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»Negativzinsen« sind weiterhin kein Thema

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Traunstein – Die Kreissparkasse Traunstein-Trostberg blickt auf ein Rekordjahr 2015 zurück. Die Bilanzsumme lag mit 2,131 Milliarden Euro um mehr als 146 Millionen Euro oder 7,4 Prozent über der des Vorjahres. Einen neuen Höchstwert erreichten auch Einlagen und die Ausleihungen. Diese Zahlen gaben Vorstandsvorsitzender Werner Linhardt, sein Stellvertreter Josef Schallinger und Vorstandsmitglied Stefan Nieß bei der Pressekonferenz zum Geschäftsergebnis des vergangenen Jahres bekannt.


Im Freistaat nimmt die landkreisweit agierende Sparkasse damit zwar keinen Spitzenplatz, aber eine Position »in der oberen Hälfte« ein, betonte Linhardt. Er leitet die Geschicke der Kreissparkasse seit über 23 Jahren. 1992 startete er mit einer Bilanzsumme von umgerechnet 1,1 Milliarden Euro, Kundeneinlagen von 967 Millionen und Ausleihungen von 662 Millionen Euro. In dem knappen Vierteljahrhundert stieg die Erfolgskurve beständig nach oben. Das vergangene Geschäftsjahr folgte diesem Trend – auch, wenn sich die Rahmenbedingungen, etwa durch das extrem niedrige Zinsniveau, im Lauf der Jahre grundlegend geändert haben. So ging in jüngster Vergangenheit – wie bei allen Geldinstituten – der Ertrag leicht nach unten. »Doch die Sparkassen stehen im Vergleich nach wie vor gut da. Sie verfügen über ein solides Fundament und eine solide Struktur«, so Linhardt dazu. Daran werde sich nichts ändern.

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Geschäftsstellen erhalten, aber Stunden reduzieren

Zu bayernweit kursierenden Ängsten vor Geschäftsstellenschließungen sagte er: »Ziel der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg bleibt, keine ihrer 30 Geschäftsstellen zu schließen. Wir wollen bei den Kunden in den Gemeinden bleiben.« Doch würden die Geschäftszeiten eingeschränkt. Dazu sagte Stefan Nieß, zum einen gebe es flächendeckend entsprechende Technik – 47 Geldautomaten, 42 Selbstbedienungs-Terminals oder 29 Kontoauszugsdrucker.

Zum anderen müsse in kleineren Orten eine Geschäftsstelle nicht fünf Tage pro Woche geöffnet sein. Diese »bedienten Servicezeiten« würden differenziert eingeschränkt. Bei Beratungsbedarf stünden Mitarbeiter grundsätzlich telefonisch von Montag bis Freitag zwischen acht und 18 Uhr zur Verfügung: »Erfahrungsgemäß können auf diese Weise 90 Prozent der Fälle erledigt werden.«

Das Kundenverhalten habe sich mittlerweile geändert, ergänzte Linhardt. Die Kreissparkasse wolle die Qualität ihrer Geschäftsstellen aufrechterhalten, andererseits die »jungen Tendenzen« bedienen – mit Internet, Smartphone oder Handy. Nicht geplant sei, Mitarbeiter betriebsbedingt zu entlassen. Die Gesamtzahl habe sich 2015 um 17 auf 452 Beschäftigte verringert, jedoch nur durch natürliche Fluktuation und Ruhestand.

Mit dem Ergebnis von 2015 zeigte er sich »sehr zufrieden«. Das Wachstum rühre im Wesentlichen aus den Kundeneinlagen – »was in Niedrigzinsphasen gar nicht so erwünscht ist«. Denn die Europäische Zentralbank berechne für das Parken von Geldern »Negativzinsen«. Inzwischen hätten die knapp 80 000 Kunden akzeptiert, fast keine Zinsen mehr zu erhalten: »Wir sind nahe an der Null-Grenze, verlangen unsererseits aber so lange wie möglich keine Negativzinsen.« Das gelte auch für gewerbliche Kunden.

Unabhängig davon sei im Landkreis Traunstein Geld vorhanden. Die Einlagen seien um mehr als 78 Millionen Euro oder 4,8 Prozent auf 1,693 Milliarden Euro gestiegen. Langfristige Einlagen spielten nur noch eine untergeordnete Rolle im Gegensatz zu kurzfristigen wie Sichteinlagen, die um mehr als 120 Millionen Euro oder 13,4 Prozent auf 1,018 Milliarden Euro in die Höhe schnellten. »Geld wird bei uns zwischengelagert – um es umzuschichten, wenn sich andere Möglichkeiten ergeben.« In absehbarer Zeit zeichneten sich aber keine höheren Zinserträge durch risikofreie Anlagen ab.

Kredite für über 200 Millionen Euro getilgt

Bei den Ausleihungen habe man nochmals eine Steigerung erzielt – um 14,7 Millionen oder 1,4 Prozent auf über 1,094 Milliarden Euro. Die Neuausleihungen bezifferte Werner Linhardt mit 216,7 Millionen Euro, was einem Zuwachs um 6,7 Millionen Euro oder 1,4 Prozent entspricht. Aus den Neuausleihungen und der Bestandsveränderung ergebe sich: »Im Jahr 2015 wurden Kredite für über 200 Millionen Euro getilgt. Diese hohe Tilgung resultiert daraus, dass es uninteressant ist, Geld anzulegen.« Umgekehrt seien von »Häuslebauern« gut angenommene Immobilienkredite »so billig wie nie in den letzten Jahrzehnten«. Für die Kreissparkasse werde es bei diesen Verhältnissen immer schwerer, über Eigenanlagen gute Zinsen zu bekommen: »Ansonsten zahlen wir drauf.«

Im Wertpapiergeschäft bevorzugten Kunden ebenfalls kurzfristige »Park«-Anlagen. Das spiegelt die Veränderung hin zu Dekabank-Depots wider mit einem 50-prozentigen Umsatzplus auf 24,4 Millionen Euro. Tendenziell nachgelassen haben, abgesehen von gemanagten Fonds, die Aktiengeschäfte der Kunden. »Unser Kundenstamm ist nicht der traditionelle Aktienkäufer«, so Linhardt. Deutlich zugenommen hätten die Außenhandelsumsätze mit einem Zuwachs um 17,1 Prozent oder 38,3 Millionen Euro auf 261,9 Millionen Euro. »Der Landkreis hat rund 170 000 Einwohner. Wir haben knapp 80 000 Kunden. Das heißt: Fast jeder zweite Kreisbürger besitzt ein Konto bei uns«, so Linhardt. kd