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Neue Standarte des Leonhardivereins gesegnet

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Mit Hilfe einiger Kinder, die an der Messfeier teilnahmen, ging Pfarrer Andreas Ager auf die Symbolik des Gemeindewappens auf der neuen Fahne des Leonhardivereins ein. (Foto: Aßmann)

Wonneberg – In einem kleinen, aber feinen Rahmen ist die neue Standarte des Leonhardivereins Wonneberg gesegnet worden. Weil der eigentliche Festtag, der Leonharditag, erst Anfang November gefeiert wird, hatte sich die Vorstandschaft um Mathias Mader kurzerhand dazu entschlossen, die Fahne während eines Vorabend-Gottesdiensts in der Kirche St. Leonhard segnen zu lassen.


Die alte Standarte des Leonhardivereins war gehörig in die Jahre gekommen. Beim Reinigen stellte man fest, dass der Stoff der rund 40 Jahre alten Fahne gebrochen war. Die nunmehr vorgenommene Restauration dauerte knapp fünf Wochen. Dabei wurden das Bild, das den heiligen Leonhard als Schutzpatron der Haustiere zeigt, und das Gemeindewappen mit viel Liebe zum Detail nachgestickt, sowie zum Großteil auch der Standartenträger erneuert.

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Eremit in der Einsamkeit des Waldes

Pfarrer Andreas Ager ging in der Messfeier auf den Lebensweg des heiligen Leonhard ein. Von Mitleid erfüllt, suchte der junge Leonhard regelmäßig Gefangene auf und sprach bei König Chlodwig I. erfolgreich für deren Freilassung vor. Die ihm daraufhin angebotene Bischofswürde lehnte Leonhard ab, um sich als Eremit in die Einsamkeit eines Waldes unweit von Limoges zurückzuziehen. Dort begann er, für Kranke und Hilfsbedürftige zu predigen. Die Legende besagt, durch Leonhards Anrufung hin seien auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen.

Zu Grundbesitz kam der Heilige, nachdem er die hochschwangere Königin gerettet hatte. Chlodwig I. wollte Leonhard durch Reichtum Dank sagen. Doch der erbat gerade so viel Waldfläche, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten konnte. Auf dem geschenkten Land gründete der Heilige das Kloster Noblat.

Der heilige Leonhard wird auch als »Kettenheiliger« bezeichnet. Die Kette symbolisiert dabei die von ihm erwirkten Befreiungen von Gefangenen, deren Schutzpatron er ist. Im Laufe der Zeit wurde sie jedoch falsch interpretiert und als Viehkette angesehen. Deswegen gilt Leonhard auch als Schutzpatron für das Vieh. Der Volksmund verlieh ihm die Beinamen »bayerischer Herrgott« oder »Bauernherrgott«.

Pfarrer Andreas Ager forderte die Gottesdienst-Besucher auf, wie Leonhard zu Lichtgestalten zu werden: »Unser Ort ist nach ihm benannt. Das sollte für uns Ansporn sein, zu allen Menschen und Tieren gleichermaßen gut zu sein.« Mit Hilfe einiger Kinder, die an der Messfeier teilnahmen, ging der Geistliche auf die Bedeutung der Symbolik des Gemeindewappens ein.

Die silberne Steckrübe mit den goldenen Blättern ruft das Andenken an den Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach wach, der 1496 auf dem Wonneberg das heutige Gotteshaus erbauen ließ. An der Brüstung der Empore kann man – eingerahmt von der Jahreszahl 1496 – eine solche Rübe sehen. Der Löwe erinnert daran, dass der Rupertiwinkel viele Jahrhunderte zum geistlichen Staat Salzburg gehörte. Der Dreiberg steht für den Ortsnamen und weist zugleich auf die landschaftliche Lage Wonnebergs im hügeligen Voralpenland hin. Die Kette schließlich ist das Attribut an den heiligen Leonhard.

Der Leonhardiverein Wonneberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die seit dem 15. Jahrhundert bestehende Tradition des Pferdeumritts zu pflegen und zu erhalten. Die Kirche St. Leonhard war eine weitum bekannte Wallfahrtsstätte. Alljährlich suchten viele Bauern das Gotteshaus auf, um dort Schutz und Segen für das Vieh, insbesondere für die Pferde, zu erbitten. Den Abschluss des Wallfahrtsjahres bildete stets der Patroziniums-Ritt in St. Leonhard selbst. Durch sie wurde auch der Reichtum der Kirche begründet.

Vorläufiges Ende und Neuanfang

Mit der fortschreitenden Technisierung der Landwirtschaft in den 1950er und 1960er Jahren ging der Pferdebestand jedoch so drastisch zurück, dass immer weniger Rösser und Reiter an dem Wonneberger Umritt teilnahmen. Das hatte zur Folge, dass die Traditionsveranstaltung 1966 vorerst zum letzten Mal stattfand. Erst sechs Jahre später ergab sich ein überraschender Neubeginn. Auf Anregung von Kurat Nikolaus Dorfner wurde ohne große Vorbereitungen ein Ritt angesetzt, zu dem 30 Rösser kamen.

Zwar waren dies nun keine Pferde mehr, die dem Bauern bei der Feld- und Waldarbeit halfen, so wie in früheren Zeiten, sondern Reitpferde, die für Freizeit und Sport genutzt wurden. Doch die positive Wende in der Beziehung zwischen Mensch und Pferd ermutigte die Leonharder. Am 28. Dezember 1973 gründete sich der Leonhardiverein Wonneberg. Seitdem wird auch der Leonhardiritt in Wonneberg wieder alljährlich abgehalten; heuer am 8. November. mia