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Möglicher Standort bleibt umstritten

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Der geplante Wertstoffhof wäre zur Straße hin offen, zur Wohnbebauung geschlossen. (Foto: T. Eder)

Grassau – Größtenteils sachlich verlief die Diskussionsveranstaltung zum geplanten Wertstoffhof im Gewerbegebiet Eichelreuth im vollbesetzten Heftersaal.


Eingang informierte Bürgermeister Rudi Jantke, dass die Entfernung zum bestehenden Wertstoffhof, die Öffnungszeiten und auch das an Stoßzeiten entstehende Verkehrschaos auf dem Platz kritisiert werde. Zudem können aufgrund des Platzmangels kein Sperrmüll, Holz und Elektrogeräte angeliefert werden. Nur ein mit Marquartstein und Staudach-Egerndach gemeinsamer Wertstoffhof könne wirtschaftlich betrieben werden, so Jantke weiter. Folglich müsse der Standort auch möglichst zentral zwischen den drei Gemeinden und den Ortsteilen Mietenkam und Rottau liegen.

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Die europaweite Ausschreibung für den neuen Wertstoffhof erfolgte Grundstücks-offen, sodass sich der Betreiber selbst um ein Grundstück kümmern muss. Der einzig bislang gesicherte Standort sei der viel diskutierte Gewerbegrund in Eichelreuth. Im Bebauungsplan sei geregelt, dass der Lärmpegel zwischen 6 und 20 Uhr 55 Dezibel nicht überschreiten darf. Die Wertstoffhofinseln in Rottau und Mietenkam würden trotzdem aufrecht gehalten. Nur der Containerplatz an der Gänsbachstraße soll aufgelöst werden.

Die Leiterin des Bereichs Abfallwirtschaft am Landratsamt, Birgit Seeholzer, erklärte, die Vorteile des geplanten Wertstoffhofs lägen in längeren Öffnungszeit, aber höchsten wochentags von 8 bis 18 Uhr, einem größeren Angebot an Wertstoff-Fraktionen und einer besseren Erreichbarkeit. Die Grassauer haben bislang am weitesten zu fahren bis zum Wertstoffhof. Zu Fuß sei dieser nicht zu erreichen. Im Wertstoffhof würden ein Einbahnverkehr realisiert und der Besucherverkehr von den Arbeitsabläufen getrennt. Auch betonte Seeholzer, dass gefährliche Abfälle wie Batterien, Lacke und Lösungsmittel dort nicht gesammelt werden und weiterhin das Giftmobil unterwegs ist. Die Ausschreibungsfrist laufe am Montag ab und werde dann von einem Fachbüro geprüft. In Betrieb gehen solle der Wertstoffhof zum 1. Juli 2016.

Ingenieur Christian Sextl, vom Biomassehof mit der Planung eines Vorentwurfs beauftragt, zeigte, wie der Wertstoffhof in Eichelreuth aussehen könnte. Auf dem 3260 Quadratmeter großen Grundstück würde ein 110 Meter langes U-förmiges Gebäude mit Pultdach entstehen. Im hinteren Bereich hat das Gebäude eine Höhe von 5,30 und nach innen von 7,30 Meter. 28 Parkplätze und vier Anhängerparkplätze seien ebenfalls im Innenbereich vorgesehen. Die offene Seite sei der Wohnbebauung abgewandt. Im Schallschutz-Gutachten wurden Werte tagsüber von unter 45 Dezibel ermittelt. Zur Geruchsimmission erklärte er, dass Grüngut in Containern gesammelt werde. Von der Wohnbebauung sehe man nur auf die Rückseite des Hofs und diese werde begrünt.

Lärmpegel anderer Betriebe nicht berücksichtigt

In der Diskussion kritisierte Jürgen Sterr von der Interessensgemeinschaft gegen den Wertstoffhof, dass sich das Schallgutachten auf Prognosen beziehe. Er fragte, wie eine Nachrüstung, sollten die Werte nicht möglich sein, realisiert werden könnte. Thomas Karrasch, Leiter der Abteilung Immissionsschutz am Landratsamt, erklärte, dass es verschiedene Möglichkeiten gebe. Seeholzer fügte an, dass nur schallschutzgedämmte Glascontainer verwendet werden. Zudem wollte Sterr wissen, ob im Schallschutzgutachten auch die Lärmpegel der anderen benachbarten Betriebe eingerechnet wurden. Laut Planer beziehe sich das Gutachten nur auf den geplanten Wertstoffhof. Jantke informierte, dass im Zuge der Baugenehmigung ein Immissionsschutzgutachten von einem unabhängigen Gutachter vorgelegt werden müsse. Es könne sein, dass durch den Wertstoffhof auch die Schallimmissionen vom Biomassehof geringer werden.

Ein weiterer Bürger meinte, der Standort sei sehr unglücklich, ein Wertstoffhof gehöre nicht in unmittelbare Umgebung einer Wohnbebauung. Zudem hätte zwischen Gewerbegebiet und Wohnbebauung ein Mischgebiet als Puffer entstehen müssen. Laut Karrasch stelle sich diese Frage nicht, da das Gewerbegebiet bereits existiert. Zulässige Werte seien definiert. Wo die Geräuschquellen sitzen, spiele keine Rolle. Seeholzer wiederholte, dass die Ausschreibung Standortneutral erfolgte, mit der Maßgabe, dass vom Mittelpunkt, ungefähr Reifinger Straße, im Radius von 1100 Metern ein Grundstück gefunden werden müsse.

Zur Ansicht von Marco Diesing, dass der Wertstoffhof bis auf 18 Meter an die Wohnbebauung heranrücke, entgegnete Bürgermeister Jantke, die Abstände würden über 25 Meter betragen. Ob der bestehende Wertstoffhof vergrößert werden kann, interessierte Hans Genghammer. Laut Seeholzer wäre es an diesem entlegenen Standort nur eine Insellösung. Der Wertstoffhof solle möglichst nah an die Bürger. Jürgen Sterr fragte nach, ob hinter den ehemaligen Ruwell-Werken eine Möglichkeit bestehe. Laut Jantke kommen ständig Anfragen auf Erwerb der Gewerbeflächen. Sie sind aber in privater Hand.

Weiter meinte Sterr, er könne sich vorstellen, dass aus dem weiteren Achental Bürger den Wertstoffhof besuchen, und fragte, ob dies einkalkuliert wurde. Gemäß Seeholzer wurde beim schalltechnischen Gutachten von 350 Fahrzeugen täglich ausgegangen und bewusst hoch angesetzt. Weitere Befürchtungen der Anlieger waren, dass auch Ungeziefer kommen könne, oder aber der Verkehr Fußgänger beeinträchtigt. tb