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Netzwerk Hospiz: Landkreis will bei Finanzierung helfen

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Traunstein. Über Fragen der langfristigen Finanzierung der Arbeit des Netzwerkes Hospiz hat am Dienstagvormittag in der Sitzung des Ausschusses für Gesundheitsfragen und soziale Angelegenheiten der Vorsitzende des Vereins, Alois Glück, informiert.


Ziel des Vereins für Hospizarbeit und Palliativbetreuung Traunstein sei es, den Menschen ein würdiges Sterben zu Hause zu ermöglichen und den Sterbenden sowie deren Angehörigen Beistand zu leisten, wie Glück ausführte. Man arbeite am Erhalt der Lebensqualität für die Schwerstkranken, der Achtung der Würde der Menschen und setzte sich das Ziel, die Patienten und ihre Familien umfassend zu betreuen, führte er weiter aus.

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Glück machte deutlich, dass rund 70 Prozent der Befragten aussagten, sie möchten nicht im Krankenhaus, sondern möglichst an einem vertrauten Ort, »zu Hause im Kreis der Familie« sterben. Die Wirklichkeit sehe jedoch genau gegensätzlich aus. Rund 70 Prozent würden im Krankenhaus versterben. Mit dem Aufbau des Netzwerkes Hospiz im Landkreis Traunstein sei es jedoch gelungen, das Sterben im vertrauten Kreis zu ermöglichen, sagte Glück.

228 Patienten im vergangenen Jahr versorgt

Niedergelassene Ärzte, Kreiskliniken, speziell ausgebildete Pflegekräfte (»Brückenschwestern«), ehrenamtliche Hospizbegleiter, Mitarbeiter in den Pflege- und Sozialstationen sowie Seelsorger würden hier Hand in Hand zusammenarbeiten.

Im vergangenen Jahr haben die Brückenschwestern 228 Patienten versorgt, die Mehrzahl bis zu zehn Tage lang. Brückenschwester Andrea Marghescu machte in der Ausschusssitzung anhand eines anonymisierten Praxisbeispiels deutlich, wie intensiv die Arbeit mit den Patienten oft ist. Sie erzählte, dass auch die Zusammenarbeit mit Seniorenheimen zunimmt.

Glück ging in seinen erweiterten Ausführungen auf die Frage der Finanzierung des Vereins und seiner Arbeit ein: Der Landkreis habe mit einem Startkapital in Höhe von ursprünglich 200 000 Euro unter die Arme gegriffen, nun werde die Arbeit zu 90 Prozent von Spenden getragen. Er äußerte sein Unverständnis, dass die Krankenkassen nicht bereit seien, die Hospizarbeit zu finanzieren beziehungsweise auch die gesetzliche Grundlage dazu fehle. An dem Ziel einer Finanzierung durch die Krankenkassen arbeite er und nutze hierbei auch politische Verbindungen in die Landes- und Bundesebene. Einer schnellen Lösung noch innerhalb der Legislaturperiode der jetzigen Bundesregierung gebe er aber keine Chance. »Das Wohlwollen ist da, aber einen Schnellschuss wird es nicht geben«, so der Vereinsvorsitzende.

Finanzierung aus Spenden »beschämend«

Die Lösung zur gesicherten langfristigen Durchfinanzierung der Arbeit sei deshalb eine Mitfinanzierung durch den Kreistag. Er bezifferte seinen Vorschlag auf jährlich 50 Cent pro Einwohner.

In der Aussprache machte unter anderem Dr. Lothar Seissiger (UW/FW) deutlich, dass er es »beschämend« findet, dass die Finanzierung der Arbeit des Netzwerkes Hospiz weitestgehend aus Spenden erfolgen müsse. Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) sagte, sie schaue »mit Sorge« auf die finanzielle Entwicklung des Vereins und mahnte ebenfalls an, dass die Finanzierung der Arbeit nicht nur aus dem Bereich der Spenden erfolgen könne: Der Landkreis sei ein »liebenswerter Landkreis«, dies gelte auch für die Begleitung auf dem letzten Weg in den Tod.

Vitus Pichler (FW/UW) machte deutlich, dass er die Arbeit des Netzwerkes Hospiz als unbedingt unterstützenswert ansehe. Er wolle die Frage, wie und in welcher Höhe das geschehe, aber nicht in die anstehenden Haushaltsberatungen hineingezogen sehen. Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser (SPD) sagte, man müsse hier eine Summe von rund 100 000 Euro im Hinterkopf haben. Der Ausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, in den Kreishaushalt die in der Sitzungsvorlage vorgeschlagene Größenordnung in Höhe von 100 000 Euro einzustellen.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder, dass man hier Forderungen nach einer staatlichen Kostenübernahme mit Nachdruck unterstützen wolle.

Weitere Themen im Ausschuss waren die Vorstellung des Jahresberichts 2011 des Sachgebiets für Soziales und Senioren im Landratsamt und die hausärztliche Versorgung im Landkreis (Ausführliche Berichte folgen). awi