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Naturpark: Ein »erster Schritt« ist getan

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Die Gebietskulisse des geplanten Naturparks Chiemsee-Chiemgau: Die Gemeinden würden immer nur Teile ihres Gebietes einbringen. Grün gefärbt sind Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete.

Aschau – Die Idee zur Etablierung der Chiemsee-Region als Naturpark gibt es schon länger und inzwischen konkretisieren sich auch die Vorstellungen, wie ein solcher Naturpark aussehen und was er bringen könnte. In einer gemeinsamen Versammlung informierten sich nun die Gemeinderäte aller für einen »Naturpark Chiemsee-Chiemgau« in Frage kommenden 32 Gemeinden über das von Landschaftsplaner Alfred Ringler erstellte vorläufige Konzept; ein »erster Schritt auf einem weiten Weg« wurde getan – so sah es jedenfalls Josef Loferer, Bürgermeister von Schleching und Vorsitzender des »Ökomodells Achental«, der zu den Initiatoren des Projekts gehört.


Aus der Praxis berichtete Rolf Eberhardt, Geschäftsführer des seit 2008 existierenden Naturparks Nagelfluhkette im südwestlichen Allgäu, des bisher einzigen im bayerischen Alpenraum. Roland Weid von der Oberen Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern ordnete das Projekt in die bestehende Naturpark-Landschaft in Deutschland ein – mit seinen gegenwärtig 104 Naturparks zwischen der Holsteinischen Schweiz und dem Altmühltal. Vorbereitet hatte die Informationsveranstaltung eine Arbeitsgruppe aus den Reihen von Abwasser- und Umweltverband Chiemsee, Ökomodell Achental und Gemeindenetzwerk Allianz in den Alpen.

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Die Fläche des rund 670 Quadratmeter großen Naturparks entspreche im Wesentlichen dem in der jüngsten Eiszeit vom Chiemsee-Gletscher überdeckten und geformten Landstrich sowie den angrenzenden Chiemgauer Alpen, erläuterte Landschaftsplaner Alfred Ringler. Kulturell sei dieser Naturraum ebenfalls einheitlich geprägt durch die Zugehörigkeit zum Wirkungsbereich des ehemaligen Bistums Chiemsee.

Voraussetzungen für Anerkennung sind erfüllt

Die Region habe so viele natürliche und kulturlandschaftliche Schätze zu bieten, dass sie die Vorgabe für die Anerkennung als Naturpark gut erfülle, nämlich dass 50 Prozent der Fläche den Status eines Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiets haben.

Großen Wert legten alle Referenten auf die Feststellung, beim Naturpark handle es sich nicht um ein Schutzgebiet, vielmehr um eine Kooperative von Gemeinden zur Weiterentwicklung einer Region, die sich durch ihre naturräumliche und kulturelle Einheitlichkeit auszeichnet. Während in den Nationalparks der Erhalt der Naturlandschaft im Vordergrund stehe, verstehe man beim Naturpark die Natur als Lebensraum für die Menschen, die in ihr heimisch sind oder sie besuchen, als Natur- und Kulturlandschaft, die für die Menschen in allen Facetten erlebbar gemacht und gesellschaftlich weiterentwickelt werden muss, erläuterte Rolf Eberhardt vom Naturpark Nagelfluhkette. »Im Naturpark ist der Mensch nicht störend.«

Vielmehr gehe es gerade darum, den Menschen die natürlichen und kulturellen Güter ihrer Heimat nahezubringen und so zu ihrer Bewahrung beizutragen, zum Beispiel durch Umweltbildungs- und Naturerlebnisangebote. Und das alles unter der Federführung der Gemeinden, die bei dieser Gebietsausweisungskategorie allein das Heft des Handelns in der Hand hielten.

Entwicklung eines naturverträglichen Tourismus

Laut bayerischem und Bundesnaturschutzgesetz ist Voraussetzung für die Anerkennung eines Naturparks durch die staatlichen Institutionen – und damit auch für Fördermittel – seine »Eignung für umweltverträgliche Erholungsformen« und die »Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus«, erläuterte Roland Weid von der Oberen Naturschutzbehörde. Alle Referenten sahen daher in der koordinierten Entwicklung eines naturverträglichen Tourismus im Gebiet einen wichtigen positiven Effekt des Naturpark-Status.

Weid stellte außerdem die Frage in den Raum, was die Kategorisierung als Naturpark in einem Gebiet bringe, das sich schon jetzt durch sehr in Naturschutz- und Umweltdingen engagierte Akteure wie den Abwasser- und Umweltverband Chiemsee oder das Ökomodell Achental auszeichne und bereits einiges an Umweltbildung und Naturführungen anbiete. Seine Antwort: Vernetzung. Den Naturpark Chiemsee-Chiemgau sah er als Dachorganisation für die vielfältigen Initiativen, die es schon gibt; die biete gleichzeitig die Möglichkeit, Lücken zu schließen, bezogen auf die Fläche durch Ausweitung auf weitere Gemeinden, aber auch themenmäßig.

Die Angst vieler Landwirte vor Einschränkungen in der Bewirtschaftung im als Naturpark ausgewiesenen Gebiet bezeichnete Weid als unbegründet. Bestätigt wurde diese Einschätzung von Alfred Enderle, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands Oberallgäu, der extra in den Chiemgau gekommen war, um von den positiven Erfahrungen der Bauern im Naturpark Nagelfluhkette zu berichten. Im Allgäu habe man erkannt, dass die Landwirte von der Lage im Naturpark profitieren, wenn sie jederzeit in die Pläne und die Arbeit eingebunden sind. In der Gemeinsamkeit liege eine große Stärke, so Enderle. ig

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