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Neue Ausstellung über Handys und Umweltschutz

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Dr. Birgit Seeholzer (rechts) stellte die neu konzipierte Ausstellung über »Handys und Ressourcen« mit der Geologin Britta Bookhagen (Mitte) und Sonja Kirchmaier, der Umweltbeauftragten der Volksschulen im Landkreis Traunstein, in der Mädchenrealschule Sparz vor. (Foto: Effner)

Traunstein – Was hat mein Handy mit Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und Bürgerkriegen in anderen Ländern der Welt zu tun? Die Antworten darauf zeigt eine aktuelle und interaktive Ausstellung über die Hintergründe der Handyproduktion, die aktuell in der Maria-Ward-Mädchenrealschule Sparz in Traunstein zu sehen ist.


Die Schau ergänzt als neuer Teil den »Klimaladen«, der seit 2012 als grenzüberschreitendes Ausstellungsprojekt der Euregio Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein in der Jugend- und Erwachsenenarbeit eingesetzt wird. Besonders an Schulen erfreut sich die Ausstellung, die den Zusammenhang von Konsumverhalten und Klimaschutz bewusst macht, großer Beliebtheit.

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Wie Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungs GmbH des Landkreises Traunstein, bei der Eröffnung in Sparz erklärte, wurde das Klimaladenprojekt im letzten Jahr mit dem deutschen Preis für kommunalen Klimaschutz vom Bundesumweltministerium ausgezeichnet. Ein Teil des Preisgeldes wurde dazu eingesetzt, die neue Ausstellung »Handy und Ressourcen« umzusetzen. Sie kann ebenso wie die Klimaladenschau bei der Wirtschaftsförderung im Landkreis Traunstein, beim Klimaschutzbeauftragten des Landkreises Berchtesgadener Land sowie beim Regionalverband Salzburger Seenland ausgeliehen werden. Vier Ausstellungswände vermitteln Informationen zu den in Handys verwendeten Rohstoffen sowie aus dem Abbau resultierenden sozialen Folgen und Umweltproblemen – ergänzt durch Tipps zur sinnvollen und nachhaltigen Handynutzung. Schaukästen mit Mineralgesteinen, Metallen und Handybauteilen sowie Schaustücke zur Zusammensetzung von Handys führen anschaulich in das Thema ein. Ergänzend dazu steht für Lehrer auch die Handy-Rohstoffbox samt Erläuterungen zur Verfügung.

Diese hat Britta Bookhagen maßgeblich mitentwickelt. Die Diplom-Geologin aus Berlin arbeitet bei der Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und begleitete intensiv die Umsetzung der Handy-Ausstellung mit Rat und Tat. In einem kurzen Einführungsvortrag führte sie in die globalen Folgen der Handyproduktion für Mensch und Umwelt ein und plädierte für einen bewussteren Umgang mit dem heute wichtigsten Kommunikationsmittel.

Angesichts von 1,8 Milliarden weltweit verkauften Handys im Jahr 2013 ist die Recyclingrate von drei bis zehn Prozent nur sehr gering. Rund 100 Millionen Handys, so wird vermutet, liegen derzeit ungenutzt in Schubladen, obwohl die Gewinnung der darin verbauten Tonnen von Rohstoffen sehr aufwändig ist. Neben Glas, Keramik und Kunststoffen enthalten die kleinen Kommunikationswunder 30 zum Teil sehr seltene Metalle. Am Beispiel Gold erklärte die Geologin den hohen Umweltnutzen des Recyclings. Um ein Gramm des Metalls zu gewinnen, müsse man 41 Handys recyceln oder 250 bis 600 Kilogramm Golderz abbauen und mit hochgiftigen, umweltschädlichen Chemikalien wie Quecksilber und Blausäuresalze behandeln. 42 Tonnen Gold enthalten allein die 2013 verkauften Handys. Allerdings lassen sich noch nicht alle Metalle, etwa die Seltenen Erden, aufgrund des hohen technischen Aufwands sinnvoll recyceln.

Mit einer bewussteren Nutzung des Handys, so das Fazit der Expertin, könne jeder etwas für die Umwelt tun. Dazu gehört die längere Nutzung der Geräte, das sachgerechte Aufladen und der Schutz der Akkus, das Ausschalten über Nacht sowie die Reparatur, etwa in Repair-Cafés, und das Verschenken zur Weiternutzung oder das Recycling. eff