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Neue Chance für brachliegende Moore

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Bereits ein Jahr nach einer Renaturierung seien in einem Moor große Fortschritte zu erkennen, betonte Projektbetreuerin Bärbel Gänzle. (Foto: Gänzle)

Traunstein – Der Landkreis Traunstein ist seit dem Jahr 2009 ein Projektgebiet des vom Freistaat Bayern ins Leben gerufenen Förderprogramms »Klimaprogramm 2050 Moore«.


Die Regierung von Oberbayern beschäftigt eine Projektbetreuerin, die die Umsetzung von klimarelevanten Moorrenaturierungen in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim vorantreiben soll. Seit Januar 2012 bekleidet Bärbel Gänzle diese Stelle. Im Ausschuss für Umweltfragen, Abfallwirtschaft und Energie des Kreistags hat sie über die Inhalte des Projekts und den Sachstand einzelner Maßnahmen informiert.

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»Eminent wichtig für Klima und Artenvielfalt«

«Dem Landkreis Traunstein liegt dieses Thema sehr am Herzen, da wir mit unserer Vielzahl von Mooren über das Klimaprogramm einen entscheidenden Beitrag zur Verringerung von Kohlendioxid-Freisetzung leisten können«, bekräftigte Landrat Siegfried Walch (CSU). Aus diesem Grund habe der Umweltausschuss im Vorjahr auch ein Konzept zum Schutz von Hochmooren verabschiedet. Eine gute Luft sei auch wichtig für Ruf der Gesundheits- und Tourismusregion: »Wenn dieser Ruf leidet, haben wir knallharte wirtschaftliche Nachteile.«

Gänzle berichtete, fast alle Hochmoore seien bis vor 100 Jahren entwässert worden, um die Flächen zu bewirtschaften oder Torf zu stechen. Heute lägen die meisten Flächen brach, weil sie nicht mehr rentabel zu bewirtschaften seien. Moore seien jedoch wichtig für Klima und Artenvielfalt, verdeutlichte Gänzle: »Nach der Renaturierung bieten sie viel mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Der verzögerte Wasserabfluss puffert Starkregen ab und mindert Hochwasserspitzen in den Fließgewässern. Und klimaschädliche Treibhausgase werden um bis zu 15 Tonnen pro Hektar und Jahr reduziert. Das ist etwa so viel, wie ein Kleinwagen pro Jahr rauspustet.«

Schon ein Jahr nach einer Renaturierung seien große Entwicklungen zu erkennen, wie die Expertin mit Fotos verdeutlichte. Entweiche vorher durch die Zersetzung des Torfs Kohlendioxid in die Atmosphäre, werde das Gas nach einer Renaturierung aus der Luft im Moor eingelagert.

Im Landkreis gebe es viele Moore mit hohem Kohlendioxid-Einsparpotenzial, fuhr Gänzle fort. Sie nannte Preisinger Moos, Waginger Weitmoos, Stöcklmoos, Rothlack, Langmoos, Breitmoos, Inzeller Filze, Haunertinger Filze, Ödmoos, Staudach-Egerndacher Filze, Kammerer-, Demel- und Kammerfilze oder das Moor bei Harpfetsham. Teils seien Maßnahmen noch in der Planungsphase, teils auch schon in der Umsetzung oder bereits abgeschlossen. Zunächst würden Fichten maßvoll entfernt und dann Entwässerungsgräben verschlossen, um die Entwicklung zu einem baumfreien Hochmoor voranzutreiben. Über die Life- und Leader-Förderprogramme seien am heimischen Alpenrand und im Biotopverbund Eggstätt-Seeon über 200 Hektar Moor renaturiert worden. Nun gelte es, diese Erfolgsmodelle weiterzubringen und Lücken zu schließen.

Man müsse viel Überzeugungsarbeit leisten, damit die Eigentümer Grund verkaufen oder per Grunddienstbarkeit überlassen. Diese Aussage Gänzles stützte Walch: Um auf große Akzeptanz zu stoßen, müsse man die Sorgen, aber auch die Ortskenntnis der Besitzer berücksichtigen, für die es keine wirtschaftlichen Einbußen geben dürfe: »Sonst schießen wir uns – auch ökologisch – selbst ins Knie«.

Argumentationshilfe habe ein Kongress des Landwirtschaftsministeriums zum Klimaschutz geliefert, so Gänzle. Dabei sei auch deutlich geworden, wie wichtig die Moorrenaturierung ist. So verzeichne die Landwirtschaft im Freistaat Jahr für Jahr klimabedingte Verluste von 600 Millionen Euro.

Alternativen für Torf für heimische Gartler

In der Diskussion plädierte Dr. Ute Künkele (ÖDP) dafür, die Torfnutzung, etwa für Blumenkästen, einzuschränken und Gartenbauvereine und Gärtnereien entsprechend zu sensibilisieren. Der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, Markus Breier, sicherte dies zu. Der Torf für Blumen stamme jedoch meist aus dem baltischen Raum. Die heimischen Gärtnereien seien bereits sensibilisiert, und der »Tag der offenen Gartentür« im kommenden Jahr werde sich ums Thema Boden drehen, versicherte Breier.

Josef Mayer (CSU) wies darauf hin, dass man sich bei einem Torf-Verzicht auch Gedanken um einen Ersatzstoff machen müsse. »Kokos- oder Bambusfasern aus Lateinamerika sind doch auch keine Alternative.« Franz Obermeyer (Grüne) brachte dafür das Substrat aus den heimischen Biogas-Anlagen ins Gespräch. rse

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