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Neue Entlastungsspange der Staatsstraße in Seebruck geplant

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Die Alzbrücke soll jetzt im Zuge einer Neuuntersuchung für eine Ortsentlastung von Seebruck ertüchtigt werden. Bis zur Realisierung einer Entlastungsspange dürfen dann wieder Lastwagen mit bis zu 40 Tonnen die Brücke überqueren. Seit rund einem Jahr gilt dort für Lkw über zwölf Tonnen ein Durchfahrtsverbot. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Bis eine zufriedenstellende Lösung für eine Ortsentlastung in Seebruck gefunden ist, wird noch viel Wasser die Alz hinunterfließen. Aktuell im Gespräch ist eine neue Entlastungsspange der Staatsstraße in Seebruck, die in der Bürgerversammlung im Restaurant Malerwinkel vorgestellt wurde. Um den Diskussionsrahmen nicht zu sprengen, beantragte der dritte Bürgermeister Andreas Dorn (FW) als Vertreter des Gemeinderats, das Thema in einer separaten Informationsveranstaltung mit Fachbehörden zu behandeln. Das akzeptierten die Besucher. Die Infoveranstaltung soll voraussichtlich im Mai stattfinden.


Das neue Konzept, auf das sich die Vertreter der Gemeinde, des Landkreises sowie des Staatlichen Bauamts Traunstein in einem Gespräch vor rund zwei Wochen im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr geeinigt haben, orientiert sich im Wesentlichen an der im Zuge des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) vorgeschlagenen, neuen Brückentrasse, der sogenannten Variante C1. In einer zweiten Stufe wird angestrebt, die C1-Variante noch um eine Nordumfahrung des Ortsteils Graben zu erweitern. Die Bestandsbrücke soll bis zur Realisierung einer Entlastungsspange vorübergehend für die volle Tragfähigkeit ertüchtigt werden. Das bedeutet, dass auf der Alzbrücke dann wieder 40-Tonner rollen dürfen. Seit rund einem Jahr gibt es eine Beschränkung auf zwölf Tonnen. Das bestätigte auch Florian Paukner vom Staatlichen Bauamt Traunstein auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. »Solange die Straße da ist, ist auf der Staatsstraße jeglicher Verkehr aufzunehmen. Wir können den Verkehr nicht wegzaubern.«

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Planungen sollen vorangetrieben werden

Ein konkretes Zeitfenster, wann die Bestandsbrücke ertüchtigt werden soll, konnte nicht aufgemacht werden. Es hieß nur, dass dies zeitnah erfolgen soll. In enger Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt sollen die neuen Planungen jetzt vorangetrieben werden, um mit einer Entlastungsspange den Seebrucker Ortskern und den Ortsteil Graben vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Wie mehrfach berichtet, hatte sich der Gemeinderat eigentlich darauf verständigt, die C1-Variante – eine neue Brücke rund 350 Meter nördlich der jetzigen Brücke – nicht mehr weiter zu verfolgen. Sowohl die Bevölkerung, als auch die Regierung von Oberbayern hatten der Gemeinde Steine in den Weg gelegt. Als Alternative sollten die bestehende Brücke abgerissen und am angestammten Platz eine neue Brücke gebaut werden. Die Vorschläge des Staatlichen Bauamts entsprachen aber nicht denen der Gemeinde. Um das Dauerthema nicht noch länger vor sich herzuschieben, hatte Bürgermeister Bernd Ruth einen Gesprächstermin im Ministerium anberaumt, an dem auch Landrat Siegfried Walch teilgenommen hatte. Bei diesem Treffen war man sich einig, dass nur durch eine Entlastungsspange der Ortskern sowie der Ortsteil Graben vom Durchgangsverkehr der Staatsstraße entlastet werden könnte und damit eine städtebauliche Aufwertung des Ortskerns und der Uferpromenade erfolgen könnte.

Das Thema bewege die Gemeinde seit rund 60 Jahren, sagte Ruth in der Bürgerversammlung. Es sei unbestritten, dass – egal bei welcher Planung auch immer – Anlieger betroffen seien. Die Gemeinde habe sich in gutem Glauben daran, eine Verbesserung für den Ort zu erreichen, an das ISEK gehalten. So sei zumindest in den vergangenen fünf Jahren Bewegung in die Sache gekommen. Mit der jetzigen Lösung könnte es gelingen, das Beste daraus zu machen. Weiter teilte Ruth mit, dass die Gemeinde zwischenzeitlich auch ein Teilgrundstück an der »Reimer Kurve« erworben habe, um gegenüber der Regierung von Oberbayern ein Zeichen zu setzen. Der Grundstücksankauf sei auf Nachfrage einer Bürgerin im Februar erfolgt. Um die jetzige Planung mit einer Nordumfahrung voranzutreiben, muss zunächst für den Bereich des sogenannten Grabener Moors ein Vegetationsgutachten erstellt werden. Ruth geht davon aus, dass sich das Gutachten über zwei Vegetationsperioden hinziehen wird.

Seit Tagen gab es Spekulationen

Toni Mayer aus Seebruck, der in einem schriftlichen Antrag die Gemeindeverwaltung aufgefordert hatte, Stellung zur aktuellen Situation der Alzbrücke zu beziehen, begrüßte es, dass seitens der Gemeinde jetzt für die Bürger eine wichtige Information erfolgt sei. Seit Tagen wurde in Seebruck darüber spekuliert und besorgte Bürger hatten diesbezüglich auch in der Gemeindeverwaltung vorgesprochen. Fakt sei, so Mayer, dass jetzt die C1-Variante wieder Thema sei und die Tonnagen-Beschränkung auf der Alzbrücke wieder aufgehoben werde. Ob die Gemeinde aufgrund ihres touristischen Status' die Möglichkeit hat, auf die Tonnagen-Beschränkung Einfluss zu nehmen, müsste geprüft werden, hieß es.

Massive Kritik an der C1-Variante übte Klaus Plenk. Die Neutrassierung würde nicht nur die Geschwindigkeit erhöhen, sondern auch zusätzlichen LKW-Verkehr, insbesondere durch die sogenannten Mautflüchtlinge, anziehen. »Das wäre die schlechteste Ausführung für Seebruck«, betonte Plenk. Peter Stocker, der Besitzer des Hotels Wassermann, glaubt ebenfalls nicht daran, dass eine neue Brücke für Seebruck eine Zukunft bringen würde. »Die C1 wäre für Seebruck eine völlige Fehlentscheidung und bringt für Seebruck keine Zukunft«, betonte der frühere Gemeinderat. Hingegen plädierte er dafür, die sogenannte Variante 3A, eine ortsnahe, nördliche Umgehungsstraße, wieder aus der Schublade zu holen und diese zu untersuchen. Die Verwaltung war hier offenbar gut vorbereitet und zitierte aus den vor rund 20 Jahren getroffenen Gemeinderatsbeschlüssen. Eine nördliche Umgehungsstraße wurde seinerzeit vom Gemeinderat einstimmig abgelehnt.

Auch die weiteren Anfragen bezogen sich auf den Verkehr in Seebruck. Werner Reinhard kritisierte, dass zu schnell gefahren werde und forderte einen zweiten »Smiley« auf der Rosenheimer Straße. Zu mehreren Forderungen nach Tempo-30-Zonen – vorrangig in den Wohngebieten, versprach der Bürgermeister, bei der Unteren Verkehrsbehörde vorzusprechen. Von einem jungen Seebrucker wurde bedauert, dass im Vergleich zu Truchtlaching und Seeon in Seebruck kaum Bauplätze ausgewiesen werden. ga