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Nahverkehr in der Region: Wunsch und Wirklichkeit

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Traunstein. Wer ist schon einmal mit dem »Geisterzug« nach Trostberg gefahren? Würde man die Frage in einem Saal mit mehreren Hundert Menschen stellen, die nach dieser Frage die Hand heben sollen, wäre man mit dem Zählen schnell fertig. Auf die Frage, wer sich über den Zug schon geärgert hat, weil man an den Bahnübergängen auf der Bundesstraße zwischen Traunstein und Altenmarkt ewig warten muss, würden wohl die meisten ihre Hand heben. Dennoch sehen es Kommunalpolitiker als ihre Aufgabe an, sich für die Bahnlinie stark zu machen; denn, wenn sie erst einmal weg ist, kommt sie nie wieder.


Der Stadtrat Traunstein nahm in seiner Sitzung am Donnerstag Stellung zum Konzept des öffentlichen Nahverkehrs im Landkreis und formulierte seine Wunschvorstellungen. Ein Dorn im Auge ist den Stadträten der unsinnige Parallelverkehr von Bus und Bahn zwischen Traunreut und Traunstein. »Der Traunreuter Zug blockiert die Straße und die Diesellok braucht 100 Liter Treibstoff pro Stunde«, kritisierte Wolfgang Osenstätter. Und auch Oberbürgermeister Manfred Kösterke redete Klartext: »Das waren Fehlentscheidungen der politisch Verantwortlichen.«

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Im Beschluss des Stadtrates heißt es deshalb auch folgerichtig: »Das integrative Konzept Bahn-Bus gilt es insgesamt deutlich zu verbessern. Es ist eine enge Abstimmung und Verknüpfung Bahn-Bus sowie die Vermeidung von Parallelfahrten anzustreben.« Deshalb solle die Zahl der Bahnverbindungen zwischen Traunstein und Traunreut verringert werden.

Diese Forderung wird sicher leichter zu erfüllen sein als die, auf der Bahnstrecke zwischen Traunstein, Trostberg, Garching und Mühldorf einen Stundentakt anzubieten. Dem Zug nach Mühldorf werde in Zukunft einmal eine deutlich größere Bedeutung zukommen als jetzt. Waltraud Wiesholler-Niederlöhner wies darauf hin, dass der Bahnanschluss über Mühldorf zum Flughafen nach Erding für die Region wichtig werden könnte, wenn einmal die Hauptverkehrslinie (Magistrale) von München über Mühldorf nach Freilassing verwirklicht wird. Denkbar wäre dann auch ein S-Bahn-Anschluss.

Wann das sein wird, steht aber in den Sternen. Josef Kaiser unterstrich das mit den Worten: »Wir diskutieren über Dinge, die in weiter Ferne liegen.« Er und die anderen Ratsmitglieder müssten froh sein, wenn sie das überhaupt noch erleben dürfen.

Diskutiert wurde im Stadtrat auch über die Zugverbindungen nach München und Salzburg. Man einigte sich auf die Formulierung, der derzeitige Verbindungstakt solle mindestens beibehalten werden. Zu Beginn dieser Stadtratssitzung hatte Oberbürgermeister Manfred Kösterke bekannt gegeben, dass ab kommendem Montag ein neuer Fahrplan gilt, der unter anderem drei zusätzliche Zugverbindungen zwischen München und Salzburg vorsieht. Demnach fahren von Montag bis Freitag zusätzliche Züge nach München; und zwar um 6.01 Uhr, um 9.05 Uhr und um 17.05 Uhr.

Im Zusammenhang mit dem Nahverkehrskonzept erhob der Stadtrat auch die Forderung, den Haltepunkt am Klinikum Traunstein umgehend zu planen und bis Ende nächsten Jahres fertigzustellen. Auf Anfrage von Sepp Häusler berichtete der Oberbürgermeister, die Planung des Haltepunktes werde einbezogen in die Planung für das Parkdeck, das hier neben der Bahntrasse entstehen soll. Die Kosten dafür würden die Stadt nicht betreffen, außer jene für einen eventuellen Wetterschutz (Unterstand). Der immer wieder geforderte Haltepunkt beim Klinikum ist nach Ansicht von Ingrid Bödeker »ein erster Schritt in Richtung Rentabilität der Strecke«.

Einstimmig befürwortete der Stadtrat die Forderungen zum Nahverkehr. Eine Ergänzung, der Landkreis solle auch das Rufbussystem unterstützen, fand dagegen keine Mehrheit. Waltraud Wiesholler-Niederlöhner hatte zu diesem Punkt festgestellt, dass der Landkreis nicht der richtige Adressat sei, sondern hierfür Unterstützung vom Staat kommen müsste. -K.O.-