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Neue Rahmenbedingungen gefordert

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Ruhpolding. Zu einem informellen Gespräch über die Bewirtschaftung von Berechtigungsalmen trafen sich die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl sowie Vertreter der Almwirtschaft und des Forstes im kleinen Kreis auf der Haaralm bei Ruhpolding.


Zunächst gab die Geschäftsführerin des Verbandes der Forstberechtigten, Maria Stöberl, die das Treffen organisiert hatte, einen kurzen Überblick über die rechtlichen Grundlagen zur Bewirtschaftung von Berechtigungsalmen. Einige Festlegungen seien aufgrund der klimatischen Veränderungen heute nicht mehr zeitgemäß, wie die ursprünglichen Auftriebszeiten und die Bestimmungen zum Fremdviehauftrieb. Daher müsse über neue Rahmenbedingungen diskutiert werden, so Stöberl.

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Verunkrautung als Problem

Ludwig Böddecker informierte als Almvorstand die Teilnehmer über die Eckdaten der Haaralm sowie über das aktuelle Weideprojekt zur Verbesserung der Weideflächen, das von der Landesanstalt für Landwirtschaft begleitet wird. Große Teile der Haaralm, die einst mit wertvollen Almweidegräsern bewachsen waren, fielen in den letzten Jahren einer Verunkrautung zum Opfer, so Böddecker. Verantwortlich hierfür seien zum einen klimatische Veränderungen und zum anderen ein zu niedriger Viehauftrieb. Nachdem die Vegetation zwei bis drei Wochen früher beginne, müsse man auch mit der Beweidung früher starten, so Böddeker.

Nach diesen Erläuterungen entwickelte sich schnell eine Diskussion zum Auftrieb von Fremdvieh. Durch den Strukturwandel haben viele kleinere Almbauern nicht mehr so viel Vieh wie früher, erklärte Bauernverbands-Obmann und Almbauer Alois Richter. Durch die Annahme von Pensionsvieh können diese Betriebe ausreichend Vieh auftreiben, damit die Almweideflächen gut ausgegrast werden. »Aber leider ist der Fremdviehauftrieb beschränkt«, so Richter.

Maria Stöberl erläuterte hierzu, dass auf der Haaralm bereits eine Weiderechtsregelung in Form einer Trennung von Wald und Weide durchgeführt wurde. Das bedeutet, dass Waldweiderechte abgelöst und im Gegenzug eine größere Lichtweidefläche mit Zaun geschaffen wurde. Auf derartig »geregelten« Almen dürfte der Fremdviehauftrieb ihrer Meinung nach keinen Beschränkungen mehr unterliegen. Die Weideflächen seien ja eingezäunt.

Vieh als Garant für Erhalt von artenreichen Almweiden

Für die Abgeordnete Gisela Sengl wurde schnell deutlich, dass der ausreichende Viehbestand ein Garant für den Erhalt der artenreichen Almweiden ist. Es dürfe keine Rolle spielen, ob »Fremdvieh« oder »Eigenvieh« auf den Almweiden grase. Dass der Staat auf seinen Eigentumsflächen mitreden möchte, ist für Sengl zwar nachvollziehbar, aber in den geschilderten Fällen praxisfremd.

Trennung von Wald und Weide

Forstbetriebsleiter Paul Höglmüller machte deutlich, dass die Regelungen zur Trennung von Wald und Weide grundsätzlich zu einer deutlichen Entspannung zwischen dem Verhältnis Forst und berechtigten Almbauern geführt haben. Höglmüller wies auch auf die Möglichkeit hin, Einzelfälle über Gestattungsverträge zwischen Berechtigten und Forst zu regeln.

»Es sind trotzdem neue Rahmenbedingungen notwendig«, ergänzte Stöberl, um es den Landwirten in Zukunft zu ermöglichen, so viel Vieh auf die Almen zu treiben, wie es für die Beweidung der Flächen notwendig ist. »Gestattungsverträge können keine dauerhafte Lösung sein«.

Ebenso wichtig wie der Auftrieb von Vieh ist eine ausreichende Infrastruktur, erklärten die Almbauern. Auf der Haaralm wird dies zurzeit besonders deutlich, da Wassermangel die Almbauern zu umfangreichen Baumaßnahmen für die Erstellung einer aufwendigen Wasserversorgung gezwungen hat.