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»Nein« zum Aventura-Projekt bekräftigt

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Traunstein. Die SPD-Fraktion im Stadtrat veranstaltete eine öffentliche Diskussionsrunde zum Thema »Aventura« an der Autobahn bei Neukirchen. Wie berichtet, plant dort ein Investor einen großen Freizeitpark, in dem vor allem Geschäfte im Bereich des Sporteinzelhandels und des »Outdoor-Bereichs« erwartet werden.


Der Teisendorfer Gemeinderat stimmte bereits mehrheitlich für die geplante Outdoor-Sport-Erlebniswelt, zu der ein Hotel mit 90 Betten gehört. Die Diskussionsrunde der Traunsteiner Wirtschaftsvertreter mit Vertretern der SPD aus Stadtrat, Kreis-, Land- und Bundestag entwickelte sich schnell zu einem klaren, einstimmigen Statement gegen das heftig umstrittene und in der Öffentlichkeit viel diskutierte Projekt. Man war sich einig, dass man den Freizeitpark unbedingt verhindern wolle.

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Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Ingrid Bödecker, betonte, dass man das Thema nach der Teisendorfer Grundsatzentscheidung »am Kochen halten wolle«. Deshalb habe man die Diskussionsrunde initiiert. Thomas Miller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Traunstein, sagte, nach der großen öffentlichen Diskussionsveranstaltung im März sei ihm klar geworden, dass man unter dem Vorwand etwas für den Tourismus zu tun, hier von Seiten der Investoren etwas ganz anderes im Blick habe: »So schnell können wir gar nicht schauen und wir haben dort ein Einkaufszentrum. Die Auswirkungen des Klotzes mit 8000 Quadratmetern spürt der halbe Landkreis.«

Ernst Haider, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Traunstein, führte aus, er sehe »viele Existenzen im regionalen Sporthandel bedroht«. Man habe in der Region eine gute Versorgung mit leistungsfähigen Sporthändlern. Es sei nicht anzustreben, dass sich der Sporthandel auf einen Standort in der Region konzentriere.

Stadtmarketing-Koordinator Jürgen Pieperhoff sah in dem Projekt ein »neumodisches Überraschungsei«, da niemand genau wisse, was »in die Kiste aus Stein reinkommt«. In der Region sei die Stadt Traunstein als Magnet tätig, und auch für das Umland die Einkaufsstadt. Teisendorf komme eher die Funktion als Erholungsregion zu, was auch ein öffentlich einsehbares Gutachten bescheinige. Hochgerechnet komme er bei benötigten 24 Millionen Euro Umsatz pro Jahr auf 800 Kunden pro Tag – »und das ohne Einkaufswillige, die nur schauen würden«.

Ein »kontraproduktives Projekt für die Region« nannte es Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser die geplante Outdoor-Erlebniswelt, Kreisverbandsvorsitzender Dirk Reichenau machte insgeheim den Landesentwicklungsplan (LEP) für solche Projekte verantwortlich, der eine »Goldgräberstimmung« in den Gemeinden erzeuge.

Traunsteins Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl kritisierte, dass den Traunsteiner Kreisräten der LEP nicht weich genug gewesen sei. Dabei sei ihm klar, »dass Gemeinde- und Stadträte auch einen Schutz bräuchten«. Das Aventura schaffe insbesondere Billigjobs. »Das sind Arbeitsplätze, die wir so nicht wollen«, sagte Kreisrätin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler ergänzte, man setze beim Zustandekommen des Vorhabens regionale Arbeitsplätze aufs Spiel »für Arbeitsplätze, die ich jetzt noch nicht kenne«.

Unter ökologischen und sozialen Aspekten sei von solchen Objekten Abstand zu nehmen. Gerade die Entwicklung nach der Wende in den neuen Bundesländern, die vielerorts ausgedünnte Städte mit sich gebracht habe, gebe hier ein warnendes Beispiel ab.

Grünen-Stadtrat Wilfried Schott resümierte erfreut, hier würden alle an einem Strang ziehen. Er erinnerte daran, dass gerade in den vergangenen Tagen das Thema Flächenversiegelung vor dem Hintergrund des Hochwassers erneut eine zentrale Bedeutung bekommen habe. Das Aventura würde auch zwangsläufig ein steigendes Verkehrsaufkommen mit sich bringen.

Weiter meinte Schott, er hätte sich gewünscht, dass bei dieser Veranstaltung auch Vertreter der SPD Teisendorf mit anwesend seien. Hier fehle ihm – mit Verweis auf den Satz »man solle mit einer Zunge sprechen« – ein Stuhl im zusammengefügten Podium. Schott spielte hier auf die SPD-Gemeinderäte in Teisendorf an, die das Projekt in der Abstimmung im Gemeinderat mitgetragen hatten. Der umgehend geäußerten Kritik einzelner SPD-Podiumsteilnehmer an seinen Ausführungen entgegnete er: »Dann kann ich ja gleich gehen«, was er gleich in die Tat umsetzte. awi