Holzknechtverein in den vergangenen Jahren für die Entwicklung des Dorfes geleistet hatte. Mit den Worten »wir brauchen einen jungen Vinzenziverein« appellierte auch er an die Verantwortlichen, wieder mehr Nachwuchs einzustellen.

Forstbetriebs-Leiter Paul Höglmüller sagte, in den knapp zehn Jahren, seitdem es den Forstbetrieb Ruhpolding nun gebe, sei jeder Vinzenzitag ein Höhepunkt gewesen. Er dankte für die gute Zusammenarbeit des Vereins mit dem Forstbetrieb, die auch der Vorsitzende Georg Bichler bestätigt hatte. Höglmüller betonte »Geschick, Besonnenheit, Mut und Verlässlichkeit« der Holzknechte, die zudem »von einem gesunden Selbstbewusstsein« getragen seien.

Holz aus dem Bergwald sei gefragt wie schon lange nicht mehr. Im Verhältnis Wald und Wild sei man auf einem guten Weg. Die Zahl des Schalenwildes steige, auch weil der Wald mit seiner Artenvielfalt mit Lärche, Fichte und Tanne, aber auch Laubholz »ein reich gedeckter Tisch« sei. Gerade der Tannenanteil, der vor einigen Jahren noch bei sechs Prozent gelegen habe, sei jetzt bei rund 12 Prozent.

Den Kassen- und Kassenprüfungsbericht verlas Michael Schultes, sowie Karl Schauderna den Bericht des Schriftführers. Derzeit zählt der Verein 243 Mitglieder, davon 159 aktive. Bichler und der zweite Vorsitzende Sepp Egger ehrten dann die langjährigen Mitglieder Josef Bertold, Martin Haßlberger, Hans Peter Konrad, Georg Neuhofer, Georg Plenk (Kress), Ingo Schmucker und in Abwesenheit Dr. Maria Kau und Anderl Hofmann senior.

Im Anschluss hielt der ehemalige Revierförster von Röthelmoos, Kurt Zeimentz, einen interessanten Diavortrag über die frühere Jagd und Waldbewirtschaftung. Unter der musikalischen Unterhaltung der »Gruzei Musi« klang der Vinzenzitag gemütlich aus. gi

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