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Museumsverein kauft Torfbahnhof für 12 000 Euro

Grassau. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschloss der Museumsverein Torfbahnhof Rottau einstimmig, den Torfbahnhof, das Museumsgebäude einschließlich der 6727 Quadratmeter Umland zu kaufen. Der Preis beträgt 12 000 Euro plus Nebenkosten.

Der Museumsverein Torfbahnhof Rottau kauft die Museumsanlage für 12 000 Euro. (Foto: Giesen)

Die Gebäude des Torfbahnhofs waren 1920 als Torfverladestation entstanden und wurden bis 1988 genutzt. Der Museumsverein Torfbahnhof Rottau ermöglichte seit 1989 die Besichtigung des unter Denkmalschutz stehenden, imposanten Industriedenkmals in reiner Holzbauweise. Von besonderem Interesse ist die einzige noch erhaltene Torfballenpresse im Museum.

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Verein zahlte bisher 1400 Euro pro Jahr an Pacht

In der Versammlung im Gasthof zur Post erläuterte der Vorsitzende des Museumsvereins Torfbahnhof, Ekkehard Barchewitz, den Mitgliedern des Vereins die Hintergründe des Kaufangebots. Der jetzige Eigentümer, die Immobiliengesellschaft aurelis Real Estate GmbH &Co. KG aus Eschborn, von der der Verein das Museumsgelände gepachtet hat, versuche bereits seit Jahren vergeblich, den Torfbahnhof wieder zu verkaufen, so Barchewitz. Nun liege dem Verein ein Kaufangebot für 12 000 Euro plus ungefähr 600 Euro Nebenkosten vor. Bisher zahlt der Verein 1400 Euro Pacht pro Jahr, die durch einen Kauf wegfallen würden.

Der Kaufpreis habe sich so nach acht bis neun Jahren amortisiert, sagte der Vorsitzende. Er argumentierte, dass die beiden Gebäude mit Umland das Herzstück der Gesamtanlage darstellen und daher im Besitz des Museumsvereins sein sollten. Zudem habe der Verein fortlaufend Restaurierungs- und Instandhaltungsarbeiten getätigt, die verloren gingen, falls aurelis den Pachtvertrag kündige.

Der Kauf, »dieser wichtige Schritt für die Zukunft«, sei in der Vorstandschaft ausführlich diskutiert worden, so Barchewitz. Auch Unterstützer sind bereits gefunden: Der Verein mit seinen knapp 100 Mitgliedern hat bisher 3475 Euro an Spenden für das Projekt bekommen sowie Zusagen für 11 000 Euro als zinslose Kredite. Der Vorstand ließ auch keinen Zweifel daran, dass der Verein vor einer »zweiten Sanierungswelle« für den Torfbahnhof stehe, so dass in den nächsten Jahren noch viel Geld, auch aus öffentlichen Mitteln, benötigt werde.

Zweiter wichtiger Punkt der außerordentlichen Versammlung war das weitere Schicksal der Geschichtswerkstatt Schusterbude im ersten Stock des Museums. Der Verein hatte bei der letzten Jahreshauptversammlung beschlossen, die Schusterbude bis November 2013 im Museum zur Besichtigung zu belassen und danach in ein externes Depot auszulagern, berichtete der Vorsitzende. Dazu werde durch Museumsleiter Claus-Dieter Hotz eine genaue Inventarisation durchgeführt.

Falls sich bis zum 30. September 2015 für den Sammlungsbestand der Schusterbude keine Möglichkeit einer dauerhaften, öffentlichen Präsentation im Achental oder im Chiemgau ergibt, soll der historische Bestand der Schusterbude dem Deutschen Schuhmuseum Hauenstein in Rheinland-Pfalz kostenlos überlassen werden. Auch diesen Punkt beschloss die Versammlung einstimmig, wenn es dazu auch einige kritische Wortmeldungen gab.

Claus-Dieter Hotz stellte fest, dass es noch eine kurze »Gnadenfrist« für die Schusterbude gebe und berichtete von seinen vielfältigen Bemühungen, andere Möglichkeiten der Unterbringung für die Geschichtswerkstatt im Achental zu finden. Die Mitglieder bat er, ihn bei der Inventarisation zu unterstützen.

Nikolaus Rappl, Gründungsmitglied des Museums Torfbahnhof, sagte, ihn überkomme Wehmut, wenn er daran denke, dass die Schusterbude ins ferne Hauenstein komme. Die Geschichtswerkstatt habe zwar keine unmittelbare Beziehung zum Torfbahnhof, sei aber eine »tolle Attraktion« in sozialgeschichtlicher Hinsicht und könnte durchaus zusätzliche Besucher bringen.

Auch Hans Steinbichler, ebenfalls Gründungsmitglied, hielt die Schusterbude für den heutigen Besucher für außerordentlich interessant und schlug vor, sie in einem der Heimatmuseen der Umgebung unterzubringen. Claus-Dieter Hotz berichtete von dem Deutschen Schuhmuseum in Hauenstein, das mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern das bedeutendste seiner Art in Deutschland sei. Außerdem sei ihm ein Sportmuseum angegliedert. Beschlossen wurde, dass innerhalb der »Schonfrist« von zwei Jahren für die Schusterbude, verstärkt versucht werden soll, noch eine andere Unterbringung in der Umgebung zu finden. gi