Neue Perspektiven für Biomilch-Erzeuger

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Neue Perspektiven für Biomilch-Erzeuger bietet ein Abnahmevertrag, den die Milcherzeugergemeinschaften Traunstein und Rosenheim mit der Berliner Milchhandels-Gesellschaft geschlossen haben. (Foto: dpa)

Petting – Der Preis für konventionelle Milch war in den letzten Jahren ins Bodenlose gefallen. Auf deutlich höherem Niveau und relativ stabil blieb dagegen der Preis für Bio-Milch, weshalb viele Bauern umgestellt haben oder umstellen wollen. Das Problem: Etliche Betriebe fanden keinen Abnehmer für ihre Bio-Milch.


Nun ist der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Traunstein zusammen mit der MEG Rosenheim ein Vertrag gelungen, der Öko-Bauern ohne Abnahmevertrag Hoffnung gibt. Die Berliner Milchhandels-Gesellschaft kauft ab 1. Januar Bio-Milch von zertifizierten Bauern der Region. MEG-Vorsitzender Paul Obermeier informierte auf Einladung der Ökomodellregion beim Umsteller-Stammtisch für Milchviehbetriebe im Pettinger Unterwirt über die neuen Chancen für seine Landwirtskollegen.

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Die Geschäftsleiterin der Ökomodelregion (ÖMR) Waginger See/Rupertiwinkel, Marlene Berger-Stöckl, erklärte, dass sowohl Fläche als auch Bioproduktion in Österreich etwa auf doppeltem Niveau als bei uns liegen. »Es ist also Luft nach oben«, so Berger-Stöckl, wenn es gelänge, den Absatz hierzulande nach österreichischem Vorbild zu steigern.

Dazu aber braucht es Perspektiven für die Bauern. Obermeier sieht hier Chancen in dem Vertrag mit den Berlinern. »Keine Molkerei, sondern eine reine Handelsgesellschaft«, erklärte er, deren Volumen liege bei über einer Milliarde Liter pro Jahr. Bezahlt werde der bayerische Durchschnittspreis für Biomilch in Höhe von 49,5 Cent pro Liter, die Sammlung erfolge zweitägig. Alle nötigen Details würden entsprechend vertraglich geregelt.

»Das große Problem« erkennt Obermeier in der Frage: Wo geht die Milch hin? Denn Transporte über weite Strecken lägen nicht im Sinne von Bio-Erzeugern. Zudem gebe es Preisabschläge für lange Transportwege. Gleichwohl sieht der MEG-Vorsitzende derzeit keine andere Möglichkeit, »Bewegung reinzubringen«, und er ist zuversichtlich, dass sich in wenigen Jahren kürzere Fahrten ergeben. Der Start am 1. Januar erfolgt vom Chiemsee bis ins Gebiet der Ökomodellregion, hier zunächst mit Betrieben in Petting, Teisendorf und Saaldorf-Surheim. »Betriebe mit einem gültigen Bio-Verbands-Zertifikat können sich jederzeit anschließen«, informierte Berger-Stöckl.

Obermeier ist überzeugt, dass sich der Preis für konventionell erzeugte Milch schon 2018 tendenziell wieder nach unten bewegen werde. Allerdings hätten die Bauern das durchaus in der Hand, denn würde ein jeder Milchbauer nur ein paar Prozent weniger erzeugen, würde der Preis deutlich in die Höhe klettern. Wie es denn mit der Frage der Anbindehaltung stehe, wollte ein Besucher wissen. »Von den 32 000 Bauern in Bayern arbeiten 16 000 mit Anbindehaltung«, sagte Obermeier, »nicht in jedem Betrieb ist ein Freilaufstall möglich.« Im Ökobetrieb sei Anbindehaltung im Winter stets mit einem Freiluft-Auslauf an mindestens zwei Tagen pro Woche und mit Weidegang im Sommer kombiniert, ergänzte Berger-Stöckl, damit sei eine insgesamt tierfreundliche Kombihaltung statt reiner Anbindehaltung gegeben. Es sei wichtig, auch vielen kleinen Betrieben einen gangbaren und zukunftsfähigen Weg aufzuzeigen, anstatt den Strukturwandel weiter zu beschleunigen.

Obermeier erkennt eine Entwicklung hin zu mehr Tierwohl, auch wenn nicht in jedem Betrieb ein Winterauslauf möglich sei. Er hält jedoch eine Anbindehaltung für durchaus vernünftig, und besser als übervolle Laufställe, »in denen du die Spalten nicht mehr siehst«. Sein Credo: »Alles mit Maß und Ziel.«

Durch die Zusammenarbeit mit der Berliner Milch-Handelsgesellschaft werde sich die MEG künftig eine eigene Bioschiene aufbauen, so Obermeier abschließend. Es sei erfreulich, dass Lieferanten des Biomilcherfassers BMG auch weiterhin Mitglied in der Milcherzeugergemeinschaft bleiben könnten. Die neue Abnahmemöglichkeit stehe weiteren Biobetrieben offen, sofern die Liefertour passend gestaltet werden könne. Interessierte Betriebe könnten sich bei der MEG Traunstein melden. höf

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