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Neue Mundart-Serie »Boarisch gredt« startet

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Mit unserer neuen Serie wollen wir alte bairische Wörter in Erinnerung rufen.

Wer weiß noch, dass ein Gatzl ein Schöpflöffel ist? Und ein Spritzkruag eine Gießkanne? Oder dass Gucka und Zuawazahrer ein Fernglas bezeichnen? Die alten bairischen Wörter geraten mehr und mehr in Vergessenheit. Um dem entgegenzuwirken, startet das Traunsteiner Tagblatt, unterstützt vom Marquartsteiner Brauchtumskenner Siegi Götze, die Mundart-Serie »Boarisch gredt«.


Ob lecker oder tschüss – das Norddeutsche taucht im Wortschatz der Bayern immer öfter auf. Auch englische Begriffe wie Jogging statt laffn, cool statt sauber oder Shopping statt kaffn setzen der bairischen Sprachkultur zu. Nicht umsonst steht das Bairische seit 2009 auf der Unesco-Liste der gefährdeten Sprachen.

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Vorurteile gegenüber dem Dialekt sind lange Zeit im Denken vieler Menschen haften geblieben. Vor allem in den siebziger Jahren hieß es, dass Dialekt sprechende Kinder mehr Fehler in der Rechtschreibung und Grammatik machen würden und langsamer seien. Die PISA-Studie belegt jedoch eindeutig, dass Kinder, die Mundart sprechen, in der Lage sind, zwischen zwei Sprachebenen zu wechseln. Das wiederum führt dazu, dass das Sprachzentrum im Gehirn stärker ausgebildet ist, das Erlernen einer Fremdsprache leichter fällt.

Ein leidenschaftlicher Bewahrer der bairischen Sprache ist Siegi Götze. Seit über 40 Jahren beschäftigt sich der Marquartsteiner mit der Mundart. Er bereist die verschiedensten Regionen, um die Bedeutungen der Wörter zu vergleichen und deren Wortstamm zu erforschen. Das Wort sei sein Handwerk, sagt der 1947 in Raiten geborene Götze. Seit Jahrzehnten ist er als Brauchtumskenner tätig und setzt sich stark für den Erhalt der bayerischen Kultur sowie die bairische Sprache ein.

Heute benutzt oft nur noch die Großeltern-Generation die altbairischen Wörter, die Jüngeren kennen sie kaum noch. Um das zu ändern, startet unsere Zeitung heute die Mundart-Serie »Boarisch gredt«: mit den Begriffen wáchs und lind. Im Anschluss wird wöchentlich jeweils ein Beitrag erscheinen.

wàchs:

Der Ausdruck wáchs wird für alles, was sticht oder unangenehm ist, verwendet. Ein kratziger Wollpullover oder Wollsocken wurden gerne als wáchs bezeichnet. Stachelige Pflanzen erhielten den Namen Waxlaab und eine scharfzüngige Frau durfte sich so manches Mal als Waxe bezeichnen lassen. Kalte Winter galten als wáchs und sogar ein Berg nahe der Zugspitze erhielt den Namen Waxenstein, abgeleitet vom spitzen Stein. Wáchs – auch wáx oder wacks geschrieben – bedeutet nämlich scharfkantig oder spitz. Wird das Wort in eine bestimmte Richtung weiter verfolgt, so kommt man von wáchs zum Waxlaab. Die Stechpalme selbst heißt im Englischen übersetzt Holly. Hollywood bedeutet also Stechpalmenwald.

lind

Das wörtliche Gegenteil von wáchs ist der Ausdruck lind. Lind bedeutet weich, sanft und nicht rau. Vom lateinischen Wort lenis abgeleitet, ist lind ein Wortverwandter vom Lenz. Mit dem Frühling, gerne Lenz genannt, kommt das mildere und angenehmere Wetter. In der bairischen Sprache wird lind anstelle von weich verwendet, wie beispielsweise: »Der Wollpulli is schee lind.«