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Nach 35 Jahren endet eine Ära

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Ganz bewusst genießt Ulrich Rumpel die letzten Tage in seiner Buchhandlung und freut sich über jedes Gespräch mit seinen Kunden. Unterstützung beim Räumungsverkauf erhält der 69-Jährige von seiner Frau Helena. (Foto: Poschinger)

Traunstein. »Wo gehen wir denn jetzt in Zukunft hin?« Viele Stammkunden von Buchhändler Ulrich Rumpel können es noch nicht begreifen. Zum Jahresende schließt der kleine Laden an der Scheibenstraße nach 35 Jahren seine Türen. Rumpel hört auf – und das, obwohl er eigentlich nicht will, doch seine gesundheitlichen Probleme und die Konkurrenz durch das Internet lassen ihm keine andere Wahl.


Viel los ist in diesen Tagen in den verwinkelten Räumen in der Unteren Stadt. Besucher des Räumungsverkaufs suchen auf den knapp 100 Quadratmetern nach Schnäppchen unter den 18 000 Büchern. Doch das Sortiment von Ulrich Rumpel ist ein Besonderes – »und auch ein sehr Persönliches«.

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Verschwörungsliteratur als Markenzeichen

Zwar finden sich neben Belletristik und Kinderbüchern unter anderem auch Reiseführer in seinem Laden, doch das Herz des 69-Jährigen schlägt für die Sachliteratur – von Politik bis zur Philosophie und besonders für die Verschwörungstheorien.

Dass diese Auswahl nur einen bestimmten Kreis an Kunden anspricht, das war Rumpel, dem linksorientierten Alt-68er, von Anfang an klar. Doch mit der Eröffnung des Buchladens 1978 erfüllte sich der studierte Germanist, Politikwissenschaftler und Philosoph einen Lebenstraum. Auch wenn dies »mitten in der Provinz« und an einer für einen Buchladen denkbar ungünstigen Stelle passierte. Sein Antrieb war die Liebe zur Literatur, nicht die Zahl der Verkäufe. »Ich bin kein Kaufmann und das hat mich auch nie interessiert«, erzählt der gebürtige Koblenzer, der heute in Bergen lebt. Zum Überleben hat es trotzdem gereicht, auch wenn ab und an Ehefrau Helena mit ihrem Lehrergehalt einspringen musste.

Viel wichtiger als das Geld waren Rumpel in all den Jahren die langen Gespräche mit seinen Kunden, egal ob Jung oder Alt. Vor allem aktuelle und ehemalige Schüler des nahe gelegenen Chiemgau-Gymnasiums, von vielen auch »Rumpel-Schule« genannt, und Intellektuelle aus der Region zog es immer wieder in den Buchladen, der in den letzten 35 Jahren sein Aussehen kaum veränderte. Lediglich moderne Kleinigkeiten wie ein neuer Laptop und ein elektrischer Heizer hielten Einzug. Ganz dem Motto nach: »Niemals dem Zeitgeist Tribut zollen!«

Einem Nachfolger zum Verkauf anbieten wollte Rumpel seinen Laden nicht. »Dafür ist die Lage doch viel zu abgelegen und renovieren müsste man auch einiges«, so der 69-Jährige. Stattdessen hat er bereits andere Pläne für seine Zeit als Rentner. Die Räume an der Scheibenstraße will er zum einen als Büro behalten und zum anderen dort einen Studienkreis aus dem Kern seiner Stammkunden einrichten. »Man muss die Kontakte doch weiter pflegen«, so Rumpel. Einen Teil seiner Bücher will er ebenfalls behalten. »Es wird eine kleine Bibliothek, um auch mal etwas nachzuschlagen.«

Damit wird Ulrich Rumpel auch nach der Schließung seines Buchladens nicht aus dem Stadtgeschehen wegzudenken sein. apo