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Mitpatienten massiv attackiert

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Ein 31-jähriger Insasse des Bezirksklinikums in Gabersee attackierte seinen 50-jährigen Zimmergenossen massiv, schlug und trat ihn. Das Opfer erlitt Knochenbrüche im Gesichtsbereich. Das Schwurgericht Traunstein ordnete gestern die Unterbringung des psychisch kranken Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus an – obwohl gegen den Mann bereits ein Unterbringungsbefehl des Landgerichts Traunstein aus dem Jahr 2009 besteht.


Der Grund für die »doppelte Unterbringung«: Die Qualität seiner aggressiven Taten steigerte sich gegenüber den früheren Körperverletzungsdelikten auf einen »versuchten Totschlag« an dem 50-Jährigen, ausgeführt mit Tötungsvorsatz. Der Verteidiger will »eingehend prüfen«, ob er Revision zum Bundesgerichtshof einlegt.

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Stimmen befahlen ihm, den 50-Jährigen umzubringen

Der 31-jährige, gebürtige Pole leidet an einer paranoiden Schizophrenie mit Wahnvorstellungen und Stimmenhören. Kurz nach dem Angriff gegen den Mitbewohner gab er bei der Kripo Rosenheim als Motiv an: »Ich wollte ihn umbringen, weil mir das die Stimmen befohlen haben. Wenn ich ihn nicht umbringe, wird der Drecksack mich töten.« Sinngemäß wiederholte das der Beschuldigte gestern vor dem Schwurgericht mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs.

Der Vorfall war am Abend des 24. November 2014 passiert. Der 50-Jährige saß im gemeinsamen Zimmer am Schreibtisch. Der 31-Jährige sprang plötzlich von seinem Bett auf und attackierte den Zimmergenossen. Der erste unvermittelte Faustschlag traf den Kopf des Opfers oberhalb des linken Auges. Der 50-Jährige ging zu Boden. Dann trat der Turnschuhe tragende 31-Jährige heftig und mehrmals gegen den Kopf des Wehrlosen, der das Bewusstsein verlor.

Ein Pfleger hörte aus der Ferne die Schreie und stürmte in das Zimmer, schrie den 31-Jährigen an aufzuhören und konnte so weit schlimmere Folgen oder sogar den Tod des 50-Jährigen verhindern. Neben den Brüchen im Schädelbereich stellten Ärzte eine Gehirnerschütterung, Blutergüsse und Schürfwunden fest. Inzwischen hat sich der Geschädigte wieder weitgehend erholt, wie er gestern schilderte.

Der Beschuldigte legte gestern ein volles Geständnis ab, wiederholte dabei seinen Tötungswillen. Der 50-Jährige sei »Judas« gewesen, er selbst »Christus«. Die psychiatrische Sachverständige, Dr. Mirela Pascu von der Justizvollzugsanstalt Straubing, attestierte dem 31-Jährigen eine schizophrene Erkrankung mit Wahnsymptomatik. Die Heilungschancen stünden trotz Medikamenten schlecht, die Wiederholungsgefahr sei groß.

Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner beantragte gestern, trotz der bestehenden Maßregel, die nochmalige Unterbringung anzuordnen. Der Nebenklagevertreter, Dr. Dr. Johannes Driendl aus Bayreuth, schloss sich an. Das lehnte der Verteidiger, Dr. Herbert Buchner aus Traunstein, ab. Man könne nicht feststellen, dass sein Mandant »noch gefährlicher« sei.

Gericht sah »Steigerung der Gefährlichkeit«

Dieser Meinung schloss sich das Schwurgericht im Urteil nicht an. Der 31-Jährige habe das Opfer mehrmals getreten, »mehr oder weniger gegen dessen Kopf gestampft«. Ob einige der Verletzungen vielleicht älteren Datums seien, wie der Verteidiger argumentiert hatte, spiele keine Rolle: »Auf Befehl der Stimmen wollte der Beschuldigte den Mitbewohner zu Tode bringen.« Dafür könne er als Schuldunfähiger aber nicht bestraft werden.

Das Schwurgericht sehe »eine Steigerung der Gefährlichkeit«, die Anlass sei, eine Verlängerung der Unterbringung zu überprüfen, Sicherheitsaspekte zu verstärken sowie Schutzmaßnahmen für Mitpatienten und Personal zu ergreifen. Deshalb seien nach Überzeugung der Kammer die Voraussetzungen für nochmalige Anordnung der Unterbringung gegeben. kd

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