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»Netzwerk Hospiz« betreute 644 Patienten

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Mit  einem  Geschenkkorb  verabschiedete  der  Vorsitzende  des »Netzwerks Hospiz«,  Landtagspräsident a. D. Alois  Glück  (rechts), Geschäftsführer Ludwig Hartl. (Foto: Buthke)

Traunstein – Insgesamt 644 Patienten betreute das »Netzwerk Hospiz – Verein für Hospizarbeit und Palliativbetreuung Südostbayern« im vergangenen Jahr.


Davon entfielen auf den Landkreis Traunstein 359 und auf das Berchtesgadener Land 285. Bei Vereinsgründung 2006 waren es noch 91 Patienten.

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In der eigenen Trägerschaft des Vereins wurde die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) von den Brückenpflegekräften in Zusammenarbeit mit den Hausärzten durchgeführt. Ein Tochterunternehmen in der Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH ist für die spezialisierte, ambulante Palliativversorgung (SAPV) zuständig. Speziell ausgebildete Fachärzte, Ärztinnen und Pflegekräfte behandeln Patienten zu Hause oder in Pflegeheimen, bei denen in der Vergangenheit eine Einweisung in ein Krankenhaus notwendig gewesen wäre.

»In enger Zusammenarbeit der Teams AAPV und SAPV ist es auch möglich, dass bei entsprechendem Krankheitsverlauf der Wechsel innerhalb der Betreuungen problemlos und jederzeit möglich ist«, erklärte der Vorsitzende des »Netzwerks Hospiz«, Landtagspräsident a. D. Alois Glück, bei der Jahreshauptversammlung im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe der Kliniken Südostbayern AG. Im vergangenen Jahr sei dies 110-mal der Fall gewesen.

2016 gab es insgesamt 526 Neuaufnahmen von Patienten. Verstorben sind 488 Patienten. Davon 75 Prozent zu Hause oder in Pflegeheimen. »Also dort, wo 70 Prozent der Menschen ihre letzten Lebensjahre verbringen wollen«, sagte Glück.

Die Mitgliederentwicklung ist Glücks Worten zufolge sehr positiv. Die Zahl der Mitglieder stieg von 74 in 2006 auf 666 in 2016. Dennoch sei eine verstärkte Mitgliederwerbung notwendig, da sich die AAPV rein aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden, bei denen der Verein eine konstante Größenordnung verzeichne, finanziere. Da die SAPV durch die Krankenkassen finanziert werde und sie dadurch kostendeckend arbeite, bringe dies eine deutliche Entlastung für den Verein, sodass er künftig auf die Zuschüsse der Landkreise nicht mehr angewiesen sei.

Die beiden Kreistage hätten daher beschlossen, die Trägerschaft für das in Bernau geplante, stationäre Hospiz zu übernehmen. Das Defizit aus den notwendigen Investitionen und den laufenden Betriebskosten würden von den Kommunen der Landkreise Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim finanziert. Der Baubeginn sei im Frühjahr 2018, die Inbetriebnahme im Sommer 2019 vorgesehen, sagte Glück.

Außerklinische Ethikberatung

Seit fünf Jahren biete das »Netzwerk Hospiz« als Ergänzung der klinischen Ethikberatung der Krankenhäuser die außerklinische Ethikberatung an. Sie sei ganz maßgeblich der Pionierarbeit von Dr. Birgit Krause-Michel zu verdanken, betonte der Vorsitzende. Wenn am Lebensende eines Menschen Konfliktsituationen, zum Beispiel bezüglich der Ernährung oder medizinischen Versorgung, entstünden und Klärungsbedarf bestehe, erarbeite die Ethikberatung auf Anfrage unverbindlich und kostenfrei mit allen Beteiligten eine ethisch begründete und für alle tragbare Handlungsempfehlung.

Das Ziel des »Netzwerks Hospiz« sei, was an Hilfe möglich sei, zu den Menschen zu bringen und über die Möglichkeiten der Hilfen zu informieren, sagte Glück. »Trotz aller positiver Entwicklungen müssen immer noch viele Menschen in der letzten Lebensphase unnötig viel leiden, weil die heutigen Möglichkeiten der Palliativmedizin und der Palliativpflege immer noch zu wenig bekannt sind«, stellte er fest.

Mit einem Geschenkkorb verabschiedete Glück den Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH, Ludwig Hartl, und stellte Hans Öggl als seinen Nachfolger vor. Hartl habe beim Aufbau der Geschäftsstelle im Kernschloss und bei der Herausgliederung der Verwaltung aus der Klinikverwaltung wertvolle Aufbauarbeit geleistet, sagte Glück.

Mit einigen Beispielen belegte Dr. Robert Kühnbach, dass es nicht nur Netzwerk heiße, sondern durch Schnittstellen und Besprechungen auch ein Netzwerk sei. Viele Patienten würden von den Brückenpflegekräften in der AAPV betreut, aber im Laufe der Zeit, wenn sich ihr Zustand verschlechtere, in die SAPV geholt. Bei Bedarf werde auch die ambulante Ethikberatung zu Rate gezogen. Ebenso funktioniere die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Hospizvereinen.

Informationen über Kinderpalliativzentrum

Über den Aufbau des neuen Kinderpalliativzentrums am Klinikum der Universität München und die SAPV für Kinder in Südbayern berichtete die Professorin für Kinderpalliativmedizin und Leiterin des Kinderpalliativzentrums im Dr. Haunerschen Kinderspital im Klinikum Großhadern, Prof. Monika Führer. Wichtig seien die Teilhabe und die Lebensqualität für die betroffenen Kinder. Rund 500 Kinder, davon 60 Prozent im ersten Lebensjahr, seien betroffen. Dank der Fortschritte in der Kinderheilkunde würde die Zahl geringer. Sie sprach von der Angst der Eltern, mit den Schmerzen der Kinder alleine zu sein und mit der Frage, wie ihr Kind sterben werde.

Zum Entstehen der SAPV für Kinder und ihre Familien sagte Führer, 2003 sei ein Arbeitskreis für die Kinderpalliativmedizin eingerichtet und 2005 mit der Weiterbildung begonnen worden. Ein Jahr später sei die Arbeitsgruppe Kinderpalliativmedizin gegründet worden. 2009 sei dann ein Konzept zur Palliativmedizin für Kinder und Jugendliche entstanden. Seien 2005 nur 50 Prozent der Kinder zu Hause gestorben, seien es 2016 bereits 84 Prozent gewesen. 2010 sei ein Förderverein für das Kinderpalliativzentrum gegründet worden, der sich zu zwei Drittel aus Spenden finanziert habe. 2016 sei das Zentrum fertig geworden. Seine Aufgaben seien Qualitätsverbesserung, Forschung sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung. Bjr