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»Nach dem Fasching ist vor dem Fasching«

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So klein und schon so professionell – 19 Kinder gehören derzeit zur Kindergarde der Veitsgroma Zunft. Das jüngste ist gerade mal drei Jahre alt. (Foto: Buthke)

Traunstein – Atemberaubende Tanzvorführungen in farbenfrohen Kostümen – dafür stehen neben vielen anderen auch die Faschingsfreunde der Veitsgroma Zunft Traunstein. Doch bis es soweit ist, sind unzählige Stunden der Vorbereitung notwendig, ob im Ausschuss, der das Motto festlegt, im Fanfarenzug oder in den Garden selbst, die schon lange vor dem Fasching mit den Proben beginnen. Das Traunsteiner Tagblatt durfte einmal hinter die Kulissen blicken und sprach mit der Zweiten Präsidentin des 260 Mitglieder starken Vereins, Marietta Lapper, und der Vereinsschneiderin Andrea Linhuber.


Im Ausschuss werden Musik und Gewand festgelegt

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»Nach dem Fasching ist vor dem Fasching«, sagt Marietta Lapper. Denn bis das Programm steht, gibt es jede Menge zu tun. So werden das ganze Jahr über Ideen gesammelt. Jede der Garden – die Veitsgroma Zunft hat eine Kindergarde, eine Jugendgarde, eine »richtige Garde« und die Powerfrauen – sucht sich ihre Tänze selbst aus. Dann gibt es Ausschusssitzungen. »In dem Ausschuss ist von jeder Gruppe ein Vertreter, da werden dann die Musik und die Kleidung festgelegt.«

Ein Prinzenpaar gibt es bei der Veitsgroma Zunft schon länger nicht mehr. »Das ist nicht so einfach, jemanden zu finden. Die Lust am Fasching ist generell nicht mehr so wie früher«, sagt Lapper. Problem sei auch, dass die Jugend noch nicht 18 Jahre alt sei – wegen des Fahrens zu den Auftritten, aber auch wegen der Auftritte, die doch manchmal länger dauern. »Das Gewand wird ja gestellt, gut, für den Sprit fällt noch etwas an. Aber wenn wir weiter fahren, fahren wir eh mit dem Bus.«

19 Mädchen sind derzeit in der Kindergarde aktiv, das Jüngste ist gerade mal drei Jahre alt. »Ihre große Schwester ist auch bei der Garde, die ist schon sieben«, erklärt Lapper. Geleitet wird die Kindergarde von ihrer Tochter Barbara, die selbst als Kind angefangen hat, und deren fünfjährige Tochter Christina auch mittanzt. Neun Jugendliche tanzen heuer für die Jugendgarde, darunter zwei junge Männer.

Auch Lappers Sohn Matthias ist aktiv im Verein, als Trommler beim Fanfarenzug und neuerdings verführerische Blondine im Männerballett. Die eigentliche Garde hat zurzeit nur noch sechs Tänzerinnen – »ein paar mussten aufhören, zum Teil arbeiten sie im Schichtdienst oder haben eine Lehre begonnen«, erklärt Lapper. Und dann sind da noch die derzeit acht Powerfrauen unter der Leitung von Veitsgroma-Präsidentin Sonja Preisach, zu denen auch Marietta Lapper gehört.

Im Gegensatz zu anderen Vereinen setzt die Veitsgroma Zunft bei der Gestaltung ihrer Kostüme auf professionelle Hilfe – auch wenn nicht jede Garde jedes Jahr neu eingekleidet wird. »Am Aschermittwoch sind die Kostüme gewaschen abzugeben. Die werden dann in einem Raum in der Musikschule bis zur nächsten Saison aufgehoben und zum Teil nur überarbeitet«, so Lapper.

»Manchmal heißt es auch, lass dir mal was einfallen«

Andrea Linhuber aus Amerang kümmert sich schon seit 14 Jahren darum, dass bei den Auftritten alles sitzt und passt. Als Schneidermeisterin entwirft sie die Schnittmuster selbst. »Manchmal hat die Garde schon ein fertiges Bild im Kopf, das ich dann nur noch umsetzen muss, manchmal heißt es auch, lass dir mal was einfallen«, sagt sie. Das ist meist schon in den Osterferien, spätestens aber in den Pfingstferien.

Meist in den Sommerferien geht es an die Suche nach den passenden Stoffen, die Vereinsfarben gelb, rot und grün werden bevorzugt. »Die sollten schon drin sein«, erklärt Linhuber. Weil die Stoffe mehr aushalten müssen, als etwa billige Faschingsstoffe für Kinderkostüme, kauft sie gern bei Firmen, die auch den Tanzsport beliefern. »Sie müssen elastisch sein, aber doch eine gewisse Festigkeit haben, damit sie nicht gleich ausleiern.« Und beim Großhandel »krieg ich auch schon mal 30, 40 Meter Stoff in der gleichen Farbe.«

Die Stoffe müssen farbecht sein und gut waschbar, denn zu den rund 30 Auftritten pro Saison kommen auch noch die Trainingseinheiten. Wenn die Stoffmuster da sind, zeichnet sie Entwürfe und näht ein Modell zum Anschauen. Dabei passt sie den Schnitt so lange an, bis er Gefallen findet.

»Wenn's im Oktober fertig ist, passt's im Februar nicht mehr«

Linhuber fährt auch zu den Trainingsterminen, um im Echteinsatz zu sehen, was noch geändert werden muss. »Ganz zum Schluss kommen die Verzierungen. Fertig sind die Kostüme erst um Weihnachten/Silvester rum«, erklärt sie, »denn wenn's im Oktober fertig ist, passt das Gewand im Januar nicht mehr; zum Teil, weil elastische Stoffe mit der Zeit nachgeben, zum Teil, weil manche Tänzerinnen im Lauf der Saison noch ein bisschen abnehmen. »Aber solange am Ende alles rechtzeitig fertig wird, ist das egal.«

Wer Fanfarenzug und Garden bewundern will, hat noch bei zahlreichen Terminen Gelegenheit dazu: gleich am Samstag ab 20 Uhr beim Showtanzabend im Trostberger Postsaal, am Sonntag, 1. Februar, ab 14  Uhr im Poststall in Teisendorf, am Samstag, 7. Februar, ab 20 Uhr beim So-Halunke-Ball in Waging, am Ruaßigen Freitag, 13. Februar, um 20 Uhr beim Blau-Weiß-Ball beim Jobst in Rettenbach und die Kindergarde am TVT-Kinderfasching am Faschingssonntag, 15. Februar, ab 14 Uhr in der Franz-Eyrich-Halle.

Außerdem stürmen die Aktiven der Veitsgroma Zunft am Unsinnigen Donnerstag um 15.30 Uhr das Traunsteiner Rathaus. Am Faschingssamstag veranstalten sie den Traunsteiner Faschingszug mit anschließender Zeltparty am Stadtplatz – »hierfür suchen wir dringend noch Zeichenverkäufer«, nehmen am Faschingssonntag am Faschingszug in Teisendorf teil und am Faschingsdienstag am Faschingszug in Waging. Wer jetzt Lust bekommen hat, mitzutanzen, der kann sich wenden an Präsidentin Sonja Preisach, Telefon 08621/50 87 22, oder Marietta Lapper, Telefon 08681/869. coho

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