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»Negatives Betriebsklima« und »Angst vor Entlassungen«

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Von einem »äußerst negativen Betriebsklima in den Häusern Traunstein (unser Bild) und Trostberg« berichtet ein ehemaliger Kommunalpolitiker. (Foto: Reiter)

Traunstein – Mit einem Brief wandte sich ein früherer Kommunalpolitiker und ein langjähriges Mitglied des Aufsichtsrats unter anderem an Landrat Siegfried Walch und den Chef der Kliniken Südostbayern AG, Dr. Uwe Gretscher. Dieses Schreiben wurde auch dem Traunsteiner Tagblatt zugespielt. Der Verfasser kritisiert darin das »äußerst negative Betriebsklima in den Häusern Traunstein und Trostberg« und schreibt von einer »teilweise panikartigen Angst vor Entlassung und noch mehr Belastung«. Wir sprachen darüber mit Landrat Siegfried Walch, dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Kliniken Südostbayern AG.


»Die Angst vor Entlassungen ist völlig unbegründet, denn es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen«, betont der 31-Jährige. Es seien über Jahre Reformen nicht angegangen worden, »die jetzt entschlossen umgesetzt werden«. Dass dies für die Mitarbeiter der Kliniken Südostbayern AG nicht einfach ist, sei unbestritten. »Deshalb wollen wir auch möglichst schnell raus aus der Sanierung, damit sich das Ganze nicht über Jahre zieht«, betont der Aufsichtsratsvorsitzende der Kliniken Südostbayern AG. Denn in einem wirtschaftlich gesunden Unternehmen sei auch die Stimmung der Mitarbeiter gut.

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Beim schwächsten Glied wird eingespart

Doch der Verfasser des Briefs geht noch weiter. Er berichtet sogar von einer »Art Psychomobbing«, damit die Mitarbeiter von sich aus kündigen. »Dadurch steht man als politischer Arbeitgeber nach außen gut da, weil man selbst ja nicht mehr allzu viele Kündigungen aussprechen muss. Dass es sich dabei aber um Menschen handelt, die demotiviert und frustriert werden, wird offensichtlich billigend in Kauf genommen.« Er kritisiert, dass zur Minderung des Defizits der einfachste Weg gegangen wird, »nämlich beim schwächsten Glied, dem Personal im unteren und mittleren Bereich, einzusparen.«

Dem hält Landrat Siegfried Walch entgegen, dass alle Häuser in der Kliniken Südostbayern AG – was das Personal betrifft – deutlich über dem Durchschnitt in deutschen Krankenhäusern liegen. »Im Vergleich zu Wettbewerbern gibt es bei all unseren Standorten Handlungsbedarf.« Im Traunsteiner Krankenhaus beispielsweise seien 70 Prozent der Kosten Personalkosten. »Da müssen wir reduzieren, da bleibt uns gar nichts anderes übrig. Dass dies für den Einzelnen nicht einfach ist, der einen Kollegen verliert, auf den man sich verlassen kann, ist verständlich«, sagt Landrat Siegfried Walch.

Doch wie passt es zusammen, dass die Mitarbeiter das Gefühl haben, nicht mehr fertig zu werden mit ihrer Arbeit, es aber angeblich zu viel Personal gibt? Für den Aufsichtsratsvorsitzenden liegt das Problem an »falschen Strukturen«. Eine Krankenschwester oder ein Pfleger sollte sich nicht darum kümmern müssen, »dass er Röhrchen ins Labor trägt oder dem Patienten Kaffee bringt«. Dies würden jetzt die Servicekräfte übernehmen und somit die Pflegekräfte entlasten. »Die Klinken sind in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen, aber die Struktur ist nicht mitgewachsen. Die Wirtschaftlichkeit müssen wir jetzt nachliefern«, betont er.

»Das müssen die jetzigen Mitarbeiter ausbaden«

Landrat Siegfried Walch ist zuversichtlich, dass dies gelingt. »Es liegt in unserer Hand, die Kliniken AG in die schwarzen Zahlen zu führen. Dabei müssen wir aber auch der Realität ins Auge schauen.« Wenn die Landkreise vor einem Jahr nicht zehn Millionen Euro zugeschossen hätten, »dann hätten die Mitarbeiter jetzt ganz andere Probleme«, sagt der 31-Jährige. »Bei einer Privatisierung weht ein anderer Wind.« Es habe lange Zeit das Bewusstsein dafür gefehlt, wie wichtig Wirtschaftlichkeit ist. »Das müssen die jetzigen Mitarbeiter ausbaden, da machen wir gar keinen Hehl draus.« Der Landrat ist aber zuversichtlich, »dass Ende 2016 die Stimmung wieder deutlich besser sein wird.« Dann will die Kliniken Südostbayern AG schwarze Zahlen schreiben. KR