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Nächste Runde in der Güterhallen-Beratung

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Ein Dauerbrenner in der Auseinandersetzung zwischen den Traunsteiner Stadtratsfraktionen: die Güterhalle am Bahnhof, in der ein Jugendtreff und andere städtische Einrichtungen untergebracht werden sollen. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Nach mehreren kontroversen Debatten in den vergangenen Jahren und »fünfeinhalb Jahren Versprechen an die Jugendlichen«, so Oberbürgermeister Christian Kegel, zeichnet sich nun ab, wen die umzubauende und zu sanierende Güterhalle am Bahnhof künftig beherbergen soll. Der Traunsteiner Stadtrat beschäftigte sich in seiner öffentlichen Sitzung zum wiederholten Mal mit dem bereits mehrfach sehr kontrovers diskutierten Nutzungskonzept.


In seiner Sitzung im Juli hatte der Rat mehrheitlich beschlossen, dass die Güterhalle entsprechend der bisherigen Beschlusslage ausgebaut wird und die Stadtverwaltung verschiedene Varianten zur Nutzung der Restfläche vorzulegen hat. Bisher sind nur die Unterbringung der Jugend und der Schule der Phantasie »fix«, ein Großteil der Flächen konnte – zu der angestrebten Nutzung passend – bisher nicht gesichert vermietet werden.

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Seit einiger Zeit sind hier nun sowohl die städtische Bücherei oder auch die Musikschule Traunstein im Gespräch, wobei Letztere dann einen deutlich verkleinerten Platz zur Verfügung hätte. Auch sprechen nötige bauliche Veränderungen gegen die Musikschulnutzung. Von Seiten der Bücherei zeigt man sich über die Pläne dagegen sehr angetan, diese würden Chancen auf eine Weiterentwicklung ermöglichen.

Andererseits stellt sich für den Stadtrat damit die Frage, was im Falle einer Verlegung der Bücherei in die Güterhalle mit dem Kulturzentrum passieren würde. Möglich wäre eine Verlagerung der Volkshochschule (VHS) vom Rathausgebäude in das Kulturzentrum. Auch könnte die Rathausverwaltung im Falle eines zusätzlichen Raumbedarfs dort gut untergebracht werden, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Dort wird auch darauf hingewiesen, dass sich der Eigenfinanzierungsanteil der Stadt Traunstein bei rund zwei Millionen Euro bewegt. Er würde etwas niedriger ausfallen, wenn die Restfläche in der Güterhalle durch die Bücherei genutzt wird, würde aber steigen, wenn anteilige Flächen fremdvermietet werden. Der Unterschied liegt bei rund 300 000 Euro. »Billiger wird es nicht«, betonte Oberbürgermeister Christian Kegel, der sich für einen umgehenden Umzug der Bücherei nach einer Güterhallen-Sanierung stark machte.

Hümmer: »Vorschlag bringt uns nicht weiter«

Ursula Lay (UW) konnte nicht nachvollziehen, dass der Bücherei 390 Quadratmeter reichen würden. Der Oberbürgermeister konnte beruhigen: Es gäbe hier keine sonst für die Musikschule nötigen Verkehrsflächen. Dr. Christian Hümmer, der Fraktionsvorsitzende der CSU, konnte sich für den Vorschlag nicht erwärmen: »Der Vorschlag bringt uns nicht weiter. Die Bücherei ist Lückenbüßer für die Güterhalle.« Es stelle sich die Frage, was wichtiger sei, »die Steine oder junge Menschen.« Er plädiere, die 1948 erbaute Güterhalle abzureißen (»Das ist kein Denkmal«) und ein neues Objekt zu bauen, das er bei einer Million Euro überschlug. »Die Bürger draußen haben kein Verständnis dafür, dass wir da vier Millionen Euro ausgeben.«

Kegel hielt dagegen, dass es bereits zwei Stadtratsbeschlüsse dazu gibt. Das Objekt lobte er in höchsten Tönen: »Eine hervorragend geeignete Halle. Schaut extrem gut aus, ist extrem funktional.« Er verwies auch auf zwei Millionen Euro Städtebauförderung. Karl Schulz (CSU): »Die Varianten sind Null-Varianten. Wir haben keine g'scheide Lösung«, kritisierte er Überlegungen zur Bücherei und Musikschule. »Jetzt ist die Zeit, die Reißleine zu ziehen.«

Plädoyers für Vorantreiben des Jugendtreffs

Wilfried Schott (Grüne) war noch angesäuert in Sachen der Ablehnung des von den Grünen angestrebten Bürgerentscheids in Sachen Landesgartenschau (wir berichteten): »Da wischt man über die Bürger einfach hinweg.« Und hier verweise die CSU auf die Bürgermeinung. Er plädiere für ein Weitermachen in Sachen Jugendtreff. UW-Fraktionsvorsitzender Ernst Haider sieht für die Restflächen eher eine gewerbliche Nutzung als aussichtsreich, plädierte aber klar für ein Vorantreiben des Jugendtreffs in dem Objekt.

Stephan Hadulla (Grüne) plädierte für die Fertigstellung der äußeren Hülle und die dann umgehende Unterbringung des Jugendtreffs. SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Bödeker fragte: »Haben wir so viel Geld, das abzureißen? Auch haben wir schon genügend in Planungsleistungen eingebracht. Aber ich bin froh, dass wir endlich etwas für die Jugendlichen machen.«

In der Sachabstimmung wurde die Entscheidung für die Bücherei-Nutzung in der Güterhalle herausgenommen. Mit 16:8 Stimmen entschied man sich, die Entwurfsplanung abzuschließen und dem Stadtrat anschließend zur Entscheidung vorzulegen, wobei gleichzeitig der Ausbauplan zur Restnutzung bis zur endgültigen Klärung der Nutzung auszusetzen sei. Daneben stimmte man mit 21:3 Stimmen zu, das Gesamtkonzept dem Stadtrat spätestens Mitte 2016 vorzulegen. awi