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Nach 50 Jahren wieder Primiz in Otting gefeiert

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Pater Johannes spendete im Anschluss an den Gottesdienst in der Ottinger Pfarrkirche den Primizsegen. (Foto: H. Eder)

Waging am See. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Ottinger Pfarrkirche am Allerheiligentag. Anlass war die Nachprimiz von Pater Johannes Hauck, dessen Mutter Hildegard aus der Pfarrei stammt. Schließlich hatten die Ottinger ja auch exakt 50 Jahre warten müssen seit der letzten Primiz: Das war im Jahr 1963 Franz Sturm aus Dieperting gewesen. Mit einem feierlichen Gottesdienst, der mit dem Primiz-Einzelsegen für alle Gottesdienstbesucher ausklang, wurde dieses seltene kirchliche Ereignis dann gemeinsam gefeiert.


Standesgemäß war da bereits vor dem Gottesdienst die Blaskapelle Jung-Otting parat gestanden und hatte den frisch geweihten Priester zusammen mit den Ortsvereinen und dem liturgischen Dienst in die Kirche begleitet. Auch die Messfeier selbst wurde, neben der Orgel, wesentlich von Blasmusikklängen gestaltet.

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Zunächst begrüßte Pfarrer Andreas Ager die Gemeinde und Pater Johannes, der »ein echter Benediktiner« sei, allerdings nach byzantinischem Ritus, daher der Bart und die langen Haare, wie der Pfarrer erläuterte. Er verwies auch auf die reiche Ordenstradition in der Pfarrei Otting: Viele Ordensleute seien aus der Pfarrei hervorgegangen.

Pater Johannes selbst begrüßte gut gelaunt die vielen Gottesdienstbesucher und meinte, gerade der Allerheiligentag sei ein passender Termin für seine Nachprimiz, »bin ich doch, solang ich denken kann, so gut wie jedes Jahr mit meiner Familie nach Otting gekommen auf das Grab der Verwandten«.

Er freue sich sehr, hier zu sein in der Pfarrei Otting, einem Ort, der gerade mal acht Jahre jünger sei als das Kloster Niederaltaich in Niederbayern, in dem er zu Hause ist, also einem Platz mit reicher Tradition.

Es gebe zwei Sorten von Heiligen, so der Pater in seiner Predigt zum Allerheiligentag: diejenigen, die heiliggesprochen sind und so als leuchtende Vorbilder für andere dienen, und diejenigen, die unerkannt in der Welt ganz schlicht ihre Aufgabe erfüllt haben: »Wir brauchen beide«, betonte Pater Johannes, »und heute gedenken wir aller«. Dabei müsse man den Begriff »heilig« gar nicht zu hoch ansetzen, so habe etwa Paulus in seinen Briefen die Mitglieder der jeweiligen Gemeinden als »Heilige« bezeichnet. »Heilig ist«, so Pater Johannes, »wer sein Leben mit Gott lebt, wer die Gnade der Taufe in seinem Leben entfaltet, sich für den Geist Gottes öffnet und ihm Raum gibt in seinem Leben«.

Das sei das Beste, was einem Menschen passieren könne. Man müsse deswegen nicht gleich perfekt sein, so der Neupriester weiter. Aber man sollte sich, ganz im Sinn der Seligpreisungen aus den Lesungen des Tages, in kleinen Schritten um Gewaltlosigkeit, Barmherzigkeit und Friedensstiftung bemühen. Denn, so betonte Pater Johannes, »auf die Liebe Gottes kann man nur mit Liebe antworten«.

Nach dem Gottesdienst stellten sich die Vereine und alle Angehörigen der Schweigerfamilie aus Mayerhofen zu einem kleinen Festzug auf und zogen gemeinsam zum Oberwirt, wo der Tag mit einem gemeinsamen Weißwurstfrühstück ausklang. he