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Musikkapelle wurde beim Bezirksmusikfest »getauft«

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Die Musikkapelle Nußdorf wurde beim Bezirksmusikfest symbolisch getauft. Unser Bild zeigt (von links) Andreas Wimmer, Vorsitzender der Musikkapelle Nußdorf, Staatsminister Marcel Huber und Pfarrer Ionel Anghel. (Fotos: Volk)

Nußdorf – Beinahe 2000 Musiker, die in einem Gemeinschaftsspiel die Bayern-Hymne spielen, der Musikantengruß, bei dem alle ihre Musikinstrumente in die Höhe strecken, ein Festzug durch das Dorf, beklatscht von vielen Hundert Zuschauern und von Blasmusik erfüllte Luft von frühmorgens bis zum späten Nachmittag – das waren die Höhepunkte des Bezirksmusikfestes des Chiem- und Rupertigaus, das zusammen mit dem Gründungsfest der Musikkapelle Nußdorf gefeiert wurde.


Vor dreieinhalb Jahren, im Dezember 2012, wurde die Musikkapelle Nußdorf im Chiemgau gegründet. Wenige Monate später wurde der junge Musikverein von Robert Koch, 1. Vorsitzender des Bezirksmusikbundes gefragt, ob er zusammen mit dem Gründungsfest das 49. Bezirksmusikfest ausrichten würde. Die ambitionierte Vorstandschaft sagte »Ja« und so wurde das Musikfest in den letzten fünf Tagen in Nußdorf gebührend gefeiert.

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»Wie die Geburt eines Kindes...«

»Wie die Geburt eines Kindes ein Ereignis neuen Lebens ist und gefeiert wird, so auch die Gründung eines Musikvereins«, betonte Pfarrer Ionel Anghel in seiner Ansprache beim Festgottesdienst, der auf einem Freialtar neben der Pfarrkirche St. Laurentius stattfand. Und wie ein Kind getauft wird, so auch die Musikkapelle. Dass er die Taufe des jüngsten Nußdorfer Vereins durchführen dürfe, freue ihn ganz besonders, denn Taufen sei für ihn als Seelsorger eine der Lieblingstätigkeiten. Die Vorstandschaft habe sich für das große Fest in Bürgermeister Hans Gnadl nicht nur einen Schirmherrn gesucht, sondern auch einen Taufpaten.

Staatsminister Marcel Huber als Göd

Als Göd kam Staatsminister Marcel Huber nach Nußdorf, zugleich Präsident des Musikbundes für Ober- und Niederbayern. Beim Festgottesdienst forderte ihn Pfarrer Anghel auf, seine Hand auf die Schulter von Andreas Wimmer, 1. Vorsitzenden der Musikkapelle, zu legen. Symbolisch sei so die Taufe des Musikvereins vollzogen. Er segnete den neuen Verein und deren Mitglieder, »der Schwung in die Gemeinde bringt, schön laut ist und Jung und Alt miteinander verbindet«, so der Seelsorger. Der Verein möge ein Segen sein, der die Freude der Musik zu den Menschen bringt und als Gemeinschaft zusammenhält, wünschte Pfarrer Anghel.

Bei seiner eingängigen und mit Applaus belohnten Predigt zählte der Pfarrer die vielen positiven Eigenschaften des neuen Musikvereins auf, die ihm quasi in den Namen »Nußdorf« geschrieben sind, wie N für »nüchtern«, oder falls nicht uneingeschränkt erfüllbar für »narrisch gut«. U für »urig«, S für »schlau« und »schüchtern«, D für »düchtig« – fränkisch ausgesprochen. O stehe für »Ovationen« beim Musizieren, R für »resolut« – in ihrer Würde selbstbewusst und F für »fromm«. Der Glaube sei wichtig für einen Verein, das habe die Musikkapelle schon vielfach bewiesen, lobte Pfarrer Anghel, zum Beispiel damit, dass sie viele kirchliche Feste, von Firmung bis zum Pfarrfest musikalisch gestaltet. Den neuen Verein zu taufen, sei die Konsequenz der »Frömmigkeit des Vereins« gewesen, so der Pfarrer.

Der Festgottesdienst wurde von der Festkapelle Nußdorf mit Stücken umrahmt, die Kapellmeister Elmar Walter eigens für den Gottesdienst komponiert hatte.

In den Grußworten nach Ende des Gottesdienstes zeigte sich Bürgermeister Hans Gnadl stolz, einen aktiven Verein in der Gemeinde zu haben, der in kürzester Zeit sehr viel auf die Füße gestellt hat, die Jugend intensiv fördere und gleich auch das Bezirksmusikfest ausrichtet.

»Nicht nur Asche bewahren, sondern Glut weitertragen«

Musikbund-Präsident und »Taufpate« Marcel Huber betonte, Tradition bedeute nicht nur »Asche bewahren«, sondern auch »Glut weitertragen«. »Tradition muss leben, ist etwas Aktives, bedeutet Arbeit, aber auch viel Freude«, so Huber. Die neu gegründete Musikkapelle Nußdorf sei das beste Beispiel für »aktive, moderne Tradition«. Huber sagte, er könne nicht umhin, trotz des schönen Musikfestes, an die Menschen im nur 50 Kilometer entfernten Hochwasser-Katastrophengebiet zu erinnern, an die Toten und die Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. »Eine solche Jahrtausend-Katastrophe hätte auch überall anders in Bayern passieren können.« Deshalb bat er, in Gedanken auch bei den betroffenen Menschen im südlichen Niederbayern zu sein.

Robert Koch, Vorsitzender des Musikbundes für den Chiem- und Rupertigau, freute sich über das neue und jüngste Mitglied des Bezirks. Nach einer kurzen Durststrecke von zwei Jahren, in denen es kein Bezirksmusikfest gab, sei es eine große Freude, dass die Nußdorfer die Ausrichtung übernommen haben. »Wenn man wartet bis etwas passiert, passiert nichts« – die Nußdorfer hätten eine ganz andere Einstellung, hohe Motivation, für die Koch dankte und zum gelungenen Fest gratulierte. Dem schloss sich Andreas Danzer, stellvertretender Landrat, in seinem Grußwort an.

Im Gemeinschaftsspiel aller rund 2000 Musiker wurden zwei Stücke gespielt, dirigiert von Bezirksdirigent Wolfgang Nobis und Theresa Maier, Vize-Dirigentin der Musikkapelle Nußdorf. Nach der Bayernhymne, bei der Dr. Elmar Walter, Dirigent der Nußdorfer Musikkapelle auf dem Podest stand, reckten die Musikanten ihre Instrumente zum Gruß in die Höhe.

Danach machte sich der Festzug auf den Weg durch das Dorf. 45 Kapellen aus dem Chiem- und Rupertigau und die weit angereisten Kapellen aus Nußdorf am Attersee und Nußdorf am Bodensee begeisterten beim Marschieren und Musizieren die mehrere Hundert Zuschauer an den Straßenrändern und ernteten dafür vielfach Applaus. Dabei wurden die Mühen der perfekten Organisation des Festes auch damit belohnt, dass es fast bis zum Ende des Festzuges trocken blieb und nur am Schluss ein wenig regnete. Das Bezirksmusikfest klang im Festzelt mit einem Mittagskonzert, dem Ehrenspiel verschiedener Kapellen sowie einem gemütlichen Beisammensein aus, zu dem die Weißbier-Musi aus Anger spielte. pv.