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Nach tödlichem Unfall bei Surberg: Fahrer erhält Bewährungsstrafe

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Foto: FDLnews / AKI

Traunstein – Wegen fahrlässiger Tötung bei einem Unfall musste sich am Donnerstag ein 23-jähriger Mann aus Rumänien vor dem Amtsgericht Traunstein verantworten.


Die beiden Rumänen waren vor dem tragischen Unglück am Abend des 5. April beide sichtlich alkoholisiert bei einem Autohändler in Traunstein, wo sie tags zuvor einen Wagen erworben hatten, aufmarschiert. Der Händler bemerkte den Alkoholgeruch und warnte die beiden vor einer Fahrt unter Alkoholeinfluss. 

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Bester Freund starb auf dem Beifahrersitz

Obwohl sein bester Freund, ein 24-jähriger Rumäne, bei dem Unfall ums Leben kam, hätte der Unfall noch weit schlimmer ausgehen können: Das Auto der beiden geriet kurz vor dem Unfall mit Überschlag noch unkontrolliert auf die Gegenfahrbahn und schrammte haarscharf vor dem Wagen eines Teisendorfer Ehepaars vorbei. Daraufhin überschlug sich der Wagen und krachte rechts neben der Fahrbahn an mehrere Bäume.

Die entgegenkommende Teisendorferin eilte den Verunglückten sofort zu Hilfe, hielt weitere Verkehrsteilnehmer an und veranlasste einen Notruf. Der verständigte Rettungsdienst brachte den schwer verletzten Fahrer, nachdem er von der Feuerwehr aus seinem Wagen befreit worden war, auf eine Intensivstation. Sein Beifahrer starb noch an der Unfallstelle.

Gutachter: Weit über 1,1 Promille und rund 110 Stundenkilometer

Anschließend kam ein Gutachter zu Wort, der dem Gericht genaue Angaben zur Fahruntüchtigkeit des Unfallfahrers lieferte. Rund 1,4 Promille Blutalkohol errechnete der Sachverständige beim Angeklagten, der zudem mit mehr als 110 km/h über die Bundesstraße im Ortsteil Au gerast sei.

Wollte er seinem besten Freund die Schuld am Unfall geben?

Als haltlose Behauptung tat der Staatsanwalt und letztlich auch das Gericht den Einwand des Angeklagten ab, sein Freund hätte ihm bei einem Streit ans Lenkrad gegriffen und damit den Unfall verursacht. Anders betrachtete das Gericht die Tatsache, dass beide Insassen nicht angeschnallt waren. Mit angelegtem Gurt hätte auch der 24-jährige Beifahrer den Unfall möglicherweise überlebt.

Das Urteil

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von 20 Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Genauso lang soll die Führerscheinsperre währen. Sein Verteidiger beantragte, die Haftstrafe solle zur Bewährung ausgesetzt werden. Positiv merkte er dabei dem Angeklagten an, dass er die Beerdigungskosten seines verstorbenen Freundes getragen habe.

Normalerweise kann die Strafe bei fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss nicht zur Bewährung ausgesetzt werden; so schreibe es das Gesetz vor, urteilte Richter Wolfgang Ott. Weil der Verunglückte allerdings ebenfalls nicht angeschnallt war und zudem unter Alkoholeinfluss stand, trage er Mitschuld. Deshalb setzte er die 20-monatige Haftstrafe zur Bewährung aus.

 

Vorbericht:

Bei einem schweren Unfall am Abend des 5. April 2017 krachte ein Auto auf der B304 nahe des Ortsteils Au in Surberg in eine Baumreihe neben der Straße, nachdem es kurz zuvor nur haarscharf an einem entgegenkommenden Fahrzeug vorbeigeschrammt war. Der 24-jährige rumänische Begleiter auf dem Beifahrersitz starb noch an der Unfallstelle, der Fahrer selbst wurde schwer verletzt.

Laut Staatsanwaltschaft war ein Blutalkoholspiegel von deutlich über einem Promille unter anderem ein Hauptgrund für die Unfallursache. Auch Drogen soll der damals 22-Jährige zuvor konsumiert haben, geht aus der Anklage hervor.

Ob auch überhöhte Geschwindigkeit Grund für den Kontrollverlust in der Linkskurve gewesen ist, wird sich im Laufe der Gerichtsverfahrens, das heute um 9 Uhr beginnt, zeigen müssen.

Bilder des tödlichen Unfalls bei Au:

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