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Nach dem Chiemsee Summer bleiben die Müllberge

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Jetzt ist erst einmal Aufräumen angesagt: Nach der Abreise der Festival-Besucher blieb auf den Campingflächen jede Menge Müll liegen. Zwischen den Zelten, die viele nicht mit nach Hause nehmen wollten, lagen zum Teil auch noch Lebensmittel. (Fotos: Artes)
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Mit Shuttle-Bussen wurden die Festival-Besucher von den Campingplätzen zum Bahnhof gebracht. Die meisten waren froh, endlich nach Hause zu kommen.

Übersee. Wenn man am Montag über das Festivalgelände in Übersee ging, wo in den vergangenen Tagen der Chiemsee Summer stattfand, sah man vor allem das: müde Gesichter der Besucher und Müllberge.


Wenn 35 000 Leute feiern, bleibt so einiges auf dem Gelände liegen, vor allem jede Menge Müll. Durch das nasse Wetter der letzten Tage waren die Zelte aufgeweicht und dreckig. Die einfachste Variante war daher für viele Festival-Gäste, diese und den Müll einfach liegen zu lassen. Aber auch Lebensmittel lagen auf den Campingflächen herum – zum Teil sogar noch originalverpackt! Außerdem fand man Pavillons, Schlafsäcke, Isomatten Campingstühle und Tische. Wer eine Campingausrüstung wollte, hatte freie Auswahl.

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So wie Dagmar Hunklinger aus Traunstein. Sie ist extra nach Übersee gefahren, um einen Pavillon für den Gnadenhof in Sondermoning zu holen, bei dem sie sich ehrenamtlich engagiert. »Wir leben von Spenden und hier liegt das Zeug einfach so herum«, berichtete sie gegenüber unserer Zeitung. Gefunden hat sie zwar keinen, dafür hat sie in mehreren Plastiksäcken jede Menge Pfandflaschen zusammengesammelt. »Die werde ich dann zurückbringen und das Geld kommt auch den Tieren zugute«, so Dagmar Hunklinger.

Da das Geld im wahrsten Sinne des Wortes auf den Wiesen lag, waren viele Pfandsammler auf das Festival-Gelände gekommen. Ein Mann aus Übersee war etwa seit sieben Uhr in der Früh unterwegs und sammelte die Flaschen ein. Die erste Ladung – vier Säcke – hatte er schon weggebracht, dann machte er sich erneut auf den Weg zu den Campingflächen und drehte noch eine weitere Runde. Circa 500 Flaschen werden es wohl insgesamt sein, macht einen Verdienst von 125 Euro. »Wenn man frei hat, so wie ich, ist das bezahltes Spazierengehen«, sagte er mit einem Grinsen im Gesicht.

Schaut man hingegen in die Gesichter der Festival-Besucher, so sieht man vor allem Müdigkeit. Die meisten sind nur noch froh, nach Hause zu fahren. Eine Festival-Besucherin aus Bayreuth freut sich vor allem »auf eine Dusche und ein richtiges Klo«. Sie war seit Donnerstag in Übersee – genau so lange hat sie nicht mehr geduscht. Trotzdem hat es ihr sehr gut gefallen und sie möchte wieder kommen. »Mit der richtigen Ausrüstung geht das«, sagte sie. Drei junge Camper aus Augsburg »brauchen so schnell kein Festival mehr«. Sie hatten am Montag noch eine rund dreistündige Heimreise vor sich. »Wir freuen uns vor allem auf gutes Essen und ein richtiges Bett«, erzählten sie übereinstimmend. Bevor es in Richtung Bahnhof ging, brachten sie ihren Müll zurück. Da erhielten sie dann auch das Müllpfand in Höhe von fünf Euro, das der Veranstalter von jedem Besucher kassierte, um die Aufräumarbeiten zu finanzieren.

»Aufräumen muss zunächst der Veranstalter«, berichtete Max Posselt von der Gemeindeverwaltung in Übersee. »Es wird von außen nach innen gesäubert«, so Posselt. Zunächst werden die öffentlichen Flächen wie der Bahnhof und Parkplätze in Übersee aufgeräumt, dann das Festivalgelände. Auf den Wiesen und Campingflächen sind jetzt schon viele Helfer, zum Beispiel vom Maschinenring Traunstein mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. »Wir hoffen, dass das in den nächsten ein bis zwei Tagen erledigt ist«, berichtet er weiter. Er hofft, dass bis Freitag auch die Staatsstraße wieder freigegeben werden kann. Bis die Wiesen wieder grün sind, dauert es noch länger. Diese werden umgeackert. Die Landwirte wurden für die Bereitstellung entschädigt. »Und in sechs Wochen sieht man dann gar nichts mehr«, so Posselt. Der nächste Chiemsee Summer kann also kommen... jar

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