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Närrisches Filmteam stürmte das Rathaus

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Das Traunreuter Stadtoberhaupt, Klaus I., musste gestern die Stadtkasse und den Rathausschlüssel einem närrischen Filmteam überlassen. (Foto: Rasch)

Traunreut – Daumendrücken heißt es für das Traunreuter »Rathausstürmer«-Filmteam bis kommenden Dienstag. Dann läuft nämlich die Oscar-Nominierung aus, bei der sich das Team mit dem Film »Das Vorzimmer« angemeldet hat. Gedreht wurde bei Sekt und Krapfen im Beisein von einer kleinen Schar Statisten und Komparsen aus dem Stadtparlament im großen Sitzungssaal des Traunreuter Rathauses. Das Drehbuch war selbstverständlich reine Fantasie. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sowie Handlungen waren frei erfunden.


Bevor die Dreharbeiten begannen, hatte die Maskenbildnerin alle Hände voll zu tun, um den Statisten die Blässe und Augenringe wegzuschminken. »Himmelherrschaft, wo ist denn jetzt der Praktikant?«, schimpfte sie. Dieser Posten wurde Klaus I. aufgebürdet, der sich flott dranmachte, das gestresste Team mit Kaffee zu versorgen. Ort der Handlung waren die Vorzimmer von Klaus I. und Siegfried I. Zwei »Diven« an der Strippe ließen keinen Zweifel daran, dass sie als engste Vertraute des Traunreuter Stadtoberhaupts und Landkreisfürsten das Zepter in der Hand halten.

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Fleißig aus dem Nähkästchen geplaudert

Angeregt wurde aus dem Nähkästchen geplaudert und dabei kein Thema ausgelassen: vom Traunreuter Sparhaushalt über die Landesgartenschau, die die Traunsteiner los werden möchten, bis hin zu den luxuriösen Wohnungen im Traunreuter Westen gegenüber dem Wertstoffhof – mit grandiosem Blick auf die Grüngut-Sammelanlage und kostenloser Geruchsbeilage. Stillschweigen übte die »Quassel-Liese« aus dem Landratsbüro zum Stand der Landkreisklage gegen Traunreut. »Bleibt's jetzt bei der Straßenausbaubeitragssatzung?« – »Das sind doch streng geheime Unterlagen. Top Secret eben. Da darf nichts an die Öffentlichkeit dringen...«

Bei der Revision der Stadtkasse, die Klaus I. reumütig samt Rathausschlüssel den Rathausstürmern überließ, war dem Filmteam aufgefallen, dass sich darin jede Menge 50-Cent-Stücke befinden. Diese stammten nicht aus einem Klingelbeutel, sondern höchstpersönlich vom Stadtoberhaupt, das jedes Mal, wenn er eine chauvinistische Bemerkung gegenüber Damen macht, eine Münze in ein Sparschwein im Vorzimmer werfen muss.

Bevor die erste Klappe im bunt geschmückten Sitzungssaal fiel, hatte die närrische Weiberriege den Rathausplatz und die dortigen Geschäfte und Banken unsicher gemacht. ga