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Neuausrichtung im Fremdenverkehr gemeinsam angehen

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Ruhpolding. Mit der Analyse des abgelaufenen Tourismusjahres und der Neuausrichtung des Fremdenverkehrs für die Zukunft befasste sich der Gemeinderat. Dabei ging der scheidende Tourismusdirektor Martin Haßlberger auf den Tourismusbericht ein und sein Nachfolger Markus Stuckmann stellte dem Gremium seine Zielvorstellungen vor. »Wir brauchen für den Tourismus im Ort Leitlinien und die können nur gemeinsam geschaffen werden«, betonte Stuckmann.


In seinem Rückblick erläuterte Haßlberger, dass man bei der Auslastung mit durchschnittlich 132,5 Tagen (36,3 Prozent) wieder das Niveau von 1985 erreicht habe. Allerdings seien damals noch 6712 Gästebetten zur Verfügung gestanden, heute nur noch 5124. »Der Bettenschwund und die Bettenstruktur ist unser Sorgenkind«, sagte er. Als Ursache für die rückläufigen Übernachtungsangebote nannte er einen Strukturwandel, bei dem Gästezimmer in Ferienwohnungen umgewandelt wurden, sowie die Aufgabe von Beherbergungsbetrieben. »Das Schlimme ist, dass vor allem auch die gewerblichen Betten zurückgehen. Da muss etwas geschehen«. Derzeit gebe es 790 Hotelbetten, die im abgelaufenen Tourismusjahr 126 000 Übernachtungen verbuchen konnten, 17,6 Prozent mehr als vor zwei Jahren, Tendenz steigend.

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Die Kaufkraft im Ort sei nicht von den Übernachtungszahlen, sondern von den Gästezahlen abhängig, analysierte der scheidende Tourismuschef weiter. Durch die Steigerung bei den Gästeanreisen müsste somit auch die Kaufkraft steigen, meinte er, trotzdem habe der Einzelhandel schwer zu kämpfen. Dies führte er auf das veränderte Kaufverhalten der Urlauber zurück. Die Zielsetzung müsse es sein, wieder auf 750 000 Übernachtungen zu kommen, was allerdings bei der derzeitigen Bettenstruktur schwierig sei.

Die künftige Marketingstrategie machte der neue Tourismusdirektor Markus Stuckmann an drei Säulen fest. Zum einen gelte es, bei der Marktpositionierung Botschaften zu schaffen, mit denen der Gast Assoziationen verbindet. Auch die Geschäfts- und Themenfelder müssten auf ein »wertorientiertes Marketing« umgestellt werden. Dazu sei ein »neues Erscheinungsbild, bei dem eine einheitliche graphische Linie erkennbar ist«, notwendig. Als Zweites nannte er die Verkaufsstrategie und die Suche nach neuen Märkten. »Der Hauptmarkt ist und bleibt Deutschland«, sagte er, der »Kuchen in der Bundesrepublik ist aber verteilt«. Darum seien hier keine großen Zuwachsraten mehr möglich. Die Marktorientierung müsse daher Richtung europäisches Ausland gehen. Die dritte Strategiesäule sei die Qualitätsverbesserung. »Wir müssen eine qualitative Wahrnehmung mit hochwertigen Leistungen schaffen«, meinte er. Dies betreffe alle, die am Fremdenverkehr partizipieren. »Da muss man vor der eigenen Haustüre anfangen«. Nur so könne man ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis erreichen. »Der Gast ist bereit, gute Preise für gute Qualität zu zahlen«. Es gelte nun, einen Zukunftsplan mit dem Hintergrund aufzustellen: »Wo sehen wir Ruhpolding im Jahr 2020«. Abschließend sein Appell: »Wir brauchen für den Tourismus im Ort Leitlinien. Diese umzusetzen geht aber nur gemeinschaftlich«.

Sepp Konhäuser (SPD) sieht das Grundproblem des heimischen Tourismus im Bettenangebot. »Was man nicht hat, kann man auch nicht verkaufen«. Darum müsse der Ansatz lauten, Hotelbetten zu schaffen. Er glaube darum an die Realisierung des »Hoteldorfs Zell« im kommenden Jahr. Wolfgang Heigermoser (CSU) erwiderte, dass sich mit der Ansiedlung von Hotels Generationen von Gemeinderäten befasst hätten. »Wir haben es aber bisher nicht geschafft«. Dem entgegnete Konhäuser, dass gerade dies in den 80er Jahren vom Gemeinderat selbst verhindert worden sei. Heigermoser fuhr fort, seiner Meinung nach sollten die vorhandenen Betriebe gestärkt und ihnen geholfen werden, ohne aus den Augen zu verlieren, »Neues zu schaffen«. Darum gehe sein Appell dahin, dass dies auch baurechtlich gefördert werde. Dazu erwähnte Bürgermeister Claus Pichler das stetige Bestreben des Bauausschusses, für die Unternehmen zu entscheiden. Sepp Hohlweger von der Vereinigung Ruhpoldinger Bürger (VRB) monierte, dass ihm im Gemeinderat manchmal das Bekenntnis »wir Ruhpoldinger sind Tourismus« fehle. Darum appellierte er, den neuen Tourismusdirektor in seinen Bestrebungen zu unterstützen. »Nur gemeinsam kommen wir weiter«.

Auch Michael Mayer (SPD) betonte, dass der Bauausschuss Baumaßnahmen von Beherbergungsbetrieben immer unterstützt habe. Der Ansatz sei an höherer Stelle zu suchen. Die Bayerische Bauordnung erschwere Bauvorhaben im Außenbereich. »Das bedeutet, dass zum Beispiel Bauernhöfe nicht touristisch ausgebaut werden können«. Besonders erschreckend seien für ihn zudem die leer stehenden Gaststätten und Gästehäuser. »Da muss die Gemeinde mitarbeiten«.

»Alle Maßnahmen der Regierung, was den Tourismus betrifft, waren bisher Lippenbekenntnisse«, kritisierte Theo Stegmeier (CSU). »Da hinken wir meilenweit hinter Österreich her.« Und sein Parteikollege Hermann Feil betonte, dass die Motivation des Gemeinderates nun die Unterstützung des Tourismusdirektors sein müsse. »Wer früher was verhindert hat, spielt keine Rolle, die Zukunft ist entscheidend«. »Dafür sehe ich alle Voraussetzung gegeben«, schloss Bürgermeister Pichler die Diskussion. hab