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Mordprozess in Traunstein: Mutter lebte ganz für ihren Sohn

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Mordprozess Traunstein
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31.10.2018, Bayern, Traunstein: Der 21-jährige Angeklagte steht mit Rechtsanwälten im Verhandlungssaal am Landgericht Traunstein. Der junge Mann soll im September 2017 seine psychisch kranke Mutter im Streit durch das ganze Wohnhaus verfolgt, gewürgt und schließlich mit einem Hammer erschlagen haben. Foto: Axel Effner/dpa
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Foto: Axel Effner/dpa

Traunstein – Zahlreiche Zeugen aus dem Umfeld der am 15. September 2017 getöteten 53-jährigen Altenmarkterin hörte die Jugendkammer am Landgericht Traunstein an. Der Prozess gegen den 21-jährigen Sohn der Frau vor dem Schwurgericht ist nach wie vor nichtöffentlich. Ihre Leiche hatten Kinder neun Wochen später in einem Wald bei Schnaitsee gefunden (wir berichteten). Mit auf der Anklagebank sitzt der 20-jährige Freund des Hauptangeklagten, der bereits gestanden hat, beim Beseitigen des Leichnams geholfen zu haben. Mit dem Urteil, das für Freitag geplant war, wird aufgrund von Verzögerungen erst nächste Woche gerechnet.


Eine 54-jährige Schulfreundin der Getöteten beschrieb den 21-Jährigen vor der Kammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Klaus Weidmann als sehr intelligent, im Kindesalter impulsiv, anstrengend, fordernd, willensstark und hartnäckig. Er sei sensibel gewesen, habe sich oft ungerecht behandelt gefühlt. Druck habe er schwer ausgehalten.

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Ihr Leben ganz auf den Sohn ausgerichtet

Die Mutter habe ihr Leben ganz auf das Kind ausgerichtet, zum Beispiel nicht beruflich gearbeitet, sich immer schützend vor den Buben gestellt. Die beiden hätten »ein gesundes inniges Verhältnis« gehabt. Die 53-Jährige sei weltoffen und voller Lebensfreude gewesen. Beim letzten Telefonat im April 2017 sei es der Freundin nicht gut gegangen: »Ich habe sie nicht als krank empfunden. Sie war angespannt.« Sie habe ihrem Mann und ihrem Sohn misstraut.

Eine andere Freundin kannte die nach ihren Worten »lebensfrohe, kommunikative« Frau vom Pferdesport her. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn sei eigentlich harmonisch gewesen. Bei den letzten Telefongesprächen im Frühjahr und Sommer 2017 habe die 53-Jährigen von familiären Problemen gesprochen. Einmal habe ihre Freundin nach ihren Worten die Polizei gerufen, weil ihr Sohn auf sie losgegangen sei.

Unter den gestrigen Zeugen war ein 34-jähriger Vater. Seine Kinder, fünf und 14 Jahre alt, hatten beim Spielen im Wald mit einigen Kameraden die aus dem Boden ragende Hand der Getöteten entdeckt. Die Kinder seien ganz aufgeregt zu seiner Mutter gelaufen, erinnerte sich der Zeuge. Erst habe das keiner glauben wollen. Nachdem sowieso ein Spaziergang geplant war, sei man los und habe tatsächlich die Hand gesehen, dazu Grabungsspuren von Tieren. Daraufhin habe er die Polizei verständigt, so der Zeuge. Die Kinder hätten den Vorfall gut verarbeitet, erwiderte der 35-Jährige auf Frage von Dr. Klaus Weidmann.

»Ganz schwache und leise Hilferufe gehört«

»Ganz schwache und leise Hilferufe« und ein »Rascheln« vernahm ein 35-jähriger Zeuge am 15. September 2017 von einer Baustelle aus, die – getrennt durch einen Bauzaun – an das Tatanwesen grenzte. Danach sah oder hörte er nichts Verdächtiges mehr.

Mehrere der – zumeist von den Verteidigern beantragten – Zeugen hatten mit der Heilpraktiker-Szene zu tun und/oder äußerten esoterisches Gedankengut. Die Theorie, die 53-Jährige sei psychisch krank gewesen und habe sich dadurch im Wesen verändert – wie es der 21-Jährige in den früheren Vernehmungen behauptet hatte – konnte aber keiner dieser Zeugen bestätigen.

Der 38-jährige Bruder des Opfers umriss die 53-Jährige als aktive und positive Persönlichkeit. Sie sei gegenüber ihrem Sohn eine sehr fürsorgliche Mutter gewesen, habe in ihn »alle Energie, Zeit und Liebe« investiert. Etwa Anfang 2017 habe sie, wie der Zeuge berichtete, mit ihm selbst nichts mehr zu tun haben wollen – ohne jedwede Erklärung. Er vermute, sie habe die psychische Krankheit bekommen. Den 21-Jährigen habe er nach der Vermisstmeldung der 53-Jährigen Mitte September 2017 einige Tage begleitet.

»Ich hatte nie den Verdacht, dass mein Neffe mit ihrem Verschwinden etwas zu tun hatte«, stellte der 38-Jährige fest. Er habe in dieser Zeit lediglich Streitereien mit seiner Mutter über alltägliche Dinge erwähnt. Was ihn im Inneren bewegt habe, habe der 21-Jährige nicht verbalisiert. Ihm sei er »relativ normal« erschienen, meinte der Onkel.

Während der Suchaktion der Polizei habe er gemerkt, dass der Neffe darüber nicht reden wollte. Einmal habe er im Zusammenhang mit der angeblichen Persönlichkeitsveränderung der Frau gesagt: »Mir wäre lieber, wenn sie nicht zurück käme.«

Der 21-Jährige brach – trotz dreier Geständnisse im Vorfeld – auch am vierten Verhandlungstag nicht sein Schweigen, zeigte auf Zeugenaussagen keine sichtbaren Reaktionen. Das Geständnis seines besten Freunds, der ihn letzte Woche massiv und großenteils im Sinn der Anklageschrift von Staatsanwalt Markus Andrä belastet hatte, ließ der 21-Jährige bis dato unkommentiert. kd

Im Video: Mutter mit Hammer getötet und im Wald vergraben

Am Landgericht Traunstein hat heute der Prozess gegen einen 21 Jahre alten Mann aus Altenmarkt an der Alz begonnen. Er soll seine 53-jährige Mutter mit einem Hammer getötet und anschließend im Wald bei Schnaitsee vergraben haben.