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Nach der Flutwelle kommt Welle der Hilfsbereitschaft

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Heimische Wasserwachtler sind zurzeit im Hochwassereinsatz in Niederbayern. Nachdem die schlimmsten heimischen Schäden nach Angaben der beteiligten Helfer bereits beseitigt sind, wird da geholfen, wo dies dringend benötigt wird. (Foto: BRK)

Nach der Flutwelle kommt die Welle der Hilfsbereitschaft. Einige heimische Helfer wurden an die Brennpunkte der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern entsandt, andere sitzen noch auf gepackten Koffern und sind in Alarmbereitschaft. Währenddessen kämpfen die Opfer der Katastrophe in der heimischen Region und im benachbarten Tirol bereits mit der Bewältigung der Schäden.


Allein im Landkreis Traunstein wurden nach Angaben des Landratsamts rund 1000 Wohngebäude in Mitleidenschaft gezogen. In einer ersten vorsichtigen Schätzung geht die Behörde alleine hier von einem Sachschaden von rund drei Millionen Euro aus. »Fest steht jedoch, dass viele Menschen und Familien am Rand ihrer wirtschaftlichen Existenz stehen«, heißt es in einer Pressemitteilung. Deshalb appelliert Landrat Hermann Steinmaßl an die Solidarität der Landkreisbürger mit den Betroffenen und hat ein Spendenkonto einrichten lassen (siehe Kasten).

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Feuerwehren im Landkreis nur noch bei Nacharbeiten

Tausende freiwillige Helfer haben im Zuge der Katastrophe bis zur Erschöpfung gearbeitet, um den Betroffenen zu helfen, zum Teil tun sie es noch. Die Feuerwehren seien inzwischen meist nur noch mit Nacharbeiten beschäftigt, berichtete Feuerwehr-Pressesprecher Peter Volk gestern auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Die meisten Keller seien bereits ausgepumpt: »Heut war's schon ruhiger«.

Am Dienstag seien die Feuerwehren dagegen noch den ganzen Tag im Einsatz gewesen, vor allem im Achental und nördlich des Chiemsees in Chieming und Seebruck. Am Mittwoch sei die Feuerwehr Übersee noch den ganzen Tag mit einem aufgeschwemmten Ölheizkessel beschäftigt gewesen. »Da mussten 20 000 Liter Heizöl abgesaugt und nach Litzlwalchen gebracht werden. Dort wird das Öl vom Wasser getrennt. In der vergangenen Nacht sei sein Piepser zum ersten Mal seit Samstagabend weitgehend ruhig geblieben.

Krisenintervention für Opfer der Hochwasserkatastrophe

In seiner Funktion als Geschäftsführer der Malteser in Traunstein sagte Volk, neben der Evakuierung und Betreuung der Asylbewerber in Grassau seien zuletzt am Dienstag drei Helfer des Kriseninterventionsteams in Freilassing zur Ablösung der BRK-Kollegen gewesen. »Die begleiten jetzt die Leute, die in ihre, zum Teil völlig verwüsteten Häuser, zurückgehen. Da geht es etwa um Informationen, wie's jetzt weiter geht, aber schon auch um psychische Betreuung.«

Bei den Traunsteiner Maltesern gab es bisher relativ wenig Anfragen nach Hilfe, aber »im Landkreis sind wir ja relativ gut weggekommen, wenn man sich das in Niederbayern anschaut.« Derzeit seien deshalb auch die Traunsteiner Malteser in Bereitschaft, falls sie in Deggendorf oder Straubing gebraucht werden. »Wir sitzen praktisch auf gepackten Koffern.«

Auch die neun Schnelleinsatzgruppen (SEG) des Roten Kreuzes im Landkreis Traunstein mit rund 200 ehrenamtlichen Helfern sind in Alarmbereitschaft. »Aktuell sind fünf Leute von Straubing nach Deggendorf beordert worden, zwei werden heute abgelöst«, erklärte BRK-Kreisgeschäftsführer Kurt Stemmer, und das, obwohl heimische Wasserwachten (Seebruck, Chieming, Übersee, Taching und Tettenhausen) selbst von dem Hochwasser betroffen waren. Die Tachinger Wasserwacht etwa habe mit einem Boot gar nicht mehr ausrücken können. Die Wasserwachthäuser seien zum Teil derart beschädigt, dass der BRK-Kreisverband nun selbst Spenden sammle, um die Einsatzbereitschaft zu erhalten (siehe Kasten).

Die beiden SEGn der Wasserwacht aus dem Berchtesgadener Land, die am Dienstagnachmittag als Teil des Wasserrettungszugs Oberbayern zur Katastrophenhilfe nach Niederbayern verlegt wurden und Einsatzkräfte der Bergwachten im Chiemgau waren ohne Ruhepause im Einsatz und wurden am Mittwoch von einer zweiten Mannschaft aus der Heimat in Plattling abgelöst.

Schlamm beseitigen und aufräumen müssen auch noch etliche Hochwasseropfer in Kössen im benachbarten Tirol, wo etwa 500 Häuser völlig überflutet wurden. Auch aus Schleching, Oberwössen und Reit im Winkl haben sich Freiwillige gemeldet. »Mein Mann fährt da Lebensmittel runter, meine Tochter Anja auch. Die ist 24 und hat selbst zwei Kinder, aber das ist eine ganze Clique von jungen Leuten, die da helfen«, berichtet unsere Leserin Manuella Streiber aus Oberwössen. »Ich bin wirklich beeindruckt von diesem Engagement. Da hat eine junge Frau bei facebook zur Mithilfe aufgerufen, und jetzt haben die sich alle extra freigenommen und bringen auf eigene Kosten Lebensmittel hin und helfen beim Aufräumen.«

Auch Kössen braucht dringend Hilfe

In Reit im Winkl informierte die Gemeindeverwaltung, wie man gezielt in Kössen helfen kann. Demnach werden vor allem Helfer mit handwerklichem Geschick gebraucht, ebenso Traktoren und Motorsägen. Helfer und die Menschen in den Notunterkünften wären auch dankbar um Lebensmittelspenden, die an der Turnhalle an der Schule in Kössen oder im Rathaus Reit im Winkl abgegeben werden können.

»Bislang sind schon einige größere Geldspenden eingegangen«, erklärt Reit im Winkls Bürgermeister Josef Heigenhauser, der sich in Kössen ein Bild vom Ausmaß des Hochwassers gemacht hat. Die dortige Koordinatorin Leni Planer ist dankbar: »Bei all den furchtbaren Schäden: Diese Hilfswelle zeigt uns auch, dass man die Kössener bei uns, aber auch in Bayern offenbar recht gerne hat«, sagt sie mit dem Anflug eines Lächelns. coho/ost

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