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»Musik ist halt unser Leben«

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Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin:  die  »3 Z’widern«  mit  dem damals noch jungen Thomas Gottschalk. (Foto: Repro Aßmann)

Taching am See – Wo sie auftreten, verbreitet sich innerhalb kürzester Zeit ausgelassene Stimmung. Dabei erweckt ihr Name zunächst alles andere, als Frohsinn und Heiterkeit. Die »3 Z’widern« aus Taching gehören zur Crème de la Crème der bayerischen Volksmusik – und das seit bald 40 Jahren.


Die beiden Gründungsmitglieder, Hans Schuster und Helmut Patermann, sind der Musik seit ihrer Jugend eng verbunden. Die beiden Vollblutmusiker beherrschen gemeinsam knapp 20 Instrumente – vom Akkordeon bis zur Zither, vom E-Bass bis zum Saxofon. Bei der Band »First Mountains« lernten sich die beiden Männer 1973 kennen. »Wir haben von der Hochzeitsmusik bis zur modernen Tanzmusik alles gespielt«, erinnert sich Hans Schuster.

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Alle Musikgruppen nannten sich »Die Lustigen«

Bei einem Frühschoppen im Freien vor mehr als 500 Gästen schlug schließlich die Geburtsstunde der »Z’widern«: »Das war 1978 in Staudach-Egerndach. »Wir hatten zur Verstärkung Georg Eder als Gitarrist mitgenommen«, berichtet Schuster. Nach dem ersten Musikstück wollte er die Besucher begrüßen – doch es fehlte der Bandname. »Spontan sprudelte es aus mir heraus: 'Grüß Gott, es spielen heute für euch die 3 Zwidern'. Der Hintergedanke war, dass sich zu dieser Zeit alle Musikgruppen ´Die Lustigen ….’ nannten. Und weil uns kein besserer Name eingefallen ist, sind wir halt dabei geblieben«, schildert der 67-Jährige schmunzelnd.

Der Erfolg der »3 Z’widern« sprach sich schnell herum. 1982 produzierte das Trio auf eigene Rechnung eine Musikkassette mit ihren Liedern. Hubert Pirschner, ein Bekannter von Schuster und Patermann, leitete den Tonträger an Karl Moik weiter. Der war begeistert von der Musikgruppe aus Taching am See und engagierte sie vom Fleck weg für den »Musikantenstadl« in Linz.

Von nun an ging es steil bergauf. »Nach dem Auftritt bei Moik gab es keinen Radiosender in Deutschland und den Nachbarländern, der unsere Lieder nicht gespielt hat«, sagt Hans Schuster nicht ohne Stolz. Inzwischen haben die »3 Z’widern« mehr als 150 Lieder komponiert, 16 CDs produziert und weit über 400 Radio- und Fernsehauftritte absolviert.

Neben stets ausverkauften Tourneen durch ganz Europa, bereisten die »3 Z’widern« unter anderem den Irak, Ägypten, Oman, Südafrika, Kanada, die USA und Hawaii. Besonders beliebt war und ist das Trio in Asien. Davon zeugen allein sechs Gastspiele in Taiwan sowie Tourneen in Japan. Die vielfältigen Eindrücke und Erfahrungen, die Hans Schuster aus den Aufenthalten in der Ferne gesammelt hat, möchte er keinesfalls missen: »Es gibt eigentlich kein Land, in dem wir nicht waren. Ich habe aus diesen Reisen viel für mich und meine persönliche Entwicklung mitgenommen. Auch wenn es nicht immer ganz ungefährlich war.« So befand sich der Irak beim Gastspiel der »Z’widern« 1983 gerade im Krieg mit dem Iran. »Uns wurden sofort nach der Einreise die Pässe abgenommen und man missbrauchte uns für billige Propaganda-Zwecke«, erinnert sich Schuster. In Ägypten verlief es ähnlich: »Mit unseren Reisedokumenten wurden, wie wir erst später erfuhren, Waren ins Land geschmuggelt. Auf Schritt und Tritt hat man uns seinerzeit verfolgt.« Doch die schönen Erinnerungen überwiegen; beispielsweise die Teilnahme an der legendären Steuben-Parade mit dem damaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani, das besinnliche Adventskonzert vor dem World Trade Center - neun Monate vor den verheerenden Anschlägen vom 11. September 2001 – oder die gemeinsame »Jam Session« mit japanischen Opernmusikern beim Trachtenverein in Tokio.

Vor sieben Jahren bekamen die Tachinger Volksmusikanten »Nachwuchs«. Aus den »3 Z’widern« wurden mit dem Engagement von Toni Baldauf und Tom Zahnbrecher die »5 Z’widern«. »Mit vier Bläsern ist wesentlich mehr möglich. Man kann ein völlig neues Repertoire einstudieren, das auch das jüngere Publikum anspricht«, erklärt Hans Schuster. So reicht die musikalische Bandbreite der »Z’widern« inzwischen von der feinen Stubnmusi über bekannte Schlager und stimmungsvolle Evergreens bis zum fetzigen Rock’n’Roll. Auch der Posten des Gitarristen, der im Laufe der Zeit mehrfachen Wechseln unterzogen war, ist seit 2011 mit Armin Maiwälder wieder konstant besetzt.

Im Vorjahr wollten sich Schuster und Patermann aus gesundheitlichen Gründen aus dem Musikgeschäft zurückziehen. »Doch die Nachfrage war so groß, dass wir doch weitergemacht haben. Musik ist halt unser Leben«, resümiert Hans Schuster. Und deshalb wollen die »Z’widern« nächstes Jahr wieder ordentlich anpacken: Es gibt Pläne für eine Deutschland-Tournee, Festabende in der Schweiz, Frankreich und Slowenien sowie für eine neue CD. mia