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Moorrenaturierung kommt allmählich voran

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Ein positives Beispiel für Moorrenaturierung ist das Halfinger Moos: Das Foto zeigt Flächen, die vor rund drei Jahren renaturiert worden sind.

Die Räte der Marktgemeinde Waging und der Stadt Traunstein haben letztes Jahr beschlossen, sich aktiv am Klimaschutzprogramm »Bayern 2050 – Moore« zu beteiligen.


Denn, so sagt Bärbel Gänzle, Fachkraft für Moorrenaturierung in diesem Förderprogramm des Freistaats Bayern, eine der wichtigsten Chancen, den Klimawandel auf naturnahe Weise aufzuhalten, sei die Renaturierung entwässerter Hoch- und Niedermoore. Und sie stellt optimistisch fest: »Wir kommen voran.«

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Die ersten Flächenankäufe und -anpachtungen sowie Grunddienstbarkeiten könnten sich sehen lassen. »Im Preisinger Moos läuft gerade der dritte Förderantrag mit mehreren Grundstücksflächen. Und für das Waginger Weitmoos ist der erste Förderantrag für die Sicherung von mehreren Grundstücksflächen in Arbeit. Es werden also, wie erhofft, für den Schutz der Ressourcen enorm wichtige Renaturierungsmaßnahmen möglich werden. Ich vertraue den Menschen, den Eigentümern von Moorgrundstücken, dass sie auch weiterhin ihre Grundstücke dem Freistaat mit der ortsüblichen und angemessenen Entschädigung zur Verfügung stellen werden«, bleibt Bärbel Gänzle zuversichtlich.

Erste Erfolge innerhalb von einem Jahr

Die Kommunen hätten erkannt, dass die Wetter-Extreme, der Reichtum der heimischen Natur und der Schutz der Lebensgrundlagen auch in lokaler Verantwortung liegen. Vor rund einem Jahr hatten Traunstein und Waging beschlossen, sich dafür einzusetzen, dass Moorflächen in der Moorlandschaft Pechschnait und im Weitmoos angekauft oder angepachtet werden können, damit diese wieder in intakte Regenmoore zurückgebaut werden. Schon innerhalb des ersten Jahres seien in beiden Mooren einige Erfolge erzielt worden, stellt Gänzle fest.

Der Freistaat Bayern fördert über das Klimaschutzprogramm »Bayern 2050« schon seit 2008 viele Maßnahmen, darunter auch die Moorrevitalisierungen von Weilheim bis ins Berchtesgadener Land, um Kohlendioxid zu reduzieren. Denn Kohlendioxid ist, wie Gänzle betont, ein von Menschen verursachtes Treibhausgas, das für die Erderwärmung mit verantwortlich ist. Die sogenannten Treibhausgase würden die von der Erdoberfläche abgegebene Wärmestrahlung absorbieren und die Wärme dadurch in der Erdatmosphäre gefangen halten.

Dabei sei die erhöhte Aufnahme des Kohlenstoffs in Pflanzen der am schnellsten wirkende Mechanismus, um den Anstieg der atmosphärischen Gaskonzentration zu dämpfen, bezieht sich Gänzle auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Studien der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hätten gezeigt, dass intakte Regenmoore 15 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar und Jahr in die Moorvegetation und in die sich neubildenden Torfschichten einlagern.

Kultivierung der Moore hat Wunden hinterlassen

Bis vor rund 100 Jahren waren die Moore mit ausgeklügelten Grabensystemen entwässert worden. Torf wurde als Brennstoff oder Stalleinstreu gewonnen. Es entstanden Flächen für Ackerbau, Weideland oder Fichtenwälder. Diese neu gewonnenen Wirtschaftsflächen waren für die Bevölkerung vor Ort häufig überlebenswichtig. Die damalige Kultivierung der Moore hat aber große Wunden in der Moorlandschaft hinterlassen. Der vielfältige Moorlebensraum mit seiner großen und besonderen Artenvielfalt ist großflächig den Nutzpflanzen und vielen Allerweltsarten gewichen.

Inzwischen liegen aber viele der Moorgrundstücke brach, da sie mit landwirtschaftlichen Maschinen kaum bearbeitet werden können. Und hier greift nun das Moorrenaturierungsprogramm. Denn intakte Regenmoore seien wertvolle Inseln in der Landschaft, die enorme Dienste als Lebensraum für sehr viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten leisten. Viele Insekten-, Reptilien-, Amphibien- Kleinsäuger- und Vogelarten sind durch die stark steigende Bodenversiegelungen und durch intensive und oft monokulturelle Bewirtschaftung auf Äckern, Wiesen und in Wäldern vom Aussterben bedroht. Ein weiterer positiver Effekt auf die Umwelt sei der lokale Regenrückhalt von großen Wassermengen in den Moorflächen, deren Entwässerungsgräben deaktiviert wurden. Dies könne die Hochwasserspitzen in diesen Fließgewässern mindern.

»Wollen in den nächsten Jahren weiter kommen«

Deshalb fordert Gänzle, rasch zu handeln: »Wir wollen in den nächsten Jahren immer weiter kommen, damit schlussendlich wirklich viele Hektar Moor im Landkreis Traunstein als sichtbarer und spürbarer Klima-, Arten- und Wasserschutz rauskommen.« Zudem unterstützt der Freistaat das Programm mit hohen Zuschüssen. Der Kauf beziehungsweise die Pacht solcher Flächen wird mit 90 Prozent bezuschusst, die Kosten für die Umsetzung der Maßnahme werden komplett vom Staat getragen. he

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