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Naturwaldreservat bei Oberwössen eröffnet

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Ministerialdirektor Martin Neumeyer (Zweiter von links) überreichte die Urkunde, die mit dem Naturwaldreservat Vogelspitz nun das drittgrößte Naturwaldreservat Bayerns ausweist, an Paul Höglmüller (Zweiter von rechts), Leiter des Forstbetriebes Ruhpolding. Mit dabei: der Unterwössner Bürgermeister Hans Haslreiter (rechts) und sein Schlechinger Kollege Sepp Loferer. (Foto: Flug)

Unterwössen. Rund um den Oberwössner Vogelspitz ist jetzt Bayerns drittgrößtes Naturwaldreservat eröffnet worden. Martin Neumeyer, Ministerialdirektor im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, überreichte die Urkunde.


Für den Festakt hatte sich das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein einen besonderen Ort gesucht: einen exponierten Standort im Naturwaldreservat, gegenüber stieg der schroffe Fels der Vogelwand auf. Den Gästen bot sich ein weiter Ausblick bis über den Chiemsee hinaus.

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Die markante Felsformation des Vogelspitzes gibt dem Naturwaldreservat seinen Namen. Zwei bislang benachbart gelegene Naturwaldreservate der Geißklamm und des Jagerbodens wurden um rund 76 Hektar erweitert und zu dem jetzt 236,6 Hektar großen Naturwaldreservat Vogelspitz zusammengeschlossen.

Naturwaldreservate sind wichtige, wertvolle Bestandteile der Waldökosysteme. Auf solchen besonders naturnahen Waldflächen findet künftig keine forstliche Nutzung mehr statt. Bayern verfügt seit 1978 über jetzt aktuell 159 Naturwaldreservate mit insgesamt 7000 Hektar Fläche.

Die Forschung zieht aus den Naturwaldreservaten wertvolle Erkenntnisse für die naturnahe Bewirtschaftung der Wälder. Naturwaldreservate leisten auch einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in den Wäldern. Fachleute zählen bislang 214 Schmetterlingsarten, 170 Pilzarten, 115 Pflanzenarten und 48 verschiedene Schneckenarten. Sehr seltene Arten sind darunter. Mit dem Naturwaldreservat Vogelspitz liegen die drei größten Naturwaldreservate Bayerns im Bereich des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, Traunstein und im Zuständigkeitsbereich der Forstbetriebe Ruhpolding und Berchtesgaden der bayerischen Staatsforsten.

Mit der Ausweisung des Naturwaldreservats Vogelspitz sei eine »gute Entscheidung« getroffen, meinte Ministerialdirektor Neumeyer beim Festakt. Wenn jetzt das drittgrößte Naturwaldreservat in Bayern ausgewiesen werde, zeige das, »dass der Schutzgedanke bei uns ernst genommen wird und in guten Händen ist«.

Dabei liege zwischen der naturnahen flächendeckenden Waldbewirtschaftung und den Naturwaldreservaten kein Widerspruch. Die wirtschaftliche Begleitung dieser Reservate bringe weitergehende Erkenntnisse für die Waldbewirtschaftung. »Ihr langer Wunsch und ihr Bestreben, wie auch das ihrer Vorgänger, ist Wirklichkeit geworden« richtete sich Neumeyer an den Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, Alfons Leitenbacher, und an den Leiter des Forstbetriebs Ruhpolding, Paul Höglmüller. Er überreichte eine Urkunde, die einen besonderen Platz im Forstamt Ruhpolding erhalten soll.

Reinhard Neft, Vorstandsmitglied der Bayerischen Staatsforsten, verwies auf die Bedeutung der Nachhaltigkeit, nachhaltig zu wirtschaften und zu erhalten. Das bedeute, den Nachfolgegenerationen den Lebensraum zu bewahren. Das bedeute auch, ein Unternehmen Staatsforsten gesund zu erhalten und fachkundigen Nachwuchs auszubilden. Vor allem bedeute das aber, so Neft, ökologisch nachhaltig zu sein. 16 Prozent des jährlich nachwachsenden Holzes in bayerischen Wäldern bleiben im Wald. Wie bedeutsam das für Flora und Fauna, deren Vielfalt und Stabilität sei, hätten zahlreiche Studien erwiesen. So freue ihn die jetzige Ausweisung des Naturwaldreservates außerordentlich.

Stolz präsentierten Schlechings Bürgermeister Sepp Loferer, Unterwössens Bürgermeister Hans Haslreiter und dessen Stellvertreter Barthl Irlinger den teilweise weit angereisten Gästen die Landschaft ihrer Region. In seinem Grußwort für die Gemeinden nannte Haslreiter das Naturreservat »eine große Sache für unsere Region«. lukk