weather-image
22°

Nathalie Kling gewann Sirius 2015

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Nathalie Kling gewann den Sirius 2015 für ihr Projekt »Gesund in Haft«. (Foto: T. Eder)

Marquartstein – Wenn ein computeranimiertes Männchen Inhaftierte über HIV und andere Krankheiten ohne erhobenen Zeigefinger und mit Witz aufklärt, dann ist dies einen Preis wert: Die 22-jährige Marquartsteinerin Nathalie Kling wurde für ihre Idee und ihr Filmprojekt mit dem Sirius-Preis ausgezeichnet. Er ist mit 15 000 Euro dotiert.


Mit dem Sirius-Preis werden Projekte für ihren innovativen, bedarfsgerechten und erfolgsversprechenden Ansatz in der Präventionsarbeit ausgezeichnet. Für die junge Preisträgerin kam der Preis völlig überraschend. Ihr Projekt »Gesund in Haft« sowie fünf weitere präventiv ausgerichtete Projekte wurden unter 53 Bewerbern in Berlin unter anderem vom Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ausgezeichnet. In einem Gespräch mit uns informierte die Preisträgerin, wie sie zu ihrem Projekt und der Umsetzung kam.

Anzeige

Nach dem Abitur am Landschulheim Marquartstein entschied sich die junge Frau, vor dem Studium ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Dieses absolvierte sie im Heilpädagogischen Förderzentrum in Piding. Danach war für die Marquartsteinerin klar: Sie will »Soziale Arbeit« an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München studieren. Vor dem Studium konnte sie ein Praktikum in der Justizvollzugsanstalt Bernau (JVA) ablegen.

»Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient«

Während des Studiums engagierte sie sich im Rahmen ihres Praktikums bei der Münchner Zentralstelle für Straffälligenhilfe in den JVAen München und Landsberg. »Mir wurde dabei bewusst, dass gerade Inhaftierte kaum eine Lobby haben. Ich merkte schnell, was Haft bedeutet und mit welchen Problemen die Inhaftierten konfrontiert werden. Meiner Ansicht nach hat jeder Mensch eine zweite Chance verdient.« Ein weiteres Praxissemester folgte bei der Aids-Hilfe in München. Und gerade HIV und Aids sind auch in Vollzugsanstalten ein großes Thema. Inhaftierte mit dem HI-Virus werden ausgegrenzt und gemieden. Teilweise erhalten diese Arbeitsverbot, damit sich andere Inhaftierte nicht aufregen, obwohl dies mit genügend Aufklärung nicht notwendig wäre. Auch Vollzugsbeamte könnten mit dem Thema aus Unkenntnis nichts oder wenig anfangen, so Nathalie Kling. Um auch alle Inhaftierte zu erreichen, was wohl kaum mit einer Broschüre oder Präventionsveranstaltung zu erreichen sei, wählte sie in ihrer Hochschularbeit als Medium das Fernsehen und entwickelte einen 40-minütigen Film mit dem Titel »Gesund in Haft«. Denn Fernsehen sei eine Hauptbeschäftigung der Inhaftierten, weiß die junge Frau.

Große Unterstützung von vielen Seiten

Nathalie Kling berichtete, dass dieser Film auch für sie Neuland gewesen sei. Aber sie habe von vielen Leuten Unterstützung erhalten. Mit deren Hilfe konnte ein professioneller Film zustande kommen. Besonders freute sie die Unterstützung von David Oldenburg, der ihre Story für den Comic malerisch umsetzte und die Animation hierzu machte. Jacqueline Hofer war außerdem wesentlich an der Produktion beteiligt.

Preisgeld für Fortführung des Projekts

Dieser Preis – das Preisgeld wird übrigens zur Fortführung des Projekts verwendet – sei für sie etwas ganz Besonderes, sagte Nathalie Kling. Damit werde ihre ehrenamtliche, über Monate hinweg akribisch ausgeführte, Arbeit von höchster Stelle honoriert. Diese Anerkennung freue sie besonders.

Der Film soll künftig über den anstaltseigenen Sender der JVA München und eventuell in weiteren JVAs in Bayern gezeigt werden und die Straffälligen animieren, sich zum einen gesund zu ernähren und zu bewegen und zum anderen über HIV und anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI) aufklären. Dies ist der jungen Studentin, die überdies kurz vor ihrem Abschluss steht, auf hervorragende Weise gelungen. tb