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Nach Sturz Lebenstraum geplatzt

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Traunstein – Nach einem Sturz bei Schneefall auf eisglatter, angeblich nicht ausreichend geräumter Straße in Bad Reichenhall platzte für einen verletzten 44-jährigen Angestellten der Lebenstraum vom guten Job bei der Mozartkugel-Firma Reber und vom Wohnen in der Kurstadt. Der Familienvater klagt jetzt gegen die Stadt Bad Reichenhall vor der Siebten Zivilkammer am Landgericht Traunstein. Er will mit Hilfe seiner Anwältin Verena Grohs aus Bayreuth 20 000 Euro Schmerzensgeld sowie Schadensersatz einschließlich künftigem Verdienstausfall von etwa 100 000 Euro erreichen. Der Prozess wird am Montag, 13. Juni, mit weiteren Zeugen fortgesetzt.


Der Beklagtenvertreter, Dr. Stefan Gilch aus Traunstein, lehnte gestern seitens der Kommune und deren Versicherer, der Bayerischen Versicherungskammer, jede Zahlung ab. Die Voraussetzungen für eine umfangreiche Räum- und Streupflicht seien nicht vorgelegen, die Mitarbeiter hätten die Lage ausreichend geprüft. Damit war eine gütliche Einigung gestern vom Tisch.

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Der Kläger, inzwischen bei Bayreuth ansässig, hatte am 1. Oktober 2013 eine neue berufliche Aufgabe in der Verwaltung der Firma Reber angetreten. Gut sieben Wochen später passierte der Unfall. Der 44-Jährige wollte – wie in den Wochen zuvor – am 26. November 2013 gegen 7.20 Uhr die zehn Minuten zu Fuß über den Holzfeldweg und durch eine Unterführung in Richtung Innenstadt zum Büro gehen. Nach etwa 30 Metern auf dem städtischen Holzfeldweg rutschte der Kläger aus – seiner Vermutung nach auf einer Eisplatte, die unter zwei bis drei Zentimetern Neuschnee verborgen war.

»Ich bin nie schmerzfrei«

Die Diagnose: »Trümmerbruch mit Gelenkbeteiligung«. Eine Operation war unumgänglich. Ein langer Leidensweg begann. Spezialisten stellten bei dem 44-Jährigen das noch wenig erforschte »komplexe regionale Schmerzsyndrom« (CRPS) fest. Der Beklagtenanwalt fragte den Kläger gestern, warum er den Unfall vom November 2013 erst im Mai 2015 gemeldet habe. Der 44-Jährige erklärte: »Erst dachte ich an ein paar Wochen Gips, aber nicht an so massive und andauernde Folgen.« Er sei nie schmerzfrei, könne nicht mehr Vollzeit arbeiten. Sollte sich in den nächsten zwei Jahren nichts positiv verändern, würden die Schmerzen wohl bleiben, prognostizieren Ärzte.

Neben der Ehefrau des 44-Jährigen sagten gestern noch fünf Zeugen aus. Mit einem Packen Papier aus Räum- und Streuplänen trat etwa der Bauhofleiter in den Zeugenstand. Am 26. November 2013 sei nachts Schnee gefallen. Das habe den »ersten Volleinsatz mit allen Kräften« nach sich gezogen. Der Holzfeldweg sei zwischen 5.45 und 6.30 Uhr geräumt worden, Splitt sei dort aber erst gegen 10 Uhr gestreut worden. In der Früh sei nämlich die Streuvorrichtung defekt gewesen. kd