weather-image
28°

Mordprozess geht dem Ende zu

1.0
1.0

Traunstein – Nach acht Verhandlungstagen geht der Traunsteiner Schwurgerichtsprozess gegen einen 21-Jährigen wegen Mordes an einem 72-Jährigen und wegen versuchten Mordes an einer Jugendlichen in Bad Reichenhall dem Ende zu.


Die Beweisaufnahme der Jugendkammer wurde gestern mit einer DNA-Sachverständigen und letzten Zeugen abgeschlossen. Dass der aus dem Raum Koblenz stammende und zuletzt als Zeitsoldat bei der Bundeswehr in der Hochstaufen-Kaserne stationierte Angeklagte verurteilt wird, gilt angesichts der dichten Beweiskette als sicher.

Anzeige

Am morgigen Donnerstag um 9 Uhr beginnen die Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage sowie der Verteidiger ihre Schlussanträge. Nach den Plädoyers hat der Angeklagte Gelegenheit zu einem »letzten Wort«. Ob er schweigt wie bisher in dem gesamten Verfahren oder vielleicht doch eine Erklärung liefert für seine mutmaßlichen Verbrechen, ist offen. Die Jugendkammer hat mehrere Tage für die Urteilsberatung eingeplant, stecken doch zahlreiche Rechtsfragen in dem Verfahren. Im Urteil, das am Mittwoch, 6. Mai, um 14 Uhr verkündet wird, muss das Gericht zunächst begründen, warum es Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht bei dem zur Tatzeit noch 20 Jahre alten Heranwachsenden angewandt hat. Im Jugendstrafrecht beträgt die maximal mögliche Jugendstrafe 15 Jahre.

Für eine an die Haftzeit anschließende Sicherungsverwahrung in einer geeigneten Therapieeinrichtung müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Darunter fallen eine Jugendstrafe von mehr als sieben Jahren, eine »schwere Opferschädigung« und eine erhebliche Wiederholungsgefahr für vergleichbare massive Straftaten. Ob ein verurteilter Gewalttäter noch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, wird in der Sicherungsverwahrung alle zwei Jahre überprüft.

Erkennt das Schwurgericht auf Erwachsenenstrafrecht, gibt es vom Gesetz her nur eine Strafe – lebenslänglich. Auch hier könnte nach der Zeit im Gefängnis Sicherungsverwahrung drohen. kd