weather-image
11°

Neue Struktur im Ärztlichen Bereitschaftsdienst

5.0
5.0

Neue Struktur für den ärztlichen Bereitschaftsdienst im Kreis Traunstein: Mehrere Dienstbereiche sind ab Montag neu aufgeteilt. Betroffen sind vor allem die Gegend um Traunstein und die südlichen Gemeinden.


Die Umstrukturierungen sind nach Informationen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) nötig, da mehrere der hiesigen Dienstgruppen die notwendige Mindestzahl an Ärzten unterschritten hatten und daher die dort Bereitschaftsdienst leistenden Ärzte unzumutbaren Dienstbelastungen ausgesetzt waren.

Anzeige

In der bisherigen Konstellation ließ sich der Ärztliche Bereitschaftsdienst daher nicht mehr dauerhaft aufrechterhalten, ohne die Ärzte vor Ort übermäßig zu beanspruchen. Mit Chieming, Übersee und Unterwössen hatten sich gleich drei Dienstgruppen an die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mit der Bitte um Auflösung gewandt.

Der Bereitschaftsdienst, den niedergelassene Ärzte nachts, an Wochenenden und an Feiertagen zusätzlich zu einer durchschnittlich 60 Stunden umfassenden Arbeitswoche leisten würden, sei nicht nur erheblicher Stress für den einzelnen Arzt, sondern auch eine Belastung für dessen Familie, heißt es in der KVB-Pressemitteilung weiter. Zudem sei für junge Mediziner unter anderem auch die hohe Dienstfrequenz im Bereitschaftsdienst ein schwerwiegendes Argument gegen die Niederlassung in eigener Praxis.

Übernahme von Praxen soll wieder attraktiver werden

Mit den Umstrukturierungen im Bereitschaftsdienst sollen daher nicht nur die heute dienstverpflichteten Ärzte entlastet, sondern zudem auch die Übernahme von Praxen insbesondere in ländlichen Räumen wieder attraktiver werden. »Denn nur, wenn wieder ausreichend Mediziner bereit sind, sich in eigener Praxis niederzulassen, wird der Bereitschaftsdienst langfristig aufrechtzuerhalten sein«, so die KVB.

Und so sieht die neue Struktur im Detail aus: Die Bereitschaftsdienstgruppe Übersee wird aufgelöst, das Dienstgebiet sowie die am Bereitschaftsdienst teilnehmenden Ärzte werden auf die benachbarten Gebiete aufgeteilt.

Die Bereitschaftsdienstgruppen Unterwössen und Grassau sowie ein Großteil des bisherigen Dienstgebiets Übersee werden zu einem neuen, größeren Gebiet zusammengelegt. Der Bereitschaftsdienstbereich erstreckt sich nun von Übersee, Almau und Gröben über Grassau bis nach Marquartstein, Unterwössen, Schleching und Reit im Winkl.

Der Raum Bergen – bisher Teil des Bereitschaftsdienstbereichs Übersee – gehört künftig zum Dienstgebiet Ruhpolding. Die in Bergen ansässigen Ärzte verstärken die Dienstgruppe Ruhpolding, deren Dienstgebiet nun von Bergen über Siegsdorf und Ruhpolding bis Inzell reicht.

Der nördliche Teil des Bereitschaftsdienstbereichs Übersee mit den Orten Grabenstätt und Vachendorf wird fortan ins Dienstgebiet Traunstein eingegliedert. Auch nach Norden hin wird das Dienstgebiet Traunstein erweitert: Bis auf die Ortschaften Knesing, Walding und Haßmoning, die in Zukunft zum Dienstgebiet Traunreut gehören, wird der ehemalige Dienstbereich Chieming mit dem Dienstbereich Traunstein zusammengelegt.

Zukunftsfähige Lösung für Februar 2014 angestrebt

Das neu entstandene Dienstgebiet Traunstein/Chieming reicht demnach von Seebruck und Truchtlaching über Nußdorf und Chieming sowie Traunstein bis nach Vachendorf und Grabenstätt. Auf diese Weise ließ sich die Dienstbelastung vor allem für die einzelnen Ärzte der Bereitschaftsdienstgruppen Chieming, Übersee, Unterwössen und Grassau erheblich senken.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung ist angestrebt, ab Februar 2014 eine zukunftsfähige Lösung zu finden. Gegenwärtig stünde in diesem Zusammenhang noch die Einrichtung einer Bereitschaftspraxis am Klinikum Traunstein zur Diskussion.

Aus den Umstrukturierungen ergeben sich für die Patienten möglicherweise weitere Wege und längere Wartezeiten als bisher. Und auch die Ärzte, die im Rahmen des Bereitschaftsdienstes Hausbesuche machen, sind gegebenenfalls länger unterwegs. »Doch die Alternative wären erhebliche Lücken in der Bereitschaftsdienstversorgung gewesen«, so die KVB.

Ohnehin sollen Hausbesuche im Bereitschaftsdienst künftig in der Regel nur noch dann erfolgen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht – so, wie es bereits seit Jahren rechtlich geregelt ist: Im Bundesmantelvertrag Ärzte steht dazu, dass Patienten »einen Anspruch auf Besuchsbehandlung nur haben, wenn ihnen das Aufsuchen des Arztes in dessen Praxisräumen wegen Krankheit nicht möglich oder nicht zumutbar ist«.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst arbeitet jeden Tag nachts von 18 bis 8 Uhr, an Wochenende und Feiertagen von 18 Uhr des Vorabends bis 8 Uhr des folgenden Morgens. Er ist zu erreichen unter der kostenlosen Rufnummer 116 117.