Nervöse Vorfreude, aber auch große Herausforderung

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Friseure dürfen ab Montag wieder öffnen. »Wir freuen uns riesig«, sagt Laura Latini, die von einer »nervösen Vorfreude« spricht. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich bei verschiedenen Friseursalons umgehört. Foto: dpa

Stühle werden verrückt, Trennwände aufgestellt und Spender mit Desinfektionsmittel gefüllt – die Vorbereitungen vieler Friseursalons laufen vor der Wiedereröffnung am kommenden Montag auf Hochtouren. Die Vorfreude ist groß. Doch der Re-Start ist auch mit vielen Herausforderungen verbunden. Das Traunsteiner Tagblatt hat sich umgehört.


Der große Terminblock liegt vor ihr, den Hörer hat sie am Ohr. »Es ist Wahnsinn«, sagt Maria Teresa Laubhuber vom Friseursalon Helmut Koller am Stadtplatz. Das Telefon steht kaum still. Und während sie telefoniert, kommen über Handy, E-Mail und auf dem Anrufbeantworter weitere Anfragen dazu. »Jeder will einen Termin«, sagt die Rezeptionistin und lacht. Doch eigentlich sei der März fast ausgebucht – und das, obwohl der Friseurladen in den kommenden Wochen auch montags geöffnet haben wird. Die Freude über den Re-Start ist bei ihr und ihren Kollegen groß. »Endlich geht es wieder los«, betont Maria Teresa Laubhuber, die sich allerdings auch Sorgen macht, dass es bald wieder vorbei sein könnte. »Da schwingt schon etwas Angst mit.« Denn die vergangenen Wochen seien nicht einfach gewesen. »Da haben wir uns schon etwas Sorgen gemacht.«

»Nervöse Vorfreude«

Von einer »nervösen Vorfreude« spricht Laura Latini mit Blick auf die Öffnung ihres Salons in der kommenden Woche. Auch ihr Telefon steht kaum still, denn vielen wachsen die Haare sprichwörtlich über den Kopf. »Gleich am ersten Tag nach Bekanntgabe haben wir innerhalb von zwei Stunden 85 Termine vergeben«, sagt die Chefin von Laura Latini Hair&Style in Traunstein. Die strengeren Regeln – nur eine Person auf zehn Quadratmeter – belasten sie weniger als manch anderen Kollegen. »Wir haben das Glück, dass wir einen großen Salon haben. So können alle von uns arbeiten«, sagt Laura Latini. Die vergangenen zweieinhalb Monate waren für die 35-Jährige nicht einfach. »Da kamen auch Existenzängste hoch. Wenn das jetzt noch länger so gegangen wäre, dann wäre es sehr, sehr schwierig geworden.« Doch jetzt will sie nach vorne blicken. »Wir freuen uns riesig auf unsere Kunden und sind froh, dass sie uns so toll die Treue halten.«

Not macht bekanntlich erfinderisch und so griff der eine oder der andere im Lockdown auch selbst zu Schere, Rasierer und Farbe. So manch ein Selbstversuch ging daneben. Auch Laura Latini kann sich noch gut an die Öffnung nach dem ersten Lockdwon erinnern. »Da waren ein paar wirklich witzige Geschichten dabei«, sagt die 35-Jährige. Zu ihr kam etwa ein Kunde in den Salon, an dem sechs Leute der Familie »rumgeschnippelt« haben. »Das hat man auch gesehen«, sagt Laura Latini und lacht.

Mit seiner feschen, frisch geschnittenen Frisur hatte auch Landrat Siegfried Walch im Netz für Schlagzeilen gesorgt, als er eine Videobotschaft zum Campus Chiemgau veröffentlichte. In den Kommentaren auf Facebook wurde der Landkreischef heftig kritisiert, sich nicht an die Corona-Maßnahmen zu halten und bei einem Friseur gewesen zu sein. Den Vorwurf ließ sich der 36-Jährige nicht gefallen. In einem weiteren Video präsentierte er dann die »Friseurin« – seine Freundin, die – anders als bei dem Kunden von Laura Latini – einen richtig guten Schnitt hinbekommen hatte.

»Froh, dass wir wieder arbeiten dürfen«

»Wir sind natürlich froh, dass wir wieder arbeiten dürfen«, betont Evelyn de Marco-Maier. Sie ist die Obermeisterin der Friseurinnung Traunstein-Berchtesgadener Land und hat einen Friseursalon mit sieben Mitarbeitern.

Doch sie spricht bei aller Freude auch von einer »großen Herausforderung«. Denn das Hygieneschutzkonzept sei noch einmal verschärft worden. Sie und ihre Mitarbeiter werden bereits ab Montag – da haben Friseure in der Regel ja geschlossen – für die Kunden da sein. »Wir arbeiten im Schichtbetrieb in zwei Gruppen, die sich auch nicht begegnen werden. Die einen von Montag bis Mittwoch, die anderen von Donnerstag bis Samstag«, sagt Evelyn de Marco-Maier. Sie betont, dass vielen Friseuren »das Wasser bis zum Hals steht«.

Nachdem die Friseure bereits im Frühjahr für zwei Monate geschlossen werden mussten, durften sie im Sommer wieder öffnen. Seit 16. Dezember, also seit gut zehn Wochen, sind die Salons wieder zu. »Viele Betriebe haben ein Riesenproblem«, betont Evelyn de Marco-Maier. Die Überbrückungshilfe 3 habe erst vergangene Woche beantragt werden können und sie sei lediglich ein Zuschuss zu den Fixkosten. »Solonbetreiber haben also null Einkommen. Wenn jemand davon eine Familie ernähren muss, dann ist das ein Riesenthema«, betont die Obermeisterin. Doch nicht nur das liegt ihr schwer im Magen, auch die Schwarzarbeit war ein großes Problem. »Da gibt es leider viele schwarze Schafe«, betont sie.

Nachdem die 58-Jährige davon ausgeht, dass es die nächsten Wochen »rund« geht, wird die Friseurchefin ihren Laden zunächst einmal jeden Montag öffnen. »Wir sind sehr froh, dass uns unsere Kunden die Treue halten.«

Wie groß die Sehnsucht vieler Kunden nach einem neuen Haarschnitt ist, zeigt auch ein Blick in die Regale der Drogeriemärkte. Die Drogeriekonzerne dm und Rossmann berichten etwa, dass die Nachfrage nach Haarscheren in den vergangenen Wochen gestiegen sei – bei Rossmann nach Unternehmensangaben teilweise sogar um das Vierfache. Kein Wunder also, dass es knapp wird mit den Terminen beim Friseur des Vertrauens.

KR

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