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»Natürlich wäre ich fertig geworden«

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Christian Dögerl hat unter anderem die Skulptur des Nepomuks an der alten Brücke in Marquartstein geschaffen. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Anfang Mai entschied sich der Gemeinderat Marquartstein, zum 150-jährigen Geburtstag von Richard Strauss (1864 bis 1949) am 11. Juni, eine Schattenskulptur des Siegsdorfer Künstlers Walter Angerer an der Tiroler Ache aufzustellen (wir berichteten). Zur Diskussion stand auch der Entwurf einer Bronzeskulptur des Marquartsteiner Bildhauers Christian Dögerl. Bürgermeister Andreas Scheck hatte hierzu geäußert, dass Dögerls Skulptur bis zu dem genannten Datum nicht fertig werden würde. Gegen diese Behauptung setzte sich Christian Dögerl nun entschieden zur Wehr.


In der darauffolgenden öffentlichen Gemeinderatssitzung wurde ein Brief des Bildhauers verlesen, in dem er versicherte, dass er problemlos den Abgabetermin hätte einhalten können und deshalb diese Behauptung »mit Entsetzen« in der Zeitung gelesen habe. Er beklagte, das sei Rufschädigung, »denn mir wird Zuverlässigkeit als Künstler und Handwerker« abgesprochen.

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Dögerl schrieb weiter, er hätte den Auftrag gerne angenommen, da es sich um eine »künstlerisch sehr anspruchsvolle und schöne Arbeit« gehandelt hätte. Der Termin für die Fertigstellung sei ihm nicht mitgeteilt worden und gerne hätte er auch die Möglichkeit gehabt, seine Entwürfe – einen in Lebensgröße für den Innenbereich und einen in Überlebensgröße für den Außenbereich – dem Gemeinderat näher zu erläutern.

Bürgermeister Andreas Scheck entschuldigte sich ausdrücklich für seine falsche Behauptung. Er und die Verwaltung seien der Meinung gewesen, eine so aufwändig zu arbeitende Skulptur könne nicht in so kurzer Zeit fertiggestellt werden. Es sei auf jeden Fall ein Fehler gewesen, nicht direkte Rücksprache mit Christian Dögerl zu nehmen. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Scheck, Dögerl habe immer wieder für die Gemeinde gearbeitet und er hoffe, dass das auch künftig wieder so sei. Die Gemeinde sei in jedem Fall daran interessiert, einheimische Künstler und Handwerker zu fördern. Unabhängig von dem Missverständnis mit dem Termin der Fertigstellung seien er und der Gemeinderat jedoch der Auffassung gewesen, dass sich Walter Angerers Skulptur in diesem Fall besser für den Standort an der Tiroler Ache eignen würde, so Scheck.

Christian Dögerl, seit 28 Jahren freischaffender Bildhauer, trat bisher aus freien Stücken selten selbst an die Öffentlichkeit, obwohl er viele künstlerische Arbeiten, besonders Porträts anfertigt, die im ganzen Bundesgebiet verbreitet werden. In Marquartstein schuf er neben der Figur auf dem Ritter-Marquart-Brunnen zum Beispiel die Figur des Brückenheiligen Nepomuk an der alten Marquartsteiner Brücke, die vom verstorbenen zweiten Bürgermeister der Gemeinde, Günter Richter, als Spendenaktion vor über zehn Jahren initiiert worden war. Auch für Marquartsteiner Vereine, wie den Sportverein oder die Schützen hat Christian Dögerl schon viele Medaillen und Ehrenzeichen entworfen.

Erst kürzlich erhielt er einen interessanten Auftrag von der Chiemgau-Klinik für mehrere große Holzskulpturen. gi